Originaltitel: The Yellow Handkerchief
USA 2008
William Hurt
Maria Bello
Kristen Stewart
Regie: Udayan Prasad
Verleih: X Verleih (Warner)
Brett Hanson kommt nach Jahren aus dem Gefängnis und hat keine Perspektive. Er schreibt seiner großen Liebe eine Postkarte mit der Bitte, wenn sie ihn noch liebt, das gelbe Segel ihre Bootes zu hissen. Ohne viel Hoffnung macht er sich auf den Weg auf abgelegenen Straßen durch Louisiana und trifft auf zwei junge Leute, einsam wie er. Die drei freunden sich an und setzen die Reise gemeinsam fort.

Udayan Prasad erzählt in seinem anrührenden Roadmovie von drei verletzten Seelen, die vor vom Hurrikan Katrina zerstörten Landschaften (wieder) Fuß im Leben fassen.
Der Schweizer Arthur Cohn besitzt ein sicheres Gespür für publikumswirksame Arthouse-Stoffe. Sechsmal durfte er bereits für seine Produktionen einen Oscar in Empfang nehmen, für das Faschismus-Drama "Der Garten der Finzi-Contini" beispielsweise oder die Dokumentation "One Day in September" über das Olympia-Attentat 1972. Neben dem Academy Award gab's da auch noch einen Emmy - bis heute ist das keinem anderen Film gelungen. Dabei interessieren den "Weltbürger" gleichermaßen komplexe Sujets wie vermeintlich kleine Geschichten. Und auch mit Remakes, zum Beispiel "Die Kinder des Monsieur Matthieu", hat er reüssiert, sie mit frischer Sichtweise neu interpretiert. Das trifft nun auch auf "Das gelbe Segel" zu, (s)einer Variante von Yoji Yamadas "Shiawase no kiiroi hankachi" (1977).
Die Geschichte ist einfach. Ein Mann, Brett Hanson, mit viel Ruhe und großer Eindringlichkeit von William Hurt verkörpert, kommt nach sechsjähriger Haft frei. In einer Kleinstadt trifft er auf den Teenager Martine ("It"-Girl und "Twilight"-Star Kirsten Stewart), die erste schlechte Erfahrungen mit der Liebe gemacht hat, und auf den unwesentlich älteren Gordy (Eddie Redmayne), der auch noch mit der Pubertät kämpft und seinen Platz in der Welt sucht. Die drei haben nichts miteinander gemein - bis auf die Tatsache, dass sie von dem Ort, an dem sie sich gerade befinden, weg wollen. Und weil Gordy ein altes Cabrio besitzt, macht sich das Trio auf einen Road Trip nach New Orleans, durch die von Hurrikan Katrina verwüsteten Landschaften, die das Innenleben der Protagonisten widerspiegeln.
Als klassisches Roadmovie legt Regisseur Udayan Prasad seine Arbeit an, der Weg ist einmal mehr das Ziel und im Verlauf der Reise kommen die drei einander näher und öffnen sich. Das geschieht primär durch Gesten und Blicke, die Dialoge bleiben sparsam und knapp. Schwer scheint es Hanson zu fallen, über seine Vergangenheit zu sprechen, langsam, in Rückblenden, erfährt der Zuschauer von seiner Liebe zur kantigen May (stets wunderbar: Maria Bello): "I see your whole life in your face... and I love that face." Der Grund für seinen Gefängnisaufenthalt wird erklärt und auch der Filmtitel, der einen Liebesbeweis meint, genauso wie einst das gelbe Band im Ohrwurm "Tie a Yellow Ribbon Round the Ole Oak Tree".
Das klingt konventionell und altbekannt - und ist es auch, aber auf angenehm unaufdringliche Art. Dank der präzisen Schauspielerleistungen und vor allen Chris Menges' ("Der Vorleser") süperber Kameraarbeit, die bestens zum Tragen kommt, weil Prasad bewusst und klug auf Musikuntermalung verzichtet. Wie einen weiteren Darsteller fängt er die "Sets" ein. Verfallene Häuser, vom Regen überflutete Straßen, menschenleere Orte und fast mystische Sümpfe. Traurigkeit liegt über seinen poetischen Bildern, Melancholie und zum Schluss dann, wenn das gelbe Segel zu kleinen Stofffetzen zerschnitten heftig im Wind flattert, auch etwas Hoffnung. Für Brett und May, Martine und Gordy und auch die Bewohner Louisianas. geh.
| Darsteller: | William Hurt | als Brett Hanson | |
|---|---|---|---|
| Maria Bello | als May | ||
| Kristen Stewart | als Martine | ||
| Eddie Redmayne | als Gordy | ||
| Lisha Brock | als Kellnerin | ||
| Bello Nock | als Bello Nock | ||
| B. Martin Williams | als Bob | ||
| Regie: | Udayan Prasad | ||
| Drehbuch: | Erin Dignam | ||
| Produzent: | Arthur Cohn | ||
| Ausf. Produzent: | Lillian Birnbaum | ||
| Buchvorlage: | Pete Hamill | ||
| Kamera: | Chris Menges | ||
| Schnitt: | Christopher Tellefsen | ||
| Musik: | Eef Barzelay | ||
| Jack Livesey | |||
| Produktionsdesign: | Monroe Kelly | ||
| Kostüme: | Caroline Eselin | ||
| Maske: | Sterfon Demings | ||
| Darryl Lucas | |||
| Ann Pala | |||
| Kent Richard | |||
| Casting: | Sharon Howard-Field | ||
"Sie hat ausgezeichnete Arbeit geleistet."
Dass Kristen Stewart mehr kann, als in der "Twilight"-Saga als Vampir-Geliebte herumzuschmachten, bewies sie schon im Independent-Drama "Das gelbe Segel". Demnächst ist Stewart neben Dakota Fanning im Rock-Biopic "The Runaways" zu sehen - und keiner mache das so gut, wie sie. Das zumindest findet Joan Jett, die vielen eher als Frontfrau der "Blackhearts" mit "I Love Rock'n'Roll" in Erinnerung sein dürfte.
Jett war Sängerin, Gitarristin und Mitbegründerin der "Runaways" und ist nun ganz begeistert von Kristen Stewart, die ihre Rolle spielt. "Kristen hat ausgezeichnete Arbeit geleistet", schwärmt Jett, die den "Twilight"-Star höchstpersönlich auf diesen Part vorbereitete: "Als wir uns das erste Mal trafen, redeten wir stundenlang. Ich erzählte ihr ein paar Geschichten von den Runaways, die ich noch nie jemandem erzählt habe. Und ich gab ihr ein Tape von meiner Stimme damit sie hören konnte, wie ich mit 14 so geklungen habe."
Wichtig sei ihr gewesen, dass Kristen Stewart die echte Joan kennen lernt - und nicht nur das Girl auf der Bühne, dass sich mit tonnenweise Make-up und Lederklamotten so ganz anders gab. "Sie sollte sehen, welche Person sich wirklich dahinter verborgen hat. Und ich glaube, das ist gelungen."
"The Runaways" war eine Rock/Punk-Band der 70er mit ausschließlich weiblichen Mitgliedern. In den USA kamen die Girls, die sich vorwiegend als spärlich begleitete Rockerbräute gaben, nicht ganz so gut an. Erfolge feierte die Band, deren größter Hit "Cherry Bomb" hieß, vor allem in Japan.
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