Düsteres, sensibles Drama über den langsamen Abstieg eines Mannes in den Wahnsinn. http://images.kino.de/flbilder/max98/bf98/bf02_03/b9802019/b150x150.jpg Der Gejagte

Filmdetails

Der Gejagte

Düsteres, sensibles Drama über den langsamen Abstieg eines Mannes in den Wahnsinn.


Der Gejagte
Start: 12.02.1998

Originaltitel: Affliction

Drama

USA 1997
Laufzeit: 114 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Nick Nolte
Sissy Spacek
James Coburn

Regie: Paul Schrader
Verleih: Studiocanal

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Action
Humor
Romantik
Spannung
Anspruch
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Temperatur

lau

Inhalt

Wade Whitehouse ist eine durch und durch verkrachte Existenz. In seinem heimatlichen Provinznest Lawford gebärt er sich zwar als Sheriff, ist aber nur Handlanger für den Bürgermeister. Er muß sich um seinen gewalttätigen Vater kümmern, ist geschieden und froh, wenn er zumindest sein Töchterchen bei sich hat. Doch sie und schließlich auch seine Freundin verschreckt er mit seinem frustriert-aggressiven, zunehmend psychotischen Verhalten.


Kritik

Der Gejagte

Die hellen Tage habe er schon gesehen, nun müßte er aber wieder in die dunklen zurück, so Paul Schrader sinngemäß in seinen Interviews, die er während der diesjährigen Filmfestspiele von Venedig gab, wo sein jüngstes Werk in der Reihe "Mezzanotte" gezeigt wurde. In gewisser Weise hat Schrader, Autor von Kino-Meilensteinen wie "Taxi Driver" und "Wie ein wilder Stier" und Regisseur des Überraschungs-Hits "Ein Mann für gewisse Stunden", recht, stand er doch einst höher in der Gunst von Publikum und Kritik als nach seinen letzten beiden Werken "Light Sleeper" und "Touch". Letztgenannte Elmore-Leonard-Verfilmung brachte es hierzulande nicht einmal zu einem Kinostart. Dieses Schicksal sollte "Affliction" erspart bleiben: Immerhin plant Kinowelt, das düstere Drama über den langsamen Abstieg eines Mannes in den Wahnsinn in einigen Schlüsselstädten in die Kinos zu bringen.

Sieht man sich Schraders Adaption des gleichnamigen Romans von Russell Banks an, fällt sofort auf, daß der Regisseur sich wieder mit seinen beiden bevorzugten Themen - der Vereinsamung des Individuums und die Unfähigkeit der Männer, ihre Liebe auszudrücken - beschäftigt. Schraders, von Travis Bickle über Mishima bis hin zu Wade Whitehouse, konsequent weiterentwickelter Anti-Held, der von Nick Nolte mit beeindruckender Präsenz gespielt wird, fristet als Hilfsarbeiter und Polizist der krisengeplagten Kleinstadt Lawford, New Hampshire, ein trostloses Dasein. Seine Frau Lillian hat ihn wegen eines anderen verlassen, die verängstigte Tochter Jill bekommt er fast nicht mehr zu Gesicht. Als eines Tages der einflußreiche Gewerkschaftsboss Twombley bei einem Jagdunfall zu Tode kommt, vermutet Wade ein Verbrechen. Bei seiner Suche nach der Wahrheit versteigt sich Whitehouse immer mehr in seine Mordtheorie und entfremdet sich darüber endgültig von seiner Umwelt.

Schon in den ersten, von Kameramann Paul Sarossy wunderbar fotografierten Postkarten-Bildern, in deren Rahmen die Anfangstitel laufen, skizziert Schrader seinen Ort der Handlung, ein miefiges, winterliches Kaff, das alles und jeden zu ersticken droht und dessen Geschichte Willem Dafoe aus der Sicht von Whitehouses sensiblerem Bruder, der längst die Flucht angetreten hat, mit bedächtigem Kommentar aus dem Off erzählt wird. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Hüne Nolte, der den ganzen Film über von fürchterlichen Zahnschmerzen geplagt wird, explodieren wird. Wade, der als Gesetzeshüter alles unter Kontrolle haben sollte, hat nicht einmal sich und seine Gefühle in der Gewalt. Da ist der brutale, alkoholkranke Vater (großartig: James Coburn), unter dessen Einfluß er immer noch steht, da ist seine Freundin Margie (souverän: die in Hollywood sträflich vernachlässigte Sissy Spacek), deren Liebe er nicht zu erwidern vermag, und da ist auch noch sein Chef, der erfolgreiche Geschäftsmann Gordon Lariviere, von dem er sich abkanzeln lassen muß wie ein kleiner Schuljunge.

"No Way Out", so lautet Paul Schraders pessimistisches Credo, das man gleichermaßen auf die Karriere des Filmemachers als auch aufs zeitgenössische amerikanische Kino beziehen kann. In Zeiten von Super-Budgets, Mega-Stars und Hyper-Effekten ist leider wenig Platz für sperrige Werke wie "Affliction", was im Deutschen sowohl Not und Bedrängnis als auch Schmerzen und Leid bedeuten kann. geh.

Der Gejagte

Darsteller:  Nick Nolte   als Wade Whitehouse
  Sissy Spacek   als Margie Fogg
  James Coburn   als Glen Whithouse
  Willem Dafoe   als Rolfe Whitehouse
  Mary Beth Hurt   als Lillian
  Jim True   als Jack Hewitt
  Marian Seldes   als Alma Pittman
  Holmes Osborne   als Gordon LaRiviere
  Brigid Tierney   als Jill
  Sean McCann   als Evan Twombley
  Wayne Robson   als Nick Wickham
  Steve Adams   als Mel Gordon
 
Regie:  Paul Schrader  
Drehbuch:  Paul Schrader  
Produzent:  Linda Reisman  
Koproduzent:  Eric Berg  
  Frank K. Isaac  
Ausf. Produzent:  Nick Nolte  
  Barr B. Potter  
Buchvorlage:  Russell Banks  
Kamera:  Paul Sarossy  
Schnitt:  Jay Rabinowitz  
Musik:  Michael Brook  
Produktionsdesign:  Anne Pritchard  
  Michael Beaudet  
Kostüme:  François Laplante  
Ton:  Patrick Rousseau  

James Coburn verstorben

James Coburn

James Coburn

Im Alter von 74 Jahren erlag der unverwüstlich erscheinende Hollywood-Haudegen James Coburn am Montag den Folgen eines Herzanfalls.

Der am 31. August 1928 geborene Coburn war einer der größten Westerndarsteller, der sich mit drei Filmen des Genres unsterblich machte: John Sturges' "Die glorreichen Sieben", der ihm 1960 den Druchbruch bescherte, Sam Peckinpahs "Pat Garrett jagt Billy the Kid" und Sergio Leones "Todesmelodie".

Weitere Paraderollen hatte er in "Gesprengte Ketten", "700 Meilen westwärts", "Sierra Charriba" und "Steiner - Das Eiserne Kreuz" sowie als amerikanische Antwort auf James Bond in den lakonischen Derek-Flint-Filmen.

Eine späte Ehre wurde dem Rauhbein Coburn 1998 zuteil, als er für seine Leistung in Paul Schraders "Der Gejagte" einen Oscar als bester Nebendarsteller in Empfang nehmen durfte. Aktuell ist James Coburn in "Snowdogs - Acht Helden auf vier Pfoten", einem seiner letzten Filme, im Kino zu sehen.

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