In seinem unnachahmlichen Stil erzählt Béla Tarr vom geistigen Zusammenbruch Friedrich Nietzsches und dessen Auslöser. http://images.kino.de/flbilder/max12/auto12/auto11/12110282/b150x150.jpg Das Turiner Pferd

Filmdetails

Das Turiner Pferd

In seinem unnachahmlichen Stil erzählt Béla Tarr vom geistigen Zusammenbruch Friedrich Nietzsches und dessen Auslöser.


Das Turiner Pferd
Start: 15.03.2012

Originaltitel: A Torinói ló

Drama

Ungarn/Frankreich/Deutschland/Schweiz/USA 2010

Erika Bók
János Derzsi
Mihály Kormos

Regie: Béla Tarr, ...
Verleih: Basis

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Inhalt

1889. Der geistige Zusammenbruch Friedrich Nietzsches kündigt sich an. Bei einem Aufenthalt in Turin beobachtet er, wie ein Mann auf sein Pferd einprügelt. Kurz entschlossen wirft er sich dem Tier um den Hals und fängt mit dem eigenen Leib die Schläge ab. Nach einigen Minuten bricht Nietzsche zusammen und verliert das Bewusstsein. Von diesem Moment an hat der Philosoph keinen Satz mehr geschrieben oder gesprochen. Doch was wurde aus dem Kutscher und seinem Pferd?


Kritik

Das Turiner Pferd

Ross, Reiter und Friedrich Nietzsche - der ungarische Autorenfilmer Béla Tarr ist ganz bei sich und zelebriert eine minimalistisch-strenge Philosophiestunde.

Den Großen Preis der Jury in Form eines Silbernen Bären, durfte der bei Kritikern und (Avantgarde-)Filmemachern wie Gus Van Sant beliebte ungarische Autorenfilmer Béla Tarr entgegennehmen. Der räsonierte im Vorfeld der 61. Berlinale darüber, ob er nicht überhaupt mit dem Filmemachen aufhören sollte, weil es für Regisseure wie ihn immer mühseliger werde, Projekte finanziert zu bekommen. Das wiederum liegt an der Sperrigkeit seiner Stoffe, siebeneinhalb lange Stunden dauert etwa sein "Satanstango" (1994) nach dem Roman von László Krasznahorkai, genau die Zeit, die er benötigte die Vorlage zu lesen.

Nicht ganz so lange, "nur" 146 Minuten - aber immer noch der längste der 16 Wettbewerbsbeiträge 2011 - dauerte "A torinói ló", der seinen Ausgangspunkt in einem Schlüsselmoment der Philosophiegeschichte nimmt. Im Januar 1889 beobachtet Friedrich Nietzsche bei einem Turin-Aufenthalt, wie ein Mann auf sein Pferd eindrischt. Kurzentschlossen wirft er sich dem Tier um den Hals. Dann bricht er zusammen. Von diesem Moment an hat der Philosoph, der dann noch zehn Jahre lebte, angeblich keinen Satz mehr geschrieben oder gesprochen. Doch was wurde aus dem Fuhrmann und dessen Gaul? "Über das Pferd wissen wir nichts", informiert der Vorspann und dann rücken konsequenterweise der Kutscher und dessen Tochter ins Zentrum der Handlung. Sechs Tage, sechs Kapitel aus dem Leben der beiden folgen. Es sind wiederkehrende Rituale, verdichtet, abstrahiert.

Wieder hat Tarr mit seinem langjährigen Koautor, dem Schriftsteller Krasznahorkai, das Drehbuch verfasst, auch dieses Werk ist seinem "remodernistischen Kino" verpflichtet, das danach strebt, den Rhythmus des Lebens in Realzeit einzufangen und so ein geschärftes Bewusstsein für den Moment weckt. Pellkartoffel und Palinka werden vertilgt, der Vater von der Tochter ausgezogen und ins Bett gebracht. Die Langsamkeit wird zelebriert - allein zehn Minuten dauert der Heimweg von Pferd und Kutscher zu Beginn des Films.

Man hat Zeit sich umzusehen, nachzudenken. Die Dialoge sind auf ein Minimum reduziert. Eine Ausnahme bildet der Monolog eines Nachbarn (Fassbinder-Star: Volker Spengler), der über den Weltuntergang räsoniert. Viel lässt sich in dieses spröde Drama hineindeuten, biblisch Motive sind zu erkennen. Aber es geht auch um Nihilismus, um Mensch und Tier und um die geschundene Kreatur. Nachhaltig beeindruckt vor allem die Form, die streng kadrierten Bilder von Kameramann Fred Kelemen oder Mihály Vigs Grusel-Streicher aus dem Off. Fazit: Geduld fordernde Kunst in der Tradition von Andrei Tarkowski. geh.

Das Turiner Pferd

Darsteller:  Erika Bók   als Ohlsdorfers Tochter
  János Derzsi   als Ohlsdorfer
  Mihály Kormos   als Bernhard
 
Regie:  Béla Tarr  
  Ágnes Hranitzky  
Drehbuch:  László Krasznahorkai  
  Béla Tarr  
Produzent:  Gábor Téni  
Koproduzent:  Juliette Lepoutre  
  Marie-Pierre Macia  
  Martin Hagemann  
  Ruth Waldburger  
  Gábor Téni  
Ausf. Produzent:  Elisabeth G. Redleaf  
  Christine K. Walker  
  Gábor Téni  
Kamera:  Fred Kelemen  
Schnitt:  Ágnes Hranitzky  
Musik:  Mihály Vig  
Produktionsdesign:  Sándor Kállay  
Kostüme:  János Breckl  
Ton:  Gábor ifj. Erdélyi  

Berlinale setzt auf deutsche Produktionen

Auch wenn's mitunter schwer zu verstehen ist: Berlin spricht Deutsch!

Großansicht Der Titel ist Programm: "Almanya - Willkommen in Deutschland" wurde in den Berlinale-Wettbewerb eingeladen (Foto: Concorde)

Der Titel ist Programm: "Almanya - Willkommen in Deutschland" wurde in den Berlinale-Wettbewerb eingeladen (Foto: Concorde)

Die Berlinale (10. bis 20. Februar) hat nun die verbliebenen Titel des 22 Filme umfassenden Wettbewerbsprogramms bekannt gegeben, von denen 16 als Weltpremieren gezeigt werden. Erstmals werden auch 3D-Filme gezeigt, neben Wim Wenders' "Pina" kommen zwei weitere künstlerische 3D-Filme zur Aufführung: der Animationsfilm "Les contes de la nuit" von Michel Ocelot als Weltpremiere sowie als Sondervorführung außer Konkurrenz Werner Herzogs 3D-Dokumentarfilm "Cave of Forgotten Dreams".

"Almanya - Willkommen in Deutschland" (außer Konkurrenz) ist das Spielfilmdebüt von Yasemin Samdereli, eine Einwandererkomödie, die die Roxy Film GmbH produziert hat. Ein Held der sogenannten "Berliner Schule" ist Ulrich Köhler, er stellt seinen neuen Film "Die Schlafkrankheit" (Produzent: Komplizen Film auf der Berlinale vor. Wolfgang Murnberger ist mit seinem neuen Film "Mein bester Feind" (Aichholzer Filmproduktion) als Weltpremiere außer Konkurrenz dabei, eine im durch die Nazis besetzten Wien angesiedelte Tragikomödie mit Moritz Bleibtreu und Georg Friedrich.

Um den Goldenen Bären konkurriert der ungarische Filmemacher Béla Tarr mit "A Torinói ló", der in Koproduktion mit Vega Film AG in Zürich und der Berliner zero fiction film entstanden ist. Frisch aus Sundance kommt J.C. Chandors Debütfilm "Margin Call", in der Kevin Spacey, Jeremy Irons und Stanley Tucci mit der Finanzkrise ringen. Joshua Marston("Maria voll der Gnade") zeigt seinen zweiten Spielfilm "The Forgiveness Of Blood".

Bilder zu "Almanya - Willkommen in Deutschland"

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Aus Argentinien kommt "Un Mundo Misterioso" von Rodrigo Moreno, an dem Rohfilm als deutscher Koproduzent beteiligt ist. Auch das mexikanische Spielfilmdebüt "El premio" von Paula Markovitch, die das Drehbuch zu "Lake Tahoe" schrieb, entstand mit deutscher Beteiligung. In Studio Babelsberg gedreht und mit dem Berliner Studio als Koproduzent realisiert wurde der Thriller "Unknown Identity" von Jaume Collet-Serra mit Liam Neeson und Diane Kruger, der außer Konkurrenz läuft. Bavaria Pictures ist bei Alexander Mindadzes "Innocent Saturday" an Bord, einer russisch-deutsch-ukrainischen Koproduktion.

"Jodaeiye Nader az Simin" von Asghar Farhadi ("Darbareye Elly") aus dem Iran, "Saranghanda, Saranghaji Anneunda" (Kommt Regen, kommt Sonnenschein) von Lee Yoon-ki aus Südkorea, sowie "Les femmes du 6ème étage" von Philippe Le Guay (mit Sandrine Kiberlain und Carmen Maura) aus Frankreich (außer Konkurrenz) runden den Wettbewerb ab.

Als Sondervorvorführung zeigt die Berlinale "Offside" von Jafar Panahi- eine Solidaritätsbekundung für den verurteilten iranischen Regisseur. Als Abschlussfilm der 61. Berlinale wird am 19. Februar im Anschluss an die Preisverleihungsgala der Gewinnerfilm des Goldenen Bären gezeigt.

Top-Filme der Woche

  • Men in Black 3

    Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.

  • LOL

    Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.

 

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