Corinna Harfouch
Michael Gwisdek
Jürgen Vogel
Regie: Michael Gwisdek
Verleih: Studiocanal
Die Schauspielerin Maria trennt sich von ihrem jungen Lover und findet in einem Papierkorb Geld aus einem Bankraub. Unschlüssig, was sie damit anfangen soll, trifft sie auf ihren Ex-Ehemann, den trunkenen Martin. Der laboriert seit Jahren an einem Drehbuch herum, das einfach nicht fertig werden will. Die alte Leidenschaft flackert neu auf, und die beiden Verlierer versuchen, sich wieder zusammenzuraufen.
Mit seinem Vorbild Woody Allen verbindet den Schauspieler Regisseur Michael Gwisdek ("Abschied von Agnes") der Drang zu endlosen Monologen über Sex, Sinn und Selbstbetrug. Nur, daß Kreuzberg nicht Manhattan und das Spiel mit Genre und Zitaten nicht unbedingt seine Stärke ist. So hinterließ "Das Mamobspiel", der einzige deutsche Wettbewerbsbeitrag auf der Berlinale, einen reichlich zwiespältigen Eindruck - ein grotesker, irrwitziger Abgesang aufs deutsche Filmschaffen, mal langatmige, mal bitterböse Farce; ein sarkastisches "Ironical", das sich selbst permanent auf die Schippe nimmt.
Gwisdeks Unverfrorenheit kann man als rotzfreche, süffisante Attacke bestaunen oder sich maßlos darüber aufregen. "Und was machste mit den restlichen 90 Minuten? ", fragt der verhinderte Regisseur Martin (Gwisdek) kurz vor Schluß, ehe der anfängliche Krimiplot als Film-im-Film endet. Die Idee stammt von Maria (Corinna Harfouch), seiner Ex- und neuen Lebensgefährtin. Frau, Anfang vierzig, die sich gerade von ihrem jungen Lover (Birkenstock-bieder: Jürgen Vogel) trennt, findet im Papierkorb Geld aus einem Bankraub. Unschlüssig, was sie damit anstellen soll, wankt ihr Martin über den Weg, sternhagelvoll, aber mächtig in Fahrt. Obwohl der unterbeschäftigte Dauerquassler die Welt noch immer nur durch die Kinobrille sieht und ein jahrelang abgehangenes Drehbuch gerade mal wieder umschreibt, flackert die alte Anziehung wieder auf. Bis schließlich Nachkommenschaft gezeugt, eine gemeinsame Bleibe gefunden und das ganze in "bunte Bildchen" umgesetzt ist, muß eine attraktive Blondine (Anna Loos) das Feld räumen und das Problem von Martins Quasi-Tochter Julia, einer Stricherin, die vergewaltigt wurde, Richtung Happy End vorangetrieben werden.
Was nach kreuzbarer Komödie klingt und durch das atmosphärische Setting in wehmütiger Alt-Hippie-Nostalgie auch danach aussieht, kommt durch den ironischen Dauergestus kräftig ins routieren. Kaum eine Einstellung, die ihre Anleihen von Antonioni bis Tarantino nicht vor sich herträgt, kaum ein Dialog, der seine Anspielungen dezent umkleiden würde. Daß nur die Hälfte des vorgesehenen Budgets (insgesamt 2 Millionen) zur Verfügung stand, fällt beim exzessiven Genre-Hopping nicht weiter ins Gewicht. Wer sich auf die schräge Schrulle einlassen kann und Gwisdeks trockenen Humor teilt, versteht auch das Holtertipolter der Handlung als Reverenz an den Nonsens. Ein wilder Tanz für Kinosüchtige, der das große Publikum wohl schon nach wenigen Takten aus dem Rhythmus bringt. led.
| Darsteller: | Corinna Harfouch | als Maria | |
|---|---|---|---|
| Michael Gwisdek | als Martin | ||
| Jürgen Vogel | als Gregor | ||
| Uwe Kockisch | als Winne | ||
| Henry Hübchen | als Chris | ||
| Michael Schweighöfer | als Peter | ||
| Franziska Petri | als Julia | ||
| Anna Loos | als Claudia | ||
| Regie: | Michael Gwisdek | ||
| Drehbuch: | Michael Gwisdek | ||
| Produzent: | Hermann Florin | ||
| Kamera: | Roland Dressel | ||
| Schnitt: | Michael Gwisdek | ||
| Andreas Helm | |||
| Wolfgang Schukrafft | |||
| Musik: | Detlef Petersen | ||
| Produktionsdesign: | Thomas Kappe | ||
| Kostüme: | Marion Greiner | ||
| Ton: | Wolfgang Schukrafft | ||
Ihr hellwacher Blick sticht ins Auge, weil er Neugier, Skepsis, Belustigung, Spott und gnadenlose Verachtung vermittelt, selten Hingabe...
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