Originaltitel: L' empire des loups
Frankreich 2005
Jean Reno
Arly Jover
Jocelyn Quivrin
Regie: Chris Nahon
Verleih: Tobis
Drei Frauen sind im Pariser Türkenviertel ermordet worden. Die Umstände deuten wahlweise auf Ritualmorde oder Taten der Mafia hin. Da weitere Vorfälle ähnlichen Formats kaum ausgeschlossen werden können, holt sich der junge Kommissar Paul Nerteaux (Jocelyn Quivrin) zur Verstärkung mal lieber das erfahrene Schlachtross Schiffer (Jean Reno). Bei ihren Ermittlungen stoßen die Fahnder auf die Society-Dame Anna Heymes (Arly Jover), die im Milieu auf eigene Faust einem Gedächtnisverlust auf den Grund geht.
Eine horrible Mordserie und ein ungleiches Bullenpaar stehen im Mittelpunkt des französischen Gruselkrimis in der Tradition von "Sieben" und "Die purpurnen Flüsse".
Nach "Die purpurnen Flüsse" spornt eine mysteriöse Mordserie in Paris Kino-Ikone Jean Reno erneut zu Höchstleistungen an.
Jean-Louis Schiffer quittiert sein Zigeunerleben, um bei der Aufklärung einer Verbrechensserie zu helfen (Foto: Tobis)
Schon seit langem ist das französische Genrekino eine echte Konkurrenz für Hollywood, das auf eigenem Terrain vermehrt die Waffen strecken muss. Ob Fantasy ("Pakt der Wölfe"), Action ("Wespennest"), oder Thriller ("Die purpurnen Flüsse") - das Publikum entscheidet sich immer öfter für den "Film français". Besonders, wenn Urgestein Jean Reno die Leinwand stürmt. Von seinem Charisma können so manche großen Stars aus Übersee nur träumen. Erst recht, wenn sein Talent sich mit der Vision des momentan besten und abgründigsten Mystery-Autors vereint.
Jean-Christophe Grangé gilt seit dem durchschlagenden Erfolg von "Die purpurnen Flüsse" als einer der heißesten Vorlagen-Lieferanten, seine Welten sind Entwürfe einer betörend gefährlichen Phantasie, immer dicht an der Realität. Und diesmal spielt er mit der Angst vor dem Verlust der eigenen Identität, die in jedem von uns steckt.
Drei rothaarige Frauen wurden auf bestialische Weise in Paris ermordet. Die Stadt der Liebe ist nicht wiederzuerkennen, als der frisch gebackene Kommissar Paul Nerteaux (Jocelyn Quivrin) wieder eine grausam verstümmelte Frauenleiche aus den Abwasserkanälen zieht. In Sentier, dem Türkenviertel, wo illegale Einwanderer als Sklaven verkauft werden und die Gewalt explodiert, lässt man sich als Anfänger lieber nicht blicken.
Also bittet Nerteaux den ehemaligen Kollegen Schiffer (Jean Reno) um Hilfe. Der Ex-Cop kennt das Viertel besser als jeder Sozialarbeiter. Zunächst deutet alles darauf hin, dass sich ein grausamer Ritualmörder die Seine-Metropole für seine Schandtaten ausgesucht hat. Aber dann kommen Schiffer Zweifel. Denn die blutigen Spuren führen ins Milieu der türkischen Mafia: Die grauen Wölfe, eine Rotte rechtsradikaler Nationalisten, deren brutale Organisation wichtige Zentren der Stadt kontrolliert und sie im Würgegriff hält.
Das muss auch Politikergattin Anna Heymes (Arly Jover) erfahren, die in den Kreisen der schicken Pariser Oberschicht verkehrt. Sie hat panische Angst, erkennt plötzlich ihren Mann nicht mehr. Diagnose der Spezialisten: akuter Gedächtnisverlust. Doch als sie auf eigene Faust, gegen den Willen ihres Mannes, ihre Amnesie überwinden will, gelangt sie zu einer furchtbaren Erkenntnis - und wird immer tiefer in den Sog des organisierten Verbrechens gezogen.
Regisseur Chris Nahon, fulminant und energiegeladen wie schon in "Kiss of the Dragon", schockt mit Hochspannung in unvergesslichen Bildfluten. Was in diesem mysteriösen Actionthriller aber noch mehr unter die Haut geht, sind die Fragen, die er aufwirft: Was passiert, wenn ein anderer die totale Kontrolle über dein Gedächtnis erlangt? Sehen Sie selbst...
| Darsteller: | Jean Reno | als Jean-Louis Schiffer | |
|---|---|---|---|
| Arly Jover | als Anna Heymes | ||
| Jocelyn Quivrin | als Paul Nerteaux | ||
| Laura Morante | als Mathilde Urano | ||
| Philippe Bas | als Laurent | ||
| David Kammenos | als Azer Zeki | ||
| Didier Sauvegrain | als Prof. Dr. Ackerman | ||
| Patrick Floersheim | als Charlier | ||
| Etienne Chicot | als Amien | ||
| Vernon Dobtcheff | als Kudseyl | ||
| Jean-Pierre Martins | als Professor Ravi | ||
| Jean-Marc Huber | als Gurdilek | ||
| Vincent Grass | als Malek Djessur | ||
| Gérard Touratier | als Gruss | ||
| Regie: | Chris Nahon | ||
| Drehbuch: | Chris Nahon | ||
| Christian Clavier | |||
| Franck Ollivier | |||
| Produzent: | Patrice Ledoux | ||
| Buchvorlage: | Jean-Christophe Grangé | ||
| Kamera: | Michel Abramowicz | ||
| Schnitt: | Marco Cavé | ||
| Produktionsdesign: | Guy-Claude François | ||
| Kostüme: | Olivier Bériot | ||
| Ton: | Pierre Excoffier | ||
| Guillaume Bouchateau | |||
| Casting: | Fabiola Banzi | ||
Nach dem Bestseller von Jean-Christophe Grangé gelang Chris Nahon mit "Das Imperium der Wölfe" eine fulminante Mischung aus Action-Thriller und 'film noir' und in Frankreich ein Millionenerfolg an den Kinokassen.
» Fassen Sie den Vergleich Ihres Films mit "Die purpurnen Flüsse" als Kompliment auf?
CHRIS NAHON: Wenn man damit Qualität meint, auf jeden Fall. Aber das einzig Gemeinsame ist Hauptdarsteller Jean Reno und Autor Grangé. "Das Imperium der Wölfe" möchte ich als eigenständiges Werk verstanden wissen, das für sich allein funktioniert. Deshalb habe ich auch keine anderen Bücher von Grangé gelesen.
» Welchem Genre ordnen Sie die Geschichte zu?
Kein Sci-Fi, sondern eher dramatischer Thriller mit fantastischen Elementen und 'Film noir', der das schreckliche Schicksal einiger Menschen und ihre Entwicklung verfolgt und somit eine düstere Seite haben muss. Deshalb regnet es auch immer in Paris.
Der junge Kommissar Paul Nerteaux (Jocelyn Quivrin) übernimmt die Ermittlungen in einem bestialischen Mordfall (Foto: Tobis)
» Sie scheuen nicht gerade vor Brutalität zurück.
Das Publikum, vor allem Jugendliche, ist einiges gewöhnt. Die Erwartungsschraube dreht sich immer schneller. Die harten Szenen sind kurz und eindrucksvoll, stehen im Kontext und befriedigen nicht nur die Sensationslust.
» Das Budget von 24 Mio Euro ist kein Pappenstiel.
Und war trotzdem nicht schwierig zu finanzieren. Es ging alles ziemlich schnell. Jean Reno verkauft sich gut, Grangés Bücher sind über die Grenzen Frankreichs bekannt und mein erster Film "Kiss of the Dragon" machte weltweit Kasse. Wir brauchten die Summe, um internationalen Standards zu genügen.
» Jean-Christophe Grangé lobt Sie als sehr rational und als jemanden, der nicht an jeder Einstellung hängt.
Seine Geschichten sind schwierig zu adaptieren, die Verbindung der diversen Handlungsstränge bereitete mir einiges Kopfzerbrechen. Wenn es um das optimale Resultat geht, muss ein Regisseur loslassen können, auch wenn das Herz blutet.
» Wie arbeiten Sie mit den Schauspielern? Jean Reno hält Sie für dickköpfig.
Ich trage die Verantwortung, ohne eine gewisse Dickköpfigkeit wäre ich aufgeschmissen. Beharrlichkeit am Set gehört zum beruflichen Einmaleins, ein bisschen Härte schadet nicht. Ich bin autoritär, aber nicht totalitär und schreie nicht herum, sage aber auch nicht alles 50 mal.
Kommissar Nerteaux holt sich den erfahrenen Ex-Polizisten Schiffer (Jean Reno) zu Hilfe (Foto: Tobis)
» Ist Ihr Film nicht Wasser auf die Mühlen der Gegner eines türkischen EU-Beitritts?
"Das Imperium der Wölfe" ist weder Doku noch politische Polemik, sondern Action und Unterhaltung mit Realitätsbezug. Die Türken sind hier die Bösen, das sollte man aber nicht so ernst nehmen. Die Buhmänner im US-Film spielten lange die Deutschen, jetzt die Franzosen. Wer will, findet immer etwas, was ihm in den ideologischen Kram passt. Es zählen sicherlich andere Argumente gegen den Türkei-Beitritt.
» Die Dreharbeiten in der Türkei sollen kein Zuckerschlecken gewesen sein. Mussten Sie vor Ort Schutzgeld zahlen?
Darüber bin ich nicht informiert. Es gab allerdings ziemlich unmissverständliche Drohungen. Die Grauen Wölfe gehören ganz offiziell zum Machtgefüge. Sie outen sich zwar nie öffentlich, aber jeder weiß, was Sache ist.
Um sinnlose Risiken auszuschalten, stand von Anfang an fest, sich mit der lokalen Mafia und den richtigen Leuten gutzustellen, sonst hätten wir einpacken können und nie eine Genehmigung gekriegt.
Schiffer (Reno) musste seinen Polizeidienst aufgrund seiner Methoden jenseits der Legalität quittieren. (Foto: Tobis)
» Standen Sie unter Druck, Szenen oder Dialoge zu ändern?
Bei verschiedenen Zusammenkünften wurde die Forderung danach laut. Davon habe ich mich nicht beeindrucken lassen und den Film gemacht, den ich wollte. Irgendwann kapierten die Herren den Zusammenhang zwischen künstlerischer Freiheit und moderner Demokratie. In der türkischen Fassung haben wir Kleinigkeiten geändert und Teile des Off-Textes.
» Was haben Sie von Luc Besson, dem Produzenten Ihres Debutfilms, gelernt?
Beim ersten Film lernt man wahnsinnig viel, jeden Tag macht man neue Entdeckungen und Erfahrungen - personenunabhängig. Ich schätze seine Professionalität, Durchsetzungsfähigkeit und Originalität, notwendige Eigenschaften für einen Künstler.
» Nach "Kiss of the Dragon" haben Sie Angebote zu "Catwoman" und "Hostage - Entführt" abgelehnt. Bedauern Sie das im Nachhinein oder reizt Sie Amerika nicht?
Ich träume davon, dort zu drehen, aber nicht um jeden Preis. Die beiden Drehbücher hielten sich in Grenzen. Mein erster Film in USA muss ein Knaller sein, gut und originell. Sonst lasse ich die Finger davon. Halbe Sachen bringen mich nicht weiter.
» Wo sehen Sie sich karrieremäßig?
Im Kino, und das existiert überall. Mit einigen US-Schauspielern würde ich gerne mal arbeiten. Jede Woche landen zwei, drei Drehbücher aus Amerika auf meinem Tisch, bis jetzt hat mich nichts umgehauen. Das richtige Hollywood-Projekt kann mir morgen über den Weg laufen oder nie. Parallel entwickle ich mit meiner Produktionsfirma eigene Projekte, bin aber auch für interessante Angebote offen. Zur Zeit habe ich nichts Konkretes in der Pipeline. Auf jeden Fall will ich mitbestimmen und keine Energien bei Verhandlungen verlieren. Als Produzent verbessere ich meine Ausgangsbasis.
Er IST "Der Profi": Der Hüne mit der imposanten Statur, dem strengen Blick und der Kunst des Minimalismus, die Reno an seinem erklärten Vorbild Lino...
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