
Dieser Film steht für all das, was öffentlich-rechtliches Fernsehen gerade gegenüber der kommerziellen Konkurrenz auszeichnet: eine unbequeme Handlung und eine auf jede Effekthascherei verzichtende Inszenierung; die darstellerischen Leistungen sind zudem herausragend.
Höchstwahrscheinlich wird der NDR dem "Ersten" mit dem Drama "Der andere Junge" keine Rekordquoten bescheren, dazu sind Geschichte (Lothar Kurzawa) und Umsetzung (Volker Einrauch) viel zu düster. Ähnlich konsequent ist allerdings auch die Freudlosigkeit: Schon die ersten Einstellungen machen deutlich, dass dies kein heimeliger Fernsehabend wird. Trotz Sonnenscheins verströmen die Bilder (Bernd Meiners) eine unangenehme Kälte. Die Ereignisse tun ein Übriges: Zwei befreundete Elternpaare, die sich regelmäßig zum Kartenspiel treffen, haben nicht die leiseste Ahnung, dass zwischen ihren Söhnen Todfeindschaft herrscht. Der 16jährige Robert Morell (Willi Gerk) ist recht klein für sein Alter und daher immer wieder Opfer der Hänseleien seiner Mitschüler. Am meisten tut sich dabei Paul Wagner (Tim Oliver Schultz) hervor, ein hübscher Junge eigentlich, hinter dessen Charme aber der pure Sadismus lauert. Eines Tages taucht Paul bei Robert mit einer Pistole auf, die er seinem Vater geklaut hat. Er drückt dem Kleineren die Waffe in die Hand und provoziert ihn so lange, bis der tatsächlich abdrückt. Anstatt die Polizei zu rufen, lässt Roberts Vater die Leiche verschwinden - und setzt damit eine Handlungskette in Gang, die schließlich ein weiteres Menschenleben kosten wird.
Die Besetzung der beiden Elternpaare ist exquisit: Pauls Eltern werden verkörpert von Peter Lohmeyer und Andrea Sawatzki, ihr Lebensgefährte Christian Berkel und Barbara Auer spielen das andere Paar. Ohne ins Klischee zu verfallen, genügen dem Film wenige Aspekte, um die Ehen zu charakterisieren. Als es Winnie Morell mit einem einfachen Trick gelingt, den Verdacht des ermittelnden Kommissars (Hinnerk Schönemann) auf einen Dealer (Adrian Topol) zu lenken, zieht Pauls Vater los, um Selbstjustiz zu üben. Er ist offenbar Sportschütze und hat gleich mehrere Waffen zuhause. Wäre das verboten, hätte es in dieser Geschichte keinen einzigen Toten gegeben.
Bei allem Respekt vor der Leistung des prominenten Quartetts: Geradezu unheimlich gut sind die beiden Jungs. Selbst wenn Schultz recht früh aus der Handlung ausscheidet, hinterlässt gerade der Kontrast zwischen Aussehen und Auftreten einen tiefen Eindruck, zumal Kurzawa Erklärungen für sein Verhalten schuldig bleibt. Ähnlich intensiv ist die Leistung von Willi Gerk als Opfer, das zum Täter wird und dann mit dem Trauma der Tat leben muss. tpg.
| Darsteller: | Peter Lohmeyer | als Winnie Morell | |
|---|---|---|---|
| Andrea Sawatzki | als Evchen Morell | ||
| Christian Berkel | als Jakob Wagner | ||
| Barbara Auer | als Sylvie Wagner | ||
| Willi Gerk | als Robert Morell | ||
| Adrian Topol | als Kevin Krüger | ||
| Tim Oliver Schultz | als Paul Wagner | ||
| Gustav Peter Wöhler | als Ole Swenson | ||
| Hinnerk Schönemann | als Kommissar Bender | ||
| Carolin Spieß | als Monika | ||
| Helene Grass | als Klara | ||
| Brigitte Janner | |||
| Suntje Freier | |||
| Jan Georg Schütte | |||
| Regie: | Volker Einrauch | ||
| Drehbuch: | Lothar Kurzawa | ||
| Produzent: | Lothar Kurzawa | ||
| Hermine Huntgeburth | |||
| Kamera: | Bernd Meiners | ||
| Schnitt: | Inken Gudewer | ||
| Musik: | Halma | ||
| Produktionsdesign: | Steffen Gnade | ||
| Kostüme: | Stefanie Bieker | ||
| Ton: | Max Meindl | ||
| Casting: | Jacqueline Rietz | ||
Wer in Bayern lebt, der kennt Hof in erster Linie aus dem Wetterbericht. Aus unerfindlichen Gründen ist's dort immer zwei bis drei Grad kälter als im restlichen Bundesland - was Hof nicht gerade zum bevorzugten Reiseziel macht. Ende Oktober wendet sich das Blatt seit nunmehr 41 Jahren. Die Hofer Filmtage lassen Minusgrade und Nieselregen zur Randerscheinung werden.
Kommt nach Hof: Dem in Hongkong geborenen und in den USA lebenden Regisseur Wayne Wang ist die diesjährige Retrospektive gewidmet. (Foto: Hofer Filmtage)
Dem anhaltenden Erfolg der Hofer Filmtage wird in diesem Jahr durch einen zusätzlichen Tag Rechnung getragen: Ab Dienstag den 23. Oktober läuft eine Auswahl von 69 Lang- und 30 Kurzfilmen, nationale wie internationale Produktionen, die zum Ende des Jahres einen umfangreichen Ausblick auf das Filmschaffen werfen.
Eröffnet werden die diesjährigen Filmtage mit dem neuen Film "Mondkalb" von Sylke Enders, die bereits mit ihrem Erstling "Kroko" 2003 in Hof einen Überraschungserfolg landete. Sie erzählt von Alex (Juliane Köhler), die nach ihrem Gefängnisaufenthalt in eine Kleinstadt flüchtet, auf der Suche nach einem Neuanfang.
Martin Theo Krieger zeigt "Beautiful Bitch", eine Geschichte über eine Kleinkriminelle aus Bukarest, die im Spannungsfeld zwischen Freiheit, Wohlstand im Westen und polizeilicher Verfolgung ein gefährliches Dasein fristet.
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Deutsche Charakterschauspielerin. Rothaarig, schlank, mit schlichter Eleganz und unruhig neugierigen Augen, wirkt Andrea Sawatzki oft wie...
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