TV-Drama über die überlieferte Begegnung des Dichters Clemens Brentano mit der Nonne Anna Katharina Emmerich. http://images.kino.de/flbilder/max07/bf07/bf24/b0724104/b150x150.jpg Das Gelübde

Filmdetails

Das Gelübde

TV-Drama über die überlieferte Begegnung des Dichters Clemens Brentano mit der Nonne Anna Katharina Emmerich.


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Das Gelübde

Mit einem gewissen Augenzwinkern haben sich Regisseur und Redakteur darauf geeinigt, diesen Film als "Nonnen-Mystery-Thriller" zu bezeichnen. Zumindest zu zwei Dritteln ist das Etikett korrekt, schließlich geht es um die im Münsterland noch heute hochverehrte Nonne Anna Katharina Emmerick. Sie war in ihrem letzten Lebensjahrzehnt von Wunden gezeichnet, die verblüffend an die Wundmale Christi erinnerten. Weltberühmt wurde die 1824 verstorbene Ordensschwester durch die Aufzeichnungen von Clemens Brentano, dem bekanntesten Dichter der Romantik, der ihre Visionen und aufzeichnete.

Wer das Schaffen von Dominik Graf, mit sieben Adolf Grimme Preisen und vielen weiteren Auszeichnungen ohne Frage einer der renommiertesten deutschen Regisseure, nur auf den Krimi reduziert (zuletzt unter anderem "Eine Stadt wird erpresst" oder die "Polizeiruf"-Folge "Er sollte tot"), wird über diesen vermeintlich untypischen Stoff überrascht sein. Tatsächlich hat Graf mit dem DDR-Film "Der rote Kakadu" oder dem Liebesdrama "Der Felsen" auch ganz andere Werke gedreht. Ohnehin ist das "Das Gelübde" nur vordergründig ein Kostümfilm, schließlich geht es um ein ganz modernes Thema: Zurzeit seiner ersten Begegnung mit Anna befand sich Brentano in einer veritablen Lebenskrise. Gerade erst hatte er sich von seinem ausschweifenden Lebenswandel losgesagt, zum Katholizismus zurückgefunden, eine Generalbeichte abgelegt und der Dichtkunst abgeschworen. Im bitterarmen Münsterland wurde er zudem mit Lebensumständen konfrontiert, die dem Kaufmannssohn völlig fremd waren. Die verunglückte Liaison mit einer Pastorentochter tat ein Übriges, um den Dichter für die (streng platonische) Beziehung zu der Nonne zu sensibilisieren. Den Film als "Thriller" zu bezeichnen, wie es WDR-Filmchef Gebhard Henke tut, ist daher etwas unglücklich; eher ist "Das Gelübde" ein Liebesfilm, wenn auch unter ganz anderen Vorzeichen, als man es von Romanzen gewöhnt ist.

Ganz sicher kein Unrecht widerfährt dem Werk, wenn man es als Schauspielerfilm bezeichnet. Misel Maticevic, jüngst mit dem Deutschen Fernsehrpreis geehrt und ohnehin großartig in allem, was er vor Karmas anstellt, schlüpft so nahtlos ins frühe 19. Jahrhundert, als hätte er nie andere Rollen gespielt. Größeres Lob aber gebührt der Bühnenschauspielerin Tanja Schleiff, denn ihre Aufgabe war weitaus schwieriger. Während Brentano das Gemach der Nonne immer wieder verlassen kann, ist sie ans Bett gefesselt. Die entsprechenden Szenen sind also buchstäblich Kammerspiel, und da Anna wegen der Wunden in Verbände gehüllt ist und sich kaum rühren kann, blieben Schleiff nur die Mimik und vor allem die Augen, um zu spielen. Das Ergebnis ist so beachtlich, dass der Film auch Menschen fesseln wird, deren Interesse an religiösen Mysterien und Disputen über den "wahren Glauben" an gewisse Grenzen stößt. Klugerweise verkneifen sich Graf und sein Koautor Markus Busch in ihrer Adaption des gleichnamigen Romans von Kai Meyer jede Stellungnahme zu den Stigmata der Nonne; in dem von Graf selbst gesprochenen Epilog wird neutral auf die Vermutung hingewiesen, die Blutungen könnten mit Annas authentischer Tuberkulose-Erkrankung zusammenhängen.

Einen großen Teil seiner Qualität verdankt "Das Gelübde" nicht zuletzt der Bildgestaltung: Michael Wieswegs Aufnahmen erinnern mit ihrer eindrucksvollen Licht- und Farbgebung an klassische Gemälde. Um so reizvoller ist der Kontrapunkt, den die alles andere als zeitgenössische elektronische Musik setzt (Sven Rossmann, Florian van Volxem). Während Bild und Ton also eine interessante Mischung ergeben, klingt der westfälische Dialekt wie eigentlich immer, wenn sich Schauspieler um fremdem Zungenschlag bemühen: künstlich. tpg.

Das Gelübde

Darsteller:  Misel Maticevic   als Clemens Brentano
  Tanja Schleiff   als Anna Katharina Emmerich
  Arved Birnbaum   als Pater Lambert
  Anke Sevenich   als Gertrud
  Waldemar Kobus   als Wesener
  Michael Abendroth   als Herr von Salm
  Philipp Quest   als von Salm Junior
  Nadja Becker   als Luise Hensel
  Maren Eggert   als Bettina von Arnim
  Elena Galindo y Killmer   als Nonne
  Heike Trinker   als Schauspielerin
  Rolf Berg   als Oberst
  Max Limper   als Jansen
 
Regie:  Dominik Graf  
Drehbuch:  Dominik Graf  
  Markus Busch  
Produzent:  Winka Wulff  
  Michael Hild  
Buchvorlage:  Kai Meyer  
Kamera:  Michael Wiesweg  
Schnitt:  Claudia Wolscht  
Musik:  Sven Rossenbach  
  Florian van Volxem  
Produktionsdesign:  Claus-Jürgen Pfeiffer  
Kostüme:  Barbara Grupp  
Ton:  Wolfgang Wirtz  
Casting:  An Dorthe Braker  

99 Filme halten Hof

Wer in Bayern lebt, der kennt Hof in erster Linie aus dem Wetterbericht. Aus unerfindlichen Gründen ist's dort immer zwei bis drei Grad kälter als im restlichen Bundesland - was Hof nicht gerade zum bevorzugten Reiseziel macht. Ende Oktober wendet sich das Blatt seit nunmehr 41 Jahren. Die Hofer Filmtage lassen Minusgrade und Nieselregen zur Randerscheinung werden.

Kommt nach Hof: Dem in Hongkong geborenen und in den USA lebenden Regisseur Wayne Wang ist die diesjährige Retrospektive gewidmet. (Foto: Hofer Filmtage)

Kommt nach Hof: Dem in Hongkong geborenen und in den USA lebenden Regisseur Wayne Wang ist die diesjährige Retrospektive gewidmet. (Foto: Hofer Filmtage)

Dem anhaltenden Erfolg der Hofer Filmtage wird in diesem Jahr durch einen zusätzlichen Tag Rechnung getragen: Ab Dienstag den 23. Oktober läuft eine Auswahl von 69 Lang- und 30 Kurzfilmen, nationale wie internationale Produktionen, die zum Ende des Jahres einen umfangreichen Ausblick auf das Filmschaffen werfen.

Eröffnet werden die diesjährigen Filmtage mit dem neuen Film "Mondkalb" von Sylke Enders, die bereits mit ihrem Erstling "Kroko" 2003 in Hof einen Überraschungserfolg landete. Sie erzählt von Alex (Juliane Köhler), die nach ihrem Gefängnisaufenthalt in eine Kleinstadt flüchtet, auf der Suche nach einem Neuanfang.

Martin Theo Krieger zeigt "Beautiful Bitch", eine Geschichte über eine Kleinkriminelle aus Bukarest, die im Spannungsfeld zwischen Freiheit, Wohlstand im Westen und polizeilicher Verfolgung ein gefährliches Dasein fristet.

Mit zwei Filmen zu Gast auf den Filmtagen: Rosa von Praunheim (Foto: Hofer Filmtage)

Mit zwei Filmen zu Gast auf den Filmtagen: Rosa von Praunheim (Foto: Hofer Filmtage)

Zeitreise mit Dominik Graf

Dominik Graf begibt sich mit seiner Verfilmung von "Das Gelübde" auf eine Reise ins 19. Jahrhundert: Der Künstler und Lebemann Clemens von Brentano (Misel Maticevic) reist nach einer Lebenskrise an das Krankenlager der Nonne Anna Katharina Emmerich (Tanja Schleiff), an deren Körper sich die Wundmale Christi zeigen. Volker Einrauch kommt mit seinem Drama "Der andere Junge" mit Peter Lohmeyer in einer Hauptrolle, Andreas Kleinert mit "Freischwimmer", in dem August Diehl und Fritzi Haberlandt spielen.

Rosa von Praunheim ist gleich mit zwei Filmen vertreten: Er tritt mit "Meine Mütter - Spurensuche in Riga" die Suche nach seiner Herkunft an und begleitet mit "Mit Olga auf der Wolga" eine Flussfahrt von Moskau nach St. Petersburg. Ihre ersten Spielfilme präsentieren Hagen Keller mit "Meer is nich", ein Jugenddrama, und Heiko Aufdermauer mit "Zeit der Fische", eine zarte Liebegeschichte. Auch Maria Schrader zeigt ihre erste Regiearbeit "Liebesleben": Für Jara, eine Frau, die alles hat und glücklich ist, wird die Begegnung mit dem älteren Arie schicksalhafte Folgen haben.

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Misel Maticevic, deutscher Schauspieler mit kroatischen Wurzeln, spielt gern die echten Kerle und war zu Beginn seiner Fernsehkarriere...

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