Sylvester Stallone
Amy Brenneman
Viggo Mortensen
Regie: Rob Cohen
Verleih: UIP
Ein Unfall im mit Autos dicht gefüllten Manhattan Tunnel löst eine Katastrophe aus: Mehrere Explosionen schließen ein Dutzend Menschen in den Trümmern ein. Rettungsspezialist Latura läßt sich über einen Belüftungsschacht ins Innere schleusen, um den Überlebenden bei den pausenlos anfallenden Schwierigkeiten beizustehen. Die Zeit zur Rettung drängt, denn langsam wird die Luft knapp, und der Tunnel füllt sich mit Wasser.

Tageslicht am Ende des Tunnels zu finden, ist die Mission von Sylvester Stallone in Rob Cohens fulminantem Update eines klassischen Desaster-Movies. Während Stallone, der Schauspieler, 105 actiongeschwängerte Minuten vor der Kamera überstehen muß, um Vollzug vermelden zu können, brauch Stallone, der Star, seinen Atem hinter der Kamera nicht länger anzuhalten: Er feiert sein Comeback nicht erst mit "Copland". Vorangetrieben von einem sensationellen Trailer, sollte sich "Daylight" im kommenden Frühjahr in Deutschland in ähnlich lukrative Boxoffice-Gefilde aufschwingen wie die vorangegangenen Untergangsszenarien "Twister" und "Independence Day".
Der Appetit auf Zerstörung hält an. Waren "Twister" und "ID4" noch A-Budget-Verbeugungen vor den B-Movies lange vergangener Tage, so orientiert sich Rob Cohens effektlastiges Survival-Spektakel nun an den Katstrophenfilmen der siebziger Jahre, mit denen das alte Hollywood mit für damalige Verhältnisse großem Aufwand und Staraufgeboten dem Ansturm der jungen wilden Filmemacher an der Kinokasse Paroli bot. "Daylight" ist denn ein muskulöser, sehniger Stiefsohn von "Das Poseidon Inferno", in dem eigentlich nur die Effekte generalüberholt und auf den heutigen Stand der Dinge gebracht wurden.
Entsprechend wird der klaustrophobische Kampf einer zwölfköpfigen Überlebendentruppe aus den Trümmern des fiktiven Manhattan Tunnels zurück an die rettende Oberfläche als flammendes Inferno par excellence auf die Leinwand gehämmert. So furios, lautstark und visuell berauschend reiht Cohen die Actionsequenzen aneinander, daß "Daylight" kurzzeitig gar wie eine gigantomanische Ausgabe von "Speed" wirkt, in dem nach ähnlichem Prinzip pausenlose Problemstellungen auf den überforderten Protagonisten zurollten.
Daß Cohen letztlich weniger daran liegt, die Gesetze des Actionfilms neu zu definieren, als vielmehr seine Schauspieler routiniert und letztlich konventionell aus dem Chaos zu führen, offenbart sich nach einer halbstündigen Attacke auf die Sinne. Denn nachdem der Tunnel gesprengt und Stallone durch ein Ventilatorensystem zu den Überlebenden geschleust wird, Kämpfe mit einer wildgewordenen Starkstromleitung ausgefochten werden und ein Lastwagen sich nach einer Explosion selbständig macht, läßt der Regisseur ein wenig Ruhe einkehren. Keine allzu weise Entscheidung, kurz Luft zu holen. Wenn sich der Staub der Destruktion nämlich erst einmal gelegt hat, fallen manche logische Ungereimtheiten und die eindimensionalen Charaktere doch ein wenig unangenehm auf. Zum Glück nimmt Cohen schon bald den Fuß wieder von der Bremse und bringt den Zweikampf zwischen dem "Demolition Man" Stallone und den Physikgesetzen standesgemäß ohenbetäubend zu Ende.
Die makellosen Effekte sind denn auch der einzige ernstzunehmende Gegenspieler für Stallone, der als emsiger Working Class Hero angenehm auffällt. Kein Schauspieler macht ihm hier Konkurrenz. Mit Ausnahme der patenten Amy Brenneman und Viggo Mortensen, der nach einem prägnanten Auftritt als selbstgefälliger Sportcrack schon recht schnell unter Schutt und Asche begraben wird, bleibt das Dutzend Überlebender austauschbar: Ihre Schicksale sind kaum mehr interessant als das Abhaken einer Checkliste. Daß in der Ruhe die Kraft liegt, mag wohl für Buddhisten das Nirvana bedeuten. "Daylight" jedenfalls findet seine Erfüllung im Rausch der Apokalypse - und da bleibt er gegenwärtig ohne Vergleich. ts.
| Darsteller: | Sylvester Stallone | als Kit Latura | |
|---|---|---|---|
| Amy Brenneman | als Madelyne Thompson | ||
| Viggo Mortensen | als Roy Nord | ||
| Dan Hedaya | als Frank Kraft | ||
| Jay O. Sanders | als Steve Crighton | ||
| Karen Young | als Sarah Crighton | ||
| Claire Bloom | |||
| Vanessa Bell Calloway | |||
| Renoly Santiago | |||
| Colin Fox | |||
| Danielle Harris | |||
| Trina McGee-Davis | |||
| Marcello Thedford | |||
| Sage Stallone | |||
| Jo Anderson | |||
| Mark Rolston | |||
| Rosemary Forsyth | |||
| Wang Luoyong | |||
| Barry Newman | |||
| Stan Shaw | |||
| Regie: | Rob Cohen | ||
| Drehbuch: | Leslie Bohem | ||
| Produzent: | John Davis | ||
| Joseph M. Singer | |||
| David T. Friendly | |||
| Koproduzent: | Hester Hargett | ||
| Herbert W. Gains | |||
| Ausf. Produzent: | Raffaella De Laurentiis | ||
| Kamera: | David Eggby | ||
| Schnitt: | Peter Amundson | ||
| Musik: | Randy Edelman | ||
| Produktionsdesign: | Benjamín Fernández | ||
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