Veröffentlicht am 01.11.2012
Der deutsche Freund Deutschland/Argentinien 2012
Der deutsche Freund Kinostart 01.11.2012, Deutschland/Argentinien 2012
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  • deutsche Freund, Der / Max Riemelt

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Der deutsche Freund - Filmplakat

Ungewöhnliche Liebesgeschichte einer Tochter jüdischer Emigranten und eines Sohnes einer Nazifamilie zwischen Argentinien und Deutschland.

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Filmkritik zu Der deutsche Freund

Die ungewöhnliche Liebe zweier zwischen Politik und Privatem, Erinnerung und Zukunft zerrissenen Menschen, die sich von den Schatten der Vergangenheit befreien.

"Wer zweimal mit der Gleichen pennt, gehört schon zum Establishment", ein ziemlich dummer Spruch der 68er Bewegung, den aber nicht alle beherzigten, auch wenn eine feste Beziehung "politisch unkorrekt" war. Für Sulamit, Tochter jüdischer Emigranten aus Deutschland, und Friedrich, Sohn eines früheren SS-Obersturmbannführers, die in Argentinien Tür an Tür wohnen und sich im Deutschland der Studentenproteste lieben, galt diese Maxime jedenfalls nicht.

Jeanine Meerapfel, ebenfalls in Argentinien als Tochter jüdischer Emigranten aufgewachsen und in den wilden Jahren Studentin bei Alexander Kluge und Edgar Reitz, folgt den Spuren einer großen Liebe in dieser Umbruchszeit. Und die beginnt in Argentinien, wo sich Täter- und Opferkind kennenlernen und sich gegen den Willen ihrer Eltern befreunden, zwischen den Jugendlichen keimt eine romantische Liebe. Als der Heranwachsende die wahre Identität seines Vaters erfährt, bricht er mit der Familie und geht Ende der 1960er Jahre nach Deutschland, das Mädchen folgt ihm. Trotz großer Emotionen ordnet er das private Glück dem politischen Widerstand unter, schließt sich der Studentenbewegung an und kehrt später nach Argentinien zurück, um gegen die Militärdiktatur zu kämpfen. Sie bleibt zurück, kann aber auch in einer neuen Beziehung den Mann ihres Lebens nicht vergessen.

Meerapfel erzählt die fiktive Geschichte aus weiblichen Blickwinkel, lässt ihre eigenen Erfahrungen und Beobachtungen einfließen, aus dem südamerikanischen Land mit Verschleppung, Folter und Tod wie aus Deutschland der 68er Jahre mit jungen Männern, die nicht nur gegen das Establishment aufstanden, sondern eigentlich gegen ihre Nazi-Väter und oft sehr lange brauchten, um sich selbst lieben zu können und damit auch andere -Vorbilder für das Liebespaar (Celeste Cid, Max Riemelt), das sich erst nach vielen Wirren sehr spät im fernen Patagonien findet. Authentizität und dichte Atmosphäre bestimmen das Drama, das ein Stück Zeitgeschichte widerspiegelt. Nicht spektakulär und in lauten Tönen wie "Der Baader-Meinhof-Komplex", sondern in leisen Zwischentönen, ie dafür um so intensiver nachklingen. mk.

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Filmhandlung & Hintergrund zu Der deutsche Freund

Die Tochter jüdischer Emigranten aus Deutschland freundet sich mit dem Sohn einer Nazi-Familie an, die in Argentinien untergetaucht ist. Als der Junge von der Vergangenheit seines Vaters erfährt, geht er nach Deutschland und schließt sich der Studentenbewegung an, das Mädchen folgt ihm. Doch er ordnet das private Glück seinem politischen Engagement unter, und kehrt nach Argentinien zurück, um gegen die Militärdiktatur zu kämpfen. Erst sehr spät und nach vielen Irrwegen finden sich die beiden im fernen Patagonien.



Prädikat besonders wertvoll

Auszeichnung der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW)
Prädikat: Besonders wertvollKurztext:

Sulamit Loewenstein ist 13 Jahre alt und die Tochter eines deutsch-jüdischen Unternehmers, der 1936 nach Argentinien geflohen ist. Dort hat die Familie ein zweites Zuhause gefunden. Ausgerechnet mit Friedrich, dem Sohn geflohener Nazis, freundet sich Sulamit an. Für sie ist die Vergangenheit nicht wichtig, doch Friedrich leidet darunter, nicht zu wissen, was sein Vater getan hat. Voller Unruhe sucht er nach seiner Identität und seinem Platz in der Welt. Und Sulamit muss sich entscheiden, ob sie ihm folgen will oder ihren eigenen Weg geht. Eine Jahrzehnte überspannende Liebesgeschichte zieht sich als emotionaler Faden durch den Film. Doch für beide Figuren, die von Max Riemelt und Celeste Cid beeindruckend verkörpert werden, geht es um mehr als nur die Liebe. Regisseurin Jeanine Meerapfel inszeniert mit sicherem Gespür Sulamit und Friedrich als ewig Suchende nach ihrer Rolle im Leben. Dazu kommt ein interessanter und sehr persönlicher Einblick in die deutsche und die argentinische Geschichte, eine Zeit des Umbruchs, die dank sorgfältiger Recherche authentisch dargestellt wird. Sensibel und zurückhaltend unterstützt die Filmmusik die starken Einstellungen. Das Schicksal von Sulamit und Friedrich - die berührende Geschichte einer großen Liebe.

Jurybegründung:

Argentinien: Fluchtland vieler jüdischer Familien bei Beginn der Naziherrschaft in Deutschland und - welche Ironie der Weltgeschichte - bei Kriegsende 1945 auch willkommener Unterschlupf deutscher Nazi-Größen. Schon mehrere Filme haben sich mit den Schicksalen jüdischer Familien im Argentinien der damaligen Zeit beschäftigt, einige auch mit den rasch zu Ansehen und Wohlstand gelangten Nazis unter neuer Identität.
Jeanine Meerapfels autobiographisch geprägter Film zeigt aber erstmals und glaubhaft, wie das Schicksal nicht nur zwei nach Argentinien geflüchtete Familien in Buenos Aires zu Nachbarn machte und dies in scheinbarer Unkenntnis der doch so unterschiedlichen Fluchtmotive. Dass zwei Kinder aus diesen Familien auch noch schicksalhaft ein Leben lang miteinander verbunden bleiben sollten, erhöht die Dramatik und Spannung der Geschichte, die einen sehr großen Bogen spannt: Von Argentinien nach Deutschland und wieder zurück gehen die Wege von Sulamit und Friedrich. Wo werden sie endgültig und vielleicht auch gemeinsam ihre Heimat finden? Es ist ihre Suche nach ihrer Identität, als Deutsche oder als Argentinier. Es ist die schmerzhafte Konfrontation Friedrichs mit der grausamen Nazi-Vergangenheit seines Vaters und sein verzweifelter Kampf, diese für sich selbst bewältigen zu können. So wird Deutschland und später auch Argentinien für ihn zu vordergründigen revolutionären Kampfgebieten. Sulamits Weg wiederum führt nach Deutschland - nicht nur zu ihrem erfolgreichen beruflichen Werdegang, sondern sie folgt auch dort Friedrichs Spuren.
Friedrich, für den es nur ein "Ich" gibt und der Sulamit in die Arme eines Anderen treibt. Erst nach seiner Haftentlassung in Argentinien schließt er mit seiner und der Vergangenheit seines Vaters ab und gelangt zum "uns". Wenn sich Sulamit und Friedrich aber fragen "Bleibst Du hier?" und "Gehst Du mit mir?", bleibt ihrer beider Zukunft offen. Wäre diese außergewöhnliche Liebesgeschichte nicht schon Stoff genug für einen sehr emotionalen Film, so spannt sich der filmische Bogen noch weiter auf: Der zeitgeschichtliche Hintergrund mit der Peron-Ära, mit antisemitischen Übergriffen und mit den Morden und Verschleppungen während der Militärdiktatur in Argentinien. Dann die Zeit der Studentenbewegungen mit Demonstrationen und Protesten in Deutschland, auch unterlegt mit dokumentarischem Archivmaterial. Holocaust und Nazidiktatur werden nur andeutungsweise thematisiert, sind aber der Ausgangspunkt für die schicksalhaften Verstrickungen.
Insgesamt alles sehr viel, vielleicht zu viel für einen Film, so argumentierten einige Mitglieder der Jury, denen durch diese Vielfalt auch der emotionale Zugang zu den Protagonisten verloren ging. Man kann diese Vielfalt aber gerade als großen Reichtum des Films ansehen, wenn auch beim Zuschauer doch sehr große Kenntnisse der Zeitgeschichte vorausgesetzt werden.
Ein besonderes Lob verdient die ausgezeichnete Kamera und die hervorragende dezente musikalische Begleitung. Max Riemelt als Friedrich, Celeste Cid als Sulamit und Benjamin Sadler als Michael überzeugen in ihren Rollen mit großem Können.
Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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Originaltitel Der deutsche Freund
OV -
OmU -
Genre Drama
Filmpreis -
USA-Start -
Kinostart (D) 01.11.2012
Besucher (D) 11.815
Einspielergebnis (D) € 66.845
Bes. (EDI) 11.815
Bes. (FFA) 7.531
FSK ab 12 Jahre
WWW -
Cast & Crew in Der deutsche Freund
Regisseur Prof. Jeanine Meerapfel Künstlerporträt 630823 Jeanine Meerapfel Regisseur © Neue Visionen
Darsteller Celeste Cid Sulamit Löwenstein
Darsteller Max Riemelt Künstlerporträt 785009 Max Riemelt / Filmpremiere Star Trek Into Darkness Friedrich Burg © Kurt Krieger
Darsteller Benjamin Sadler Künstlerporträt 755725 Sadler, Benjamin Michael Tendler © Christian Schulz / Studiocanal GmbH
Darsteller Julieta Vetrano Sulamit, jung
Darsteller Juan Francisco Rey Friedrich, jung
Darsteller Noemi Frenkel Ida Löwenstein
Darsteller Jean Pierre Noher Philipp Löwenstein
Darsteller Katja Alemann Frau Burg
Drehbuch Prof. Jeanine Meerapfel Künstlerporträt 630823 Jeanine Meerapfel Drehbuch © Neue Visionen
Weitere Darsteller
Produzent
Produktionsdesign
Kamera
Schnitt
Musik
Kostüme
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