Einfühlsame, moderne Großstadtballade und unmögliche Lovestory im Berlin der Neunziger Jahre. http://images.kino.de/flbilder/max97/bf97/bf08/b9708007/b150x150.jpg Das Leben ist eine Baustelle

Filmdetails

Das Leben ist eine Baustelle

Einfühlsame, moderne Großstadtballade und unmögliche Lovestory im Berlin der Neunziger Jahre.


Das Leben ist eine Baustelle
Start: 20.03.1997

Komödie / Drama

Deutschland 1997
Laufzeit: 118 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Jürgen Vogel
Christiane Paul
Ricky Tomlinson

Regie: Wolfgang Becker
Verleih: Senator

So werten die bisherigen Besucher:

Gesamt
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Action
Humor
Romantik
Spannung
Anspruch
Besucheransturm: lau
Besucher-
ansturm

Temperatur

lau

Inhalt

Jan lernt Vera kennen, als er zufällig in eine Straßenschlacht gerät und das Mädchen vor zwei Zivilpolizisten verteidigt. Eine Nacht mit Folgen: Jan verliert seinen Job, erhält eine Geldstrafe. Alles Kopfzerbrechen tritt in den Hintergrund, wenn er seine Zeit mit Vera verbringt. Dabei könnte das Glück nur temporär sein: Jan befürchtet, sich mit Aids infiziert zu haben, und Vera schleicht sich Nacht für Nacht aus dem Bett und bleibt jede Erklärung für ihr Verhalten schuldig.


Kritik

Das Leben ist eine Baustelle

Wie schon X-Filme-Erstling "Stille Nacht" ist auch Wolfgang Beckers "Das Leben ist eine Baustelle" ein Film, der seine Liebe zum Kino offenherzig zur Schau trägt. Anders als Dani Levys formal exzellentes Selbstzerfleischungsdrama verliert sich der einzige deutsche Wettbewerbsbeitrag auf der Berlinale jedoch nicht in Verzweiflung und Selbstmitleid. Vielmehr überzeugt die Tragikomödie über die "Liebe in den Zeiten der Kohl-Ära" mit einem Tanz auf dem Vulkan Berlin, in dem auch Platz für Hoffnung und Glaube an die Zukunft ist.

Nicht von ungefähr beginnt Wolfgang Beckers dritter Spielfilm mit einer Straßenschlacht: Sinnbild für eine in ihren Grundfesten erschütterten Welt. Zwischen patrollierenden Wasserwerfern und fliehenden Passanten treffen der Fleischer Jan und die geheimnisvolle Vera erstmals aufeinander. Um sie zu verteidigen, legt sich Jan nichtsahnend mit Zivilpolizisten an - und wird prompt zu einer hohen Geldstrafe verknackt. Damit nicht genug: Jan verliert seinen Job, muß erfahren, daß er sich bei einem One-Night-Stand Aids eingefangen haben könnte und findet zu allem Überfluß seinen Vater tot in dessen Wohnung - gestorben an Vereinsamung. Aufregend und voller Glück sind dagegen die Stunden mit der unberechenbaren, impulsiven Vera. Doch auch über der gemeinsamen Zukunft schweben Fragezeichen. Denn was soll Jan davon halten, daß Vera sich Abend für Abend davonschleicht, ohne ihm zu sagen, warum und wohin.

Fernab hinlänglich aus deutschen Romantikkomödien jüngerer Vergangenheit bekannter Wohlstandsklischees betrachtet Wolfgang Becker seine Figuren bei ihren vorsichtigen Versuchen, mit dem Leben zurechtzukommen. Kleine Episoden, genau beobachtet, mit bescheidener Zurückhaltung inszeniert, fügen sich zu einer fragmentarischen Handlung, die nur zum Schluß ein wenig außer Tritt kommt, als man die Bemühungen bemerkt, die vielen angedachten Themen zufriedenstellend zu Ende zu bringen. Die ungewöhnliche Liebesgeschichte berührt durch ihre Intimität. Und wenn der Regisseur seinen Protagonisten ein Happy End schenkt (es ist ohnehin fragiler Natur: Nicht umsonst knarzt das Eis in der letzten Einstellung bedrohlich), dann ist das Ausdruck der Hoffnung, den Lebensmut trotz aller Tristesse nicht sinken zu lassen.

"Das Leben ist eine Baustelle" ist ein schöner Film über das Leben im Berlin - die Mutter aller Baustellen! - kurz vor dem Jahrtausendwechsel. Das verdankt Becker nicht nur seinem präzisen Auge, sondern auch seinen sehr guten Schauspielern, allen voran Jürgen Vogel, diesmal nicht im Klaus-Kinski-Modus, als kompetenter Sympathieträger. Der notorische "Bad Guy" spielt seinen Jan mit überzeugenden Resultaten. Seine Unsicherheit und Ziellosigkeit wirken echt und ungeschminkt. An Vogels Seite wächst auch Christiane Paul über sich hinaus und beweist nach ihrem Filmdebüt "Workaholic", daß man von ihr in der Zukunft mehr erwarten darf als nur ein hübsches Gesicht. Daß Wolfgang Beckers Streifzug durch die Straßen Berlins und durch das Leben einiger nicht auf der Sonnenseite hausender Menschen auf unschlüssiger Sinnsuche seine filmisch nächsten Verwandten in den Arbeiten der Briten Ken Loach und Mike Leigh hat, zeigt sich in der Wahl von "Riff Raff"-Darsteller Ricky Tomlinson für die Rolle des ewigen Teddyboys Buddy, der eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft mit Jan führt. Wie Loach und Leigh liebt Wolfgang Becker den Realismus, in dem Glück und Trauer, Humor und Tragik eng beieinander liegen: Daß es ihm gelungen ist, sie in seinem Film in einer Art Waffenstillstand Seite an Seite zu präsentieren, ist wohl das größte Plus dieser erfreulichen Überraschung. ts.

Das Leben ist eine Baustelle

Darsteller:  Jürgen Vogel   als Jan Nebel
  Christiane Paul   als Vera
  Ricky Tomlinson   als Buddy
  Christina Papamichou   als Kristina
  Rebecca Hessing   als Jenni
  Armin Rohde   als Harri
  Martina Gedeck   als Lilo
  Meret Becker   als Moni
  Andrea Sawatzki   als Sylvia
  Richy Müller   als Theo
  Heino Ferch   als Hoffmann
  Andreja Schneider   als Brenda Lee
  Ingeborg Westphal   als Jans Mutter
  Gode Benedix   als Siggi
  Jan-Erik Engel   als Peter
  Gundula Petrovska   als Donita
  Peter Gavajda   als Judas
  Ludger Pistor   als Bestatter
  Victor Schefé   als U-Bahn-Schnorrer
  Claus-Jürgen Pfeiffer   als TV-Showmaster
  Stefan Arndt   als Richter
  Wolfgang Becker   als Schlachthof-Chef
  Carmen-Maja Antoni   als Uschi
  Bernd Stegemann   als Rudi
  Frank Michael Köbe   als Zivi
  Frank Kessler   als Polizist
  Tom Spieß   als Tagportier
  Arno Reckers   als Kabeltrommel
 
Regie:  Wolfgang Becker  
Drehbuch:  Wolfgang Becker  
  Tom Tykwer  
Produzent:  Stefan Arndt  
Kamera:  Martin Kukula  
Schnitt:  Patricia Rommel  
Musik:  Jürgen Knieper  
  Christian Steyer  
Produktionsdesign:  Claus-Jürgen Pfeiffer  
Ton:  Wolfgang Schukrafft  
Casting:  An Dorthe Braker  

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