Jessica Schwarz
Michael Gwisdek
Rafael Ferro
Regie: Florian Cossen
Verleih: Schwarz-Weiss (Filmagentinnen)
Der Flughafen von Buenos Aires ist für die deutsche Schwimmerin Maria eigentlich nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Chile. Doch ein Kinderlied, das sie zufällig hört, weckt Erinnerungen, und sie verpasst den Anschlussflug. Sie beschließt, etwas länger zu bleiben, und erfährt, dass sie als Dreijährige adoptiert wurde, ihre biologischen Eltern zu den Verschwundenen des Militärregimes gehörten. Sie macht sich auf die Suche nach Familienangehörigen.

Jessica Schwarz kämpft als Adoptivtochter von Michael Gwisdek in diesem preisgekrönten Drama um die Wahrheit ihrer Herkunft und um ihre Identität.
Auf den Festivals in Montreal und Zürich heimste Florian Cossen den Jury- und Publikumspreis ein und bei den Hofer Filmtagen den Eastman Förderpreis. In imposanten 35mm-Cinemascope-Bildern beweist der Absolvent der Filmakademie Baden-Württemberg Talent für die große Leinwand und führt in seinem Abschlussfilm nach Buenos Aires, wo die deutsche Schwimmerin Maria am Flughafen strandet.
Dort lauscht sie einem fremden Kinderlied, das Erinnerungen an ihre Kindheit weckt. Sie verpasst ihren Weiterflug nach Chile und bleibt in der unbekannten Megacity. Ihr eilends nachgereister Vater gesteht, dass er und seine Frau sie adoptierten, als ihre leiblichen Eltern 1980 unter der argentinischen Militärdiktatur verschwanden. Ein Schock für die junge Frau, die wissen will, woher sie kommt, während der Vater die Vergangenheit ruhen lassen möchte. Auf ihrer hartnäckigen Suche findet die 31-Jährige Angehörige und erfährt Zuneigung und Liebe im neuen Familienkreis.
Das düstere Kapitel argentinischer Geschichte mit über 30000 Verschwundenen wird nur gestreift und als Hintergrund für dieses psychologische Drama genommen. Nur manchmal klingen die verdrängten Ereignisse an, wenn der Polizist und Liebhaber seinen Beruf bei Marias Familie geheim halten oder sein Vater nicht auf die Militärdiktatur angesprochen werden möchte. Es herrscht ein Konsens des Schweigens, der gilt jedoch nicht, wenn es um den deutschen Fabrikmanager geht, der mit seiner Frau das dreijährige Mädchen "gestohlen" haben soll.
Im Mittelpunkt stehen der Vater-Tochter-Konflikt und das zerstörte Vertrauen, das langsame Herantasten an eine noch fremde Identität. Cossen leuchtet den schmerzhaften Prozess der Selbstfindung aus und beeindruckt durch Nähe zu den Figuren und atmosphärische Dichte, Jessica Schwarz überzeugt in ihrer zurückgenommenen Darstellung, auch wenn in manchen Szenen die Zeichnung ihrer Person in der harschen Haltung zum Vater emotional nicht ganz stimmig wirkt. Interessant die Annäherung an eine Stadt und eigene Melodie, in deren Viertel sich das Heute und Gestern mischen zu einem Blick auf das Morgen, und an ihre Menschen, in deren Leben vordergründig Alltag eingezogen ist, auch wenn die durch die brutale Politik geschlagenen Wunden unter der Oberfläche weiter schwären. mk.
| Darsteller: | Jessica Schwarz | als Maria | |
|---|---|---|---|
| Michael Gwisdek | als Anton | ||
| Rafael Ferro | als Alejandro | ||
| Beatriz Spelzini | als Estela | ||
| Alfredo Castellani | als Hugo | ||
| Marcela Ferrari | als Ana | ||
| Regie: | Florian Cossen | ||
| Drehbuch: | Elena von Saucken | ||
| Florian Cossen | |||
| Produzent: | Jochen Laube | ||
| Fabian Maubach | |||
| Ausf. Produzent: | Rodrigo Furth | ||
| Kamera: | Matthias Fleischer | ||
| Schnitt: | Philipp Thomas | ||
| Musik: | Matthias Klein | ||
| Produktionsdesign: | Victoria Pedemonte | ||
| Kostüme: | Sandra Fink | ||
| Ton: | Luciano Bertone | ||
| Dominic Fitzgerald | |||
| Rainer Heesch | |||
| Casting: | Nina Haun | ||
| Walter Rippell | |||
Abgeräumt: Chris Kraus' "Poll" erhielt bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises vier Lolas, der sechs Mal nominierte "Drei" wurde drei Mal ausgezeichnet. Der Deutsche Filmpreis in Gold ging an "vincent will meer".
Ausgezeichnet: "vincent will meer" erhielt den Deutschen Filmpreis in Gold, Hauptdarsteller Florian David Fitz bekam ebenfalls eine Lola (Foto: Constantin)
"Vincent will meer" ist mit dem Deutschen Filmpreis in Gold ausgezeichnet worden. Hauptdarsteller Florian David Fitz erhielt darüber hinaus die Lola für die beste männliche Hauptrolle. Die Lola in Silber ging an "Almanya - Willkommen in Deutschland", dessen Drehbuchautorinnen Nesrin und Yasemin Samdereli in der entsprechenden Kategorie mit einer Lola geehrt wurden.
Den Deutschen Filmpreis in Bronze erhielt "Wer wenn nicht wir". Über die Regie-Lola durfte sich Tom Tykwer für den sechs Mal nominierten "Drei" freuen, der insgesamt drei Deutsche Filmpreise erhielt. Vier mal ausgezeichnet wurde Chris Kraus' "Poll", u.a. für die beste männliche Nebenrolle (Richy Müller). Als beste Hauptdarstellerin erhielt Sophie Rois die Lola für ihre Leistung in "Drei".
In seiner Eröffnungsrede gedachte Kulturstaatsminister Bernd Neumann dem verstorbenen Produzenten Bernd Eichinger: "Mit dem Tod von Bernd Eichinger verloren wir eine Legende des deutschen Films. Ihm ist es gelungen, mit Filmen wie "Der Name der Rose", "Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders" oder "Der Untergang" das deutsche Kino weit hinaus in die Welt zu tragen. Erinnern wir uns an die Filmpreisverleihung hier vor einem Jahr und den sichtlich gerührten Bernd Eichinger, der an dieser Stelle den Ehrenpreis für sein Filmschaffen entgegennahm. Damals dachte ich, das ist doch viel zu früh, weil sein Lebenswerk noch längst nicht beendet schien."
Im Rahmen der Verleihung wurde auch bekannt gegeben, dass künftig alle drei Jahre der Bernd Eichinger Preis an Persönlichkeiten oder Teams, deren Arbeit sich durch kreative und leidenschaftliche Interaktion auszeichnet, vergeben werden soll.
Deutscher Filmpreis 2011 - alle Gewinner im Überblick:
Bester Spielfilm:
Deutscher Filmpreis in Gold: "Vincent will meer"
Deutscher Filmpreis in Silber: "Almanya - Willkommen in Deutschland"
Deutscher Filmpreis in Bronze: "Wer wenn nicht wir"
Bester Kinder- und Jugendfilm: "Chandani und ihr Elefant"
Bester Dokumentarfilm: "Pina"
Beste Hauptdarstellerin: Sophie Rois ("Drei")
Bester Hauptdarsteller: Florian David Fitz ("Vincent will meer")
Beste Nebendarstellerin: Beatriz Spelzini ("Das Lied in mir")
Bester Nebendarsteller: Richy Müller ("Poll")
Beste Regie: Tom Tykwer ("Drei")
Bestes Drehbuch: Nesrin und Yasemin Samdereli ("Almanya - Willkommen in Deutschland")
Beste Kamera/Bildgestaltung: Daniela Knapp ("Poll")
Bester Schnitt: Mathilde Bonnefoy ("Drei")
Bestes Szenenbild: Silke Buhr ("Poll")
Bestes Kostümbild: Gioia Raspé ("Poll")
Bestes Maskenbild: Kitty Kratschke, Heike Merker ("Goethe!")
Beste Filmmusik: Matthias Klein ("Das Lied in mir")
Beste Tongestaltung: Ansgar Frerich, Sabine Panossian, Niklas Kammertöns ("PianoMania")
Ehrenpreis: Wolfgang Kohlhaase
Deutsche Schauspielerin. Aparte Brünette. Jessica Schwarz ist vorwiegend in nervösen, hastigen Rollen mit tupferartiger Charakterisierung...
Michael Gwisdek gehört zu den renommiertesten deutschen Charakterdarstellern in Film- und Fernsehen. 1999 erhielt er bei der Berlinale...
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.