Bizarres, melancholisches Roadmovie um die Beziehungsnöte eines ungewöhnlichen Diebestrios. http://images.kino.de/flbilder/max98/bf98/bf01/b9801018/b150x150.jpg Das Trio

Filmdetails

Das Trio

Bizarres, melancholisches Roadmovie um die Beziehungsnöte eines ungewöhnlichen Diebestrios.


Das Trio
Start: 29.01.1998

Komödie

Deutschland 1997
Laufzeit: 101 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Götz George
Christian Redl
Jeanette Hain

Regie: Hermine Huntgeburth
Verleih: Warner

So werten die bisherigen Besucher:

Gesamt
(0 Bewertungen)

Action
Humor
Romantik
Spannung
Anspruch
Besucheransturm: lau
Besucher-
ansturm

Temperatur

lau

Inhalt

Zobel und Karl sind ein alterndes Pärchen, das gerade eben vom Taschendiebstahl in einem Wohnwagen leben kann. Mit im Bunde ist Zobels aufgeweckte Tochter Lizzy. Karl ist jedoch des Stehlens und Lebens überdrüssig. Als er sich vor ein Auto wirft, sucht man einen neuen dritten Mann und findet ihn in Rudolf, für den sich Vater und Tochter gleichermaßen interessieren...


Kritik

Das Trio

Götz George in einem Kinofilm - das verspricht immer einiges. Regisseurin Hermine Huntgeburth hat ihn in eine Rolle gesteckt, die man bisher von ihm noch nicht kannte, nämlich einen schwulen Taschendieb mit Lebensabschnittspartner und jugendlicher Tochter. Entstanden ist ein bizarres Roadmovie mit melancholischen und beziehungsdramatischen Untertönen. Und Georges flapsig-lakonischer Humor macht sich stimmungsvoll in dieser Geschichte einer besonderen Lebenskunst.

Wie Menschen miteinander umgehen, welche Rituale sie dabei befolgen oder durchbrechen - das hat Hermine Huntgeburth schon in ihren beiden vorhergehenden Filmen "Im Kreise der Lieben" (1991) und "Gefährliche Freundin" (1996) mit einer guten Dosis schwarzen Humors thematisiert. Und eine gewisse Vorliebe für Kleinkriminalität bis Mord sind auch in diesen zwei temperamentvollen, individualistischen Leinwand-Fabeln nicht zu übersehen. Auch "Das Trio" hat keinerlei Neigung zu Yuppie- oder Schickimicki-Ambiente, bezieht seine Story lieber aus den Randzonen der sozial Etablierten und Blasierten.

Es beginnt auf dem Rummelplatz, einem klassischen Suspense-Kino-Ort spätestens seit Fritz Langs "M" und Carol Reeds "Der dritte Mann". Ein jugendlicher Langfinger klaut im Gedränge vor einer Jahrmarktsbude eine Tasche. Die gehört Karl (Christian Redl), der wegen seiner Unaufmerksamkeit sofort von Zobel (Götz George) ziemlich gräßlich als alter Trottel beschimpft wird. Und Lizzi (Jeanette Hain, die phänomenalste Kino-Entdeckung des Jahres) behält den jungen Taschendieb tatkräftig im Visier, der schließlich von Zobel rabiat gestellt wird.

Das ist ein fulminanter Anfang, atmosphärisch glänzend unterstützt von Niki Reisers einladender Tingel-Tangel-Musik im Geiste Nino Rotas. Im weiteren Verlauf der Handlung erfahren wir mehr vom Familienalltag dieses Trios. Zobel und Karl haben eine lange und wie in fast jeder Ehe mehr oder weniger harmonische bis romantische Beziehung. Lizzi ist Zobels Tochter. Alle drei hausen in einem teilweise richtig plüschig eingerichteten Wohnmobil und ernähren sich unredlich von der Taschendieberei. Wobei Zobel als Familienoberhaupt agiert, das Geld zusammenhält und einteilt sowie die Arbeitseinsätze organisiert. Dabei ist die Rollenverteilung immer dieselbe: Zobel mimt den Blinden, Lizzi und Karl plündern behende die hilfsbereiten Passanten aus. Nicht immer klappt das reibungslos, und oft ist es Karl, der nicht perfekt funktioniert. Schließlich ereilt ihn durch seine Ungeschicklichkeit der Tod.

Dieser melodramatische Theater-Coup - man trauert im Suff und verbrennt Karls Kleidung samt Glitzerfummel - leitet über zur zweiten Hälfte des Films und zu einer neuen Geschichte, die eine Fortsetzung der alten mit anderen Mitteln und härteren, bürgerlichen Bandagen ist. Nach Karls Tod brauchen Vater und Tochter einen dritten Mann - und weisen Rudolf (Felix Eitner), den flinken Dieb vom Anfang des Films, in ihre genauen Diebstahlsrituale ein. Die Beziehungsrituale lassen nicht lange auf sich warten - sowohl Zobel als auch Lizzi sind erotisch, sexuell und romantisch an Rudolf interessiert. Und er an ihnen. Das führt zum existentiellen Vater-Tochter-Konflikt, aber auch zu einem ziemlich bürgerlichen Happy-End.

Es ist erfrischend, wie Hermine Huntgeburth mit dem filmischen Erzählen umgeht - Blicke, Gesten, Bilder, die Unausgesprochenes mitteilen (sehr physische Kamera: Martin Kukula), glänzend kurze, oft elliptisch gesetzte, ironisch brechende Dialoge. Das hat Witz und Anarcho-Stimmung, die im letzten Drittel des Films zwar etwas an Schwung verliert, aber nachklingt. Und Götz George spielt einen wunderbar normalen, vital-realen Schwulen. Applaus! fh.

Das Trio

Darsteller:  Götz George   als Zobel
  Christian Redl   als Karl
  Jeanette Hain   als Lizzy
  Felix Eitner   als Rudolf
  Angelika Bartsch   als Dorothee
  Uwe Rohde   als Motoradpolizist
  Ernst H. Hilbich   als Schaffner
  Tana Schanzara   als Wirtin
  Armin Rohde   als Horst
 
Regie:  Hermine Huntgeburth  
Drehbuch:  Hermine Huntgeburth  
  Volker Einrauch  
  Horst J. Sczerba  
Produzent:  Gabi Scheld  
  Laurens Straub  
  Paul Müller  
Kamera:  Martin Kukula  
Schnitt:  Ingrid Martell  
Musik:  Niki Reiser  
Produktionsdesign:  Katharina Wöppermann  
Kostüme:  Peri de Bragança  
Ton:  Dirk Jacob  
Casting:  Risa Kes  

Star

Götz George

Er ist ein kraftvoller Schauspieler und Draufgänger, der sich auflehnende Charaktere und Außenseiter ebenso beherrscht wie die ihm auf den Leib...

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Christian Redl

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