Originaltitel: El Orfanato
Spanien/Mexiko 2007
Belen Rueda
Fernando Cayo
Roger Príncep
Regie: Juan Antonio Bayona
Verleih: Senator
Mit 37 kehrt Laura (Belén Rueda) mit ihrem Mann Carlos (Fernando Cayo) und ihrem HIV-infizierten Sohn Simón (Roger Príncep) in das verlassene Waisenhaus zurück, in dem sie Teile ihrer Kindheit verbrachte. Sie plant, ein Heim für kranke Kinder zu eröffnen. Doch schon nach kurzer Zeit spielt der 8-jährige Simón begeistert mit verdächtig unsichtbaren Spielkameraden, die fatal an Lauras damalige Gefährten erinnern. Zudem schleicht die alte Benigna (Montserrat Carulla) herum.
Ein Kind, das spurlos verschwindet, ist der Alptraum aller Eltern, den der spanische Newcomer Juan Antonio Bayona mit sorgsamer Atmosphäre zum sensationellen Horrorhit im Stil von "The Others" gestaltet. Guillermo del Toro ("Pans Labyrinth") produzierte den Suspense-Thriller.
Juan Antonio Bayona eroberte bereits Spanien im Sturm (erfolgreichster Film 2007) mit seinem unter die Haut gehenden Suspense-Thriller.
Der Name Guillermo del Toro ("Pans Labyrinth", "Hellboy", "Blade II") ist Musik in den Ohren von Filmfans weltweit. Jetzt steht der Mystery-Spezialist als ausführender Produzent hinter dem perfekt gestalteten Suspense-Thriller des Spaniers Juan Antonio Bayona.
Das überrascht nicht, denn thematisch wie stilistisch sind bei "Das Waisenhaus" deutliche Parallelen zu den Werken des mexikanischen Vorzeige-Regisseurs auszumachen - seien es die Kinder, die sich in ihrer eigenen (Traum-)Welt verlieren, die starken, wenn auch verletzlichen Frauen oder der Hang zu übernatürlichem Thrill.
Laura will mit ihrem Sohn ein normales Leben im ehemaligen Waisenhaus führen (Foto: Senator)
Als Geistervilla funktioniert das titelgebende, inzwischen aufgelöste Waisenhaus. Eine ehemalige Bewohnerin, die ebenso hübsche wie tatkräftige Laura, einfühlsam und nuanciert gespielt von der ausdrucksstarken Belén Rueda ("Das Meer in mir"), kehrt mit ihrem Mann und ihrem krankem Sohn Simon ins Haus ihrer Jugend zurück.
Sie will das Heim wiedereröffnen, zum Ort der Freude machen, Spielkameraden für den sensiblen Sohn finden. Und die stellen sich auch schnell ein - aber sind sie lebendig oder existieren sie nur in der Einbildung des Jungen? Bevor Laura dies herausfinden kann, verschwindet Simon während der Eröffnungsfeier und Geister der Vergangenheit tauchen auf...
Wie del Toro zuletzt bei "Pans Labyrinth" oder Alejandro Amenábar bei seinem Nicole-Kidman-Grusler "The Others" spielt Bayona mit dunklen Vorstellungen von Schuld und Sühne. Dass er gleichzeitig zeitgenössisch-brisante, zwischenmenschliche Themen wie die Sorge um Kinder zur Sprache bringt, macht diese Suspense-Mischung so prickelnd.
Bayona liebt die sorgfältige Inszenierung, setzt auf durchkomponierte, farbentsättigte Bilder (Kamera: Óscar Faura), spielt geschickt mit der Erwartungshaltung des Publikums und beweist, dass mit althergebrachten Stilmitteln wie Licht und Schatten genauso viel Effekt zu erzielen ist wie mit jedem guten Großrechner. So sucht man, bis auf einen computergenerierten Leuchtturmstrahl, der wie der Suchscheinwerfer eines Polizeihubschraubers Licht ins dunkle Kinderzimmer bringt, vergeblich nach moderner Leinwand-High-Tec, während einem im Kinosessel die Handflächen feucht werden.
Zwischen Sein und Schein balanciert dieser ungewöhnliche Thriller, der seinen Schrecken aus dem Unerklärlichen zieht. Mustergültig im nervzerrenden Tondesign, mit unglaublichem Gespür fürs richtige Timing, mit perfekter Ausstattung und allen notwendigen Versatzstücken des Genres zieht Bayona den Zuschauer in seine Schattenwelt. Ob Haus oder Höhle am Meer, weiter Garten oder belebte Stadt, überall herrscht Bedrohung, Sicherheit scheint es nirgendwo zu geben - oder bildet sich Laura alles einfach nur ein?
Ganz zu Recht vertrat dieses außergewöhnliche Werk, das bereits auf Festivals in Cannes, Toronto, New York und Sitges begeisterte, Spanien bei der Auswahl für den Auslands-Oscar 2007.
| Darsteller: | Belen Rueda | als Laura | |
|---|---|---|---|
| Fernando Cayo | als Carlos | ||
| Roger Príncep | als Simón | ||
| Mabel Rivera | als Pilar | ||
| Montserrat Carulla | als Benigna | ||
| Andrés Gertrudix | als Andrés | ||
| Edgar Vivar | als Balaban | ||
| Geraldine Chaplin | als Aurora | ||
| Regie: | Juan Antonio Bayona | ||
| Drehbuch: | Sergio G. Sánchez | ||
| Produzent: | Guillermo Del Toro | ||
| Álvaro Augustín | |||
| Mar Targarona | |||
| Sandra Hermida | |||
| Kamera: | Oscar Saura | ||
| Schnitt: | Elena Ruiz | ||
| Musik: | Fernando Velazquez | ||
| Produktionsdesign: | Josep Rosell | ||
| Kostüme: | Maria Reyes | ||
| Maske: | Lola López | ||
| Itziar Arrieta | |||
| Ton: | Oriol Tarrago | ||
| Xavi Mas | |||
| Marc Orts | |||
Noch nie waren sich unsere Filmredakteure so einig!
Normalerweise diskutieren wir uns in der Redaktion von KINO.DE leidenschaftlich die Köpfe heiß, wenn's um Filmgeschmack geht. Doch dieses Jahr waren wir uns nicht nur untereinander einig. Wir mussten beim Vergleichen der Stimmen für die Top Ten unseres Teams auch noch entsetzt feststellen, dass wir derselben Meinung sind, wie die Oscar-Jury - über die wir uns in der Vergangenheit schon oft gewundert bis schwarz geärgert hatten.
Doch "No Country for Old Men", die genial absurde Killer-Groteske der Coens gewann 6 Oscars - und 6 Top Ten-Erwähnungen unserer acht stimmberechtigten Redaktionskritiker (Michaela, Natalie, was ist eigentlich mit Euch los?). Zwar hatte nur einer den Film zu seinem absoluten Liebling erkoren (Bravo, Alex!), doch jeder, der "No Country" in der Liste hatte, platzierte ihn in den Top 3. Besonders beliebt war auch das Indie-Juwel "Juno" um einen schwangeren Teenager - und natürlich das Eventmovie des Jahres: "The Dark Knight". Hier die komplette Liste unserer Lieblingsfilme 2008:
Wir wünschen wundervolle Feiertage!
Das Team von KINO.DE
Für das europäische Kunstkino war sie mit den neun Filmen, die sie mit ihrem zeitweiligen Lebensgefährten, dem spanischen Regisseur...
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