
Wenn eine Serie über dreißig Jahre alt ist und nach 320 Folgen immer noch funktioniert, muss sie etwas Besonderes sein. Doch das Erstaunliche an der Erfolgsgeschichte: Es hat dieser Institution am Freitagabend nicht geschadet, dass ihr mittendrin die Identifikationsfigur abhanden gekommen ist. Auch wenn für Nostalgiker selbstredend Siegfried Lowitz der einzig wahre "Alte" war: Als er nach knapp neun Jahren und hundert Fällen seinen Abschied einreichte und die Ermittlungen Rolf Schimpf überließ, klappte der Stabwechsel, weil der neue "Alte" ganz anders war als der alte.
Der längst legendäre Produzent Helmut Ringelmann hatte dafür gesorgt, dass Lowitz als Münchener Ermittler Erwin Köster ein konsequenter Gegenentwurf zum früheren Freitagsklassiker wurde: Im Gegensatz zum verbindlichen Erik Ode ("Der Kommissar") legte Lowitz seinen Köster als einzelgängerischen Misanthropen an. Nachfolger Leo Kress (Schimpf), der Köster im Februar 1986 ablöste, war viel mehr "Team-Player", weniger reizbar und ein ohnehin väterlicher Typ.
Das gilt auch für den Dritten im Bunde. Allerdings hat es Rolf Herzog (Walter Kreye) nicht mehr wie seine Vorgänger mit jungen Männern zu tun. Assistent Heymann zum Beispiel ist ein Mann der ersten Stunde; Darsteller Michael Ande, einst Kinderstar in der "Schatzinsel", ist mittlerweile 63. Auch die Kollegen Markus Böttcher (seit 1986) und Pierre Sanoussi-Bliss (seit 1997) haben schon einige Dienstjahre auf dem Buckel. Kreye aber ist bekannt dafür, sich nahtlos in ein Ensemble zu integrieren; das gelang ihm zuletzt auch beim Hamburger "K3"-Team vorzüglich. Sein Engagement als "Der Alte" hat die immerhin auch schon zwanzig Jahre alte ARD-Tradition (früher "Die Männer vom K3") endgültig beendet. Kreye wird's verschmerzen, zumal er nun seine Altersversorgung gesichert hat. Mit 65 ist er bei Dienstantritt der älteste "Alte"; Lowitz war 63, Schimpf 62, und der hat die Rolle erst mit 82 wieder hergegeben. Vermutlich kann Kreye deshalb auch damit leben, dass der Aufwand beim "Alten" eine Nummer kleiner ist als beim "K3": Die Folgen leben vor allem vom Dialog, für Dramatik sorgt vor allem die Musik, und die Inszenierung mit ihren vielen Großaufnahmen wirkt hausbacken, obwohl für das Debüt des Neuen der Krimi-Routinier Hartmut Griesmayr verpflichtet wurde.
Immerhin ist die Geschichte nicht schlecht. Ein alter Schulfreund (Michael Mendl) Herzogs wendet sich hilfesuchend an ihn, macht dann aber einen Rückzieher: Seine Frau (Julia Stemberger) ist entführt worden. Die Übergabe des Lösegeldes klappt reibungslos, doch es gibt trotzdem eine Leiche: Nicht das Entführungsopfer, sondern der Gatte liegt tot in seinem Blute, feige durch zwei Schüsse in den Rücken ermordet. tpg.
| Darsteller: | Walter Kreye | als Rolf Herzog | |
|---|---|---|---|
| Michael Ande | als Gerd Heymann | ||
| Pierre Sanoussi-Bliss | als Axel Richter | ||
| Markus Böttcher | als Werner Riedmann | ||
| Ulf J. Söhmisch | als Polizeiarzt | ||
| Julia Stemberger | als Ines Winter | ||
| Michael Mendl | als Michael Winter | ||
| Anna Brüggemann | als Viola Winter | ||
| Maria Hartmann | als Elisabeth Mack | ||
| Tatjana Clasing | als Romy Hölzel | ||
| Andreas Borcherding | als Stefan Huber | ||
| Max Herbrechter | als Gregor Bücking | ||
| Stefan Lehnen | als Peter Witt | ||
| Christian Hoening | als Dezernatsleiter | ||
| Regie: | Hartmut Griesmayr | ||
| Drehbuch: | Hartmut Griesmayr | ||
| Ute Geber | |||
| Produzent: | Helmut Ringelmann | ||
| Kamera: | Rolf Greim | ||
| Musik: | Helmut Trunz | ||
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