Mutiges und tragisches Drama von Oskar Roehler, das radikal mit romantischen Vorstellungen von Liebe aufräumt. http://images.kino.de/flbilder/max03/mbiz03/mbiz13/z0313513/b150x150.jpg Der alte Affe Angst

Filmdetails

Der alte Affe Angst

Mutiges und tragisches Drama von Oskar Roehler, das radikal mit romantischen Vorstellungen von Liebe aufräumt.


Der alte Affe Angst
Start: 24.04.2003

Drama

Deutschland 2003
Laufzeit: 92 Min.
FSK: ab 16 Jahre

André Hennicke
Marie Bäumer
Vadim Glowna

Regie: Oskar Roehler
Verleih: X Verleih (Warner)

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Humor
Romantik
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Inhalt

Die Beziehung des Filmregisseurs Robert (André Hennicke) zu der Kinderärztin Marie (Marie Bäumer) steckt ohnehin schon in der Krise, als Roberts Vater an Krebs verstirbt. Umgehend verfällt der sensible Robert einer leidenschaftlichen Daseinskrise und begibt sich auf einen selbstzerstörerischen Egotrip. Marie - vom Geschehen zunächst abgestoßen - beschließt, ihre Liebe nicht kampflos aufzugeben.

Oskar Roehlers rigoroses Beziehungsdrama artikuliert verborgene Ängste und setzt sich mit existenziellen Fragen von Tod und Leben auseinander.


Kritik

Der alte Affe Angst

Wer Oskar Roehler kennt, weiß, dass ihn keine heile Welt erwartet, sondern ein Tal der Tränen. Liebe allein reicht nicht für ein harmonisches Zusammenleben muss ein von Selbstzweifeln und sexuellen Problemen geplagtes Paar erkennen. Trotz allen Leids glimmt am Ende ein Fünkchen Hoffnung. Mit diesem starken Liebesdrama traf Dieter Kosslick eine mutige Entscheidung für den Berlinale-Wettbewerb.

Sie sind ein modernes Paar, der Theater-Regisseur Robert und seine Freundin Marie, Ärztin in einer Kinderklinik. Doch unter der Oberfläche herrscht Unverständnis. Seit sechs Monaten hatten die beiden keinen Sex mehr. Irgendwann bricht der Frust aus der vernachlässigten Gefährtin heraus, die sich in ihrer Weiblichkeit verletzt fühlt. Sogar frivole Dessous bringen bei Robert nichts in Bewegung, er trennt Sex und Liebe säuberlich, um nicht wie in vergangenen Beziehungen erneut enttäuscht zu werden, findet körperliche Befriedigung bei Prostituierten. Als Marie ihm nach einem dieser Besuche auf die Schliche kommt, zwingt sie ihn, mit ihr zum Sex-Shop zurückzufahren. Sie will sehen, mit wem Robert schläft und entdeckt, dass es die HIV-positive Mutter eines ihrer kleinen Patienten ist. Ein Vertrauensbruch, den die Schwangere nicht verkraftet. Aber vielleicht ist Hoffnung wirklich "die letzte Weisheit der Narben" (Siegfried Lenz). "Hard Stuff" bietet Roehler, der sein Lieblingsthema Selbstzerstörung neu variiert und dabei die von ihm bevorzugten Register zieht: Da ist das Individuum einsam und auf sich zurückgeworfen, stehen sich Mann und Frau trotz aller Emotionen fremd gegenüber, bleibt auch der Besuch beim Therapeuten folgenlos, dient Sex primär der Triebabfuhr. Schon in "Die Unberührbare" ließ sich Roehler von autobiografischen Elementen inspirieren. Nach den Assoziationen an die Mutter, verarbeitet er hier Erinnerungen an den fernen, toten Verleger-Vater. Nach Jahren des Schweigens begegnet der Sohn dem an Krebs erkrankten Erzeuger (Vadim Glowna als Autor, der seinen Roman nicht mehr beenden kann). Auch wenn der Todgeweihte will, dass "einer den Stecker rausziehen" soll, wenn es soweit ist, empfindet Robert plötzlich eine diffuse Zuneigung, so etwas wie Verantwortung, will den Gebrechlichen sogar bei sich aufnehmen. Zu spät. Die Angst vor Gefühlen zieht sich wie ein roter Faden durch das Drama, das durch einige drastische Szenen provoziert und die Überlegung aufwirft, warum der Mensch unbedingt Masochist sein muss. Roehler wagt viel, denn sein männlicher Hauptcharakter ist kein Sympathieträger, sondern ein künstlerischer Pseudo-Sensibler, der seine Neurosen auf Kosten anderer hegt und pflegt. Und die weibliche Figur als "Mater dolorosa", die ihr Kind verliert, knapp einen Suizidversuch überlebt und dennoch aus Liebe jegliche Demütigung verzeiht und Vergebung triumphieren lässt, entspricht männlicher Projektion. Dieser Kreuzweg löst kontroverse Reaktionen und Beklommenheit aus, und das ist gut so - räumt "Der Alte Affe Angst" doch radikal mit romantischen Vorstellungen von Liebe auf, schmerzt durch Rigorosität und trifft tief ins Unterbewusste, artikuliert verborgene Ängste, setzt sich mit existenziellen Fragen von Tod und Leben auseinander. Und Marie Bäumer, erst kürzlich mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet, beweist ihr Talent als eine der bemerkenswertesten jungen Schauspielerinnen des deutschen Films. mk.

Der alte Affe Angst

Darsteller:  André Hennicke   als Robert
  Marie Bäumer   als Marie
  Vadim Glowna   als Klaus
  Hilde van Mieghem   als Brigitte
  Hermann Beyer   als Vater Marie
  Jutta Hoffmann   als Mutter Marie
  Christoph Waltz   als Analytiker
  Herbert Knaup   als Wolfgang
  Ingrid van Bergen   als Schauspielerin Theater
  Catherine Flemming   als Mutter
  Nina Petri   als Klinikpsychologin
  Ralf Bauer   als Frauenarzt
  Eva Habermann   als Prostituierte
 
Regie:  Oskar Roehler  
Drehbuch:  Oskar Roehler  
Produzent:  Eberhard Junkersdorf  
  Dietmar Güntsche  
Koproduzent:  Bernd Burgemeister  
Kamera:  Hagen Bogdanski  
Schnitt:  Uli Schön  
Musik:  Martin Todsharow  
Produktionsdesign:  Birgit Kniep  
Kostüme:  Ingrida Bendzuk  
Ton:  Jochen Hergersberg  
Casting:  Simone Bär  

Sinnlichkeit und Risiko

In Oskar Roehlers "Der alte Affe Angst" entfaltet Marie Bäumer ihr ganzes schauspielerisches Talent - und beweist Mut in einer Rolle mit Grenzerfahrung.

Großansicht Marie Bäumer ist in Top-Form

Marie Bäumer ist in Top-Form

» Ein großer Sprung von der flotten Saloonsängerin Uschi aus "Der Schuh des Manitu" zur Frau, die in einem schonungslosen Beziehungsdrama um ihre Liebe kämpft.

MARIE BÄUMER: Ich habe vorher auch dramatische Figuren gespielt, "Manitu" war ein wunderbarer Ausflug in den Bereich Comedy. Es macht mir auch Spaß immer wieder etwas Konträres zu machen, zu überraschen.

» Man hat das Gefühl, Sie gehen in "Der alte Affe Angst" an Ihre Grenzen.

Der Kampf lag in der Überlegung, wie drücke ich Emotionen aus, wie komme ich zu diesem Grenzpunkt. Manchmal war ich körperlich nach einem Nachtdreh ziemlich kaputt. Dann bin ich in voller Montur auf dem Hotelbett eingeschlafen, um vier Uhr morgens wach geworden und dann auf allen vieren ins Bad gekrabbelt. Das ging schon an die Substanz.

Großansicht Als Marie in "Der alte Affe Angst"

Als Marie in "Der alte Affe Angst"

» Ist bei so einem Stress noch ein Privatleben möglich?

Auf der Schauspielschule habe ich gelernt, einen klaren Abstand zur Arbeit zu finden, ich verliere mich nicht in einer Rolle, sondern beschäftige mich zwischendurch mit ganz normalen Dingen wie Wäschewaschen, Einkaufen oder dem eigenen Psychoterror. So richtig abschalten kann man nicht, aber man muss neue Kraft tanken.

» Wie sind Sie in diese schwierige Figur hineingeschlüpft?

Ich habe mich auf irgendeine merkwürdige Art in sie verliebt, sie war mir sehr nahe. Es war etwas Instinktives, eine Lust am Risiko, an der Sinnlichkeit. Eine bestimmte Lebenserfahrung gehört natürlich dazu. Als Schauspielerin ist es das Schönste, Trägerin einer Sehnsucht zu sein.

Großansicht Mit Simon Schwarz in "Adam & Eva"

Mit Simon Schwarz in "Adam & Eva"

» Ihr Filmpartner betrügt und belügt Sie, begehrt Sie sexuell nicht mehr. Warum kämpft eine Frau um so einen Mann?

Für mich hat er eine große Kraft in seiner Liebe. Er gehört zu den Männern, die als Kind unter Mangel an Zuneigung litten und als Erwachsene wahnsinnige Probleme haben, ihre Gefühle auszudrücken, sich in Blockade und Selbstzerstörung flüchten. Frauen sind vielleicht konfliktfreudiger.

» Haben Sie persönliche Erfahrungen mit dieser Art von Liebe?

Dass jemand zu Prostituierten geht und ich mich damit auseinandersetzen muss, stammt nicht aus meinem Nähkästchen. Aber dieses Aufdecken der absoluten Wahrheit ist mir nicht fremd, diese Ausschließlichkeit, dieses "jetzt will ich es wissen". In der Nähe zum anderen spiegeln wir uns. Was wir uns auch gegenseitig antun, die Liebe ist der Motor, der uns am Leben erhält.

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André Hennicke

André Hennicke begann seine Karriere als Schauspieler am Theater, später drehte er Filme bei der DEFA. Nach der Wende wurde der...

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Marie Bäumer

Als wilde Schöne brachte sie die "Männerpension" durcheinander, ritt als heiße Barsängerin Uschi in "Der Schuh des Manitu" flott über die...

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