Verfilmung des populären Theaterstücks von Yasmina Reza um die gutsituierten Eltern zweier gewalttätiger Kids, die sich beim Schlichtungsversuch selbst nicht im Zaum halten können. Scharfsinniger Blick hinter die Kulissen der Bürgerlichkeit. http://images.kino.de/flbilder/max11/auto11/auto40/11400136/b150x150.jpg Der Gott des Gemetzels

Filmdetails

Der Gott des Gemetzels

Verfilmung des populären Theaterstücks von Yasmina Reza um die gutsituierten Eltern zweier gewalttätiger Kids, die sich beim Schlichtungsversuch selbst nicht im Zaum halten können. Scharfsinniger Blick hinter die Kulissen der Bürgerlichkeit.


Der Gott des Gemetzels
Start: 24.11.2011

Originaltitel: Carnage

Komödie / Drama

Frankreich/Deutschland/Polen 2011
Laufzeit: 80 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Jodie Foster
Kate Winslet
Christoph Waltz

Regie: Roman Polanski
Verleih: Constantin

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Inhalt

Zwei Ehepaare, Penelope und Michael respektive Nancy und Alan, stehen sich als Gastgeber und Gäste gegenüber. Penelope und Michaels Sohn hat bei einer Schlägerei zwei Zähne eingebüßt und Nancy und Alans Jungen als Täter genannt. Jetzt will man sich aussprechen, entschuldigen beziehungsweise verzeihen, über alles reden. Zunächst geht es noch gesittet zu, der gemütliche Michael reicht die Hand zur Versöhnung. Da eskaliert die Lage. Die beiden Parteien beginnen sich aufs Schlimmste zu beharken.


Kritik

Der Gott des Gemetzels

Ein Kabinettstück für vier Darsteller und einen Regisseur (und eine Vase Tulpen) ist Roman Polanskis kongeniale Adaption des weltweiten Theaterhits von Yasmina Reza.

Als Meisterregisseur erweist sich Roman Polanski, der mit vier Darstellern und einem einzigen Schauplatz großes Kino zaubert. Jede Geste, jede Miene stimmt, ohne übertrieben zu wirken, wie es bei der Übertragung von der Bühne auf die Leinwand leicht passieren könnte. In den geschliffenen Dialogen sitzt jede Pointe, versteht man jedes Wort, ohne dass es künstlich, aufgesetzt wirkt - es sei denn es gehört zum Charakter der Figur. In diesem Film passiert nicht viel mehr als eben jene Dialoge. Dennoch fühlt man sich hier von der ersten bis zu letzten Minute glänzend unterhalten. Der Unterhaltungswert steigert sich im Lauf der Handlung, wenn aus den zu Anfang so betont friedliebenden, freidenkenden, nur ein wenig genervten Großbürgern bissige, Vorurteilsbeladene Spießbürger und Proleten werden.

Jede der vier Figuren wird im Laufe der Debatten und des zunehmenden Alkoholkonsum die Contenance verlieren, manche schneller als andere. Kate Winslets Figur entwickelt sich dabei am überraschendsten in dieser Typenkomödie, in der Christoph Waltz schon am Anfang als arroganter Workaholic glänzen darf. Jodie Foster gibt brillant die hyperkorrekte Weltretterin, John C. Reilly ihren fürchterlich wohlmeinenden Mann. Die Fronten in den Wortgefechten ( die martialische Bedeutung ist unbedingt berechtigt) wechseln ständig, da gibt es Male-Bonding über den Whiskey bzw. die John-Wayne- oder Ivanhoe-Attitüde, da streiten sich die Ehepaare untereinander oder verteidigen sich gegen das andere. Neben den zum Teil urkomischen, bissigen Sprüchen -da werden schon mal Jane Fonda und der Ku Klux Klan in einen Satz gepackt - gibt es auch Situationskomik. Herausragend ist eine denkwürdige Kotzszene und ihre Folgen.

Polanskis scharfer Blick fürs Detail in der Darstellerführung setzt sich in der Ausstattung des New Yorker Apartments fort (unterstützt von "Der Pate"-Produktionsdesigner Dean Tavoularis), das nur durch die Fenster ein Blick auf die Außenwelt, die Skyline, freigibt. Ein Strauß gelber Tulpen etwa spielt eine große Rolle, wird er doch schon zu Anfang nicht nur im Gespräch erwähnt, sondern im Vordergrund vor dem Protagonisten-Quartett von Pawel Edelmans Kamera ins Bild gerückt, oder ein Katalog von Kokoschka gleich daneben. Alexandre Desplats ironisch-beschwingte Musik zur Anfangs- und Schlussszene setzt den Ton des Stücks und bildet den Rahmen. Nur in diesen zwei kurzen Szenen befindet man sich außerhalb der Wohnung, sind die Auslöser des "Dramas" aus der Distanz und von oben aufgenommen zu sehen: Kinder, die auf dem Spielplatz spielen, sich prügeln. Polanski erlaubt sich am Ende eine witzige Schlusspointe, die Rezas pessimistische Einstellung der Zivilisation gegenüber eine versöhnliche Note gibt. hai.

Der Gott des Gemetzels

Darsteller:  Jodie Foster   als Penelope Longstreet
  Kate Winslet   als Nancy Cowan
  Christoph Waltz   als Alan Cowan
  John C. Reilly   als Michael Longstreet
 
Regie:  Roman Polanski  
Drehbuch:  Roman Polanski  
  Yasmina Reza  
Produzent:  Saïd Ben Saïd  
Koproduzent:  Martin Moszkowicz  
  Oliver Berben  
  Piotr Reisch  
  Jaume Roures  
Buchvorlage:  Yasmina Reza  
Kamera:  Pawel Edelman  
Schnitt:  Hervé de Luze  
Musik:  Alexandre Desplat  
Produktionsdesign:  Dean Tavoularis  
Kostüme:  Milena Canonero  
Ton:  Jean-Marie Blondel  
Casting:  Fiona Weir  

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