Bitteres, sehr intensives Drama über eine nicht geahndete Vergewaltigung, das mehrfach ausgezeichnet wurde, aber leider nicht ins Kino kam. http://images.kino.de/flbilder/max11/auto11/auto47/11470843/b150x150.jpg Der Brand

Filmdetails

Der Brand

Bitteres, sehr intensives Drama über eine nicht geahndete Vergewaltigung, das mehrfach ausgezeichnet wurde, aber leider nicht ins Kino kam.


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Inhalt

Nach einem Tanzabend lässt sich Judith von einer Zufallsbekanntschaft begleiten. Urplötzlich schlägt das stilvolle Flirten des Mannes in Gewalttätigkeit um. Er missbraucht sie und kommt auch noch ungeschoren davon: Der Arzt ist ein angesehener Bürger, die Vergewaltigung kann nicht bewiesen werden; es steht Aussage gegen Aussage. Statt Gerechtigkeit widerfährt Judith sogar eine Gegenklage wegen falscher Verdächtigung. Um zu verhindern, dass der Zorn sie zerfrisst, wird sie selbst aktiv.


Kritik

Der Brand

Es dauert eine Weile, bis sich die Bedeutung des Titels erschließt. Erst spät wird klar, dass Judith, die weibliche Hauptfigur, von innen verzehrt wird. Zunächst versucht sie, den innerlichen Brand mit Eiswürfeln zu bekämpfen, später will sie ihn mit einem Eisbad für immer löschen.

Linderung jedoch erfolgt erst, als sie ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt, denn die juristische Gerechtigkeit wird ihr vorenthalten. Dabei ist der Fall klar: Nach einem ausgelassenen Tanzabend lässt Judith (Maja Schöne) es zu, dass ihr Tanzpartner (Wotan Wilke Möhring), eine Zufallsbekanntschaft, sie ein Stück begleitet. Urplötzlich schlägt sein stilvolles Flirten in Gewalttätigkeit um. Der Mann missbraucht sie, lässt sie am Flussufer liegen und kommt auch noch ungeschoren davon: Ralph Nester ist ein angesehener Bürger, er leitet eine Privatklinik und hat Familie. Da die Vergewaltigung nicht bewiesen werden kann, steht Aussage gegen Aussage. Judiths Anzeige, seiner Darstellung nach die Rache einer sitzen gelassenen Frau, beantwortet er mit einer Gegenklage wegen falscher Verdächtigung.

Brigitte Maria Bertele inszeniert dieses Drama ruhig und unauffällig, findet aber gerade zu Beginn immer wieder Bilder, die wie eingefroren wirken und Judiths seelische Situation perfekt illustrieren. In einer dieser sorgfältig komponierten Einstellungen nutzt sie einen einfachen, aber wirkungsvollen Spiegeltrick: Judith bekommt Besuch von Georg, ihrem Freund (Mark Waschke), von dem sie sich nach der Vergewaltigung getrennt hat. Ein Spiegelbild verdoppelt seine Präsenz gewissermaßen; aus Zuschauersicht sieht es so aus, als sei Judith von Georg umzingelt (Bildgestaltung: Hans Fromm). Kein Wunder: Nach einer Phase der Empathie möchte er endlich wieder zur Tagesordnung übergehen. Wenn Judith nicht zulassen will, dass das Feuer sie auffrisst, muss sie seine Energie nach außen lenken. Unter einem Vorwand freundet sie sich mit Nesters Frau (Ursina Lardi) an. Aber erst nach einer Explosion der Verzweiflung widerfährt ihr Gerechtigkeit.

Neben der unerhörten Geschichte (Buch: Johanna Stuttmann) sind es vor allem die Schauspieler, die dafür sorgen, dass man großen Anteil an Judiths Wechselbad der Gefühle nimmt. So bedrückend Judiths Situation auch ist: Schauspielerisch bietet die Hauptrolle Maja Schöne die Gelegenheit, von Niedergeschlagenheit bis zu Verzweiflung und Wut ein denkbar breites emotionales Spektrum auszukosten. Aber auch die Rollen von Waschke und Möhring sind alles andere als eindimensional und mehr als bloß Ergänzungen. Judiths Freund wirkt keineswegs so gefühllos, wie sein Wunsch, sie möge die Ereignisse hinter sich lassen, vermuten lassen könnte. Und der Arzt Nester verbirgt sein zweites Gesicht erfolgreich hinter der Fassade des liebevollen Familienvaters. Selbst der von Judith erst als machtlos, dann gar als Gegner wahrgenommene Anwalt (Florian David Fitz), dessen nüchterne Befragung sie als weitere Demütigung empfindet, darf auch andere Seiten zeigen. tpg.

Der Brand

Darsteller:  Maja Schöne   als Judith Hoffmann
  Wotan Wilke Möhring   als Ralph Nester
  Mark Waschke   als Georg
  Florian David Fitz   als Valentin Stein
  Ursina Lardi   als Anne Nester
 
Regie:  Brigitte Maria Bertele  
Drehbuch:  Johanna Stuttmann  
Produzent:  Hartwig König  
Kamera:  Hans Fromm  
Schnitt:  Dominique Geisler  
Musik:  Christian Biegai  
Produktionsdesign:  Kade Gruber  
Kostüme:  Monika Gebauer  

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