Juliane Köhler
Hannelore Elsner
Karoline Herfurth
Regie: Hans Steinbichler
Verleih: NFP (Warner)
Die Beziehung zwischen Sofia und ihrer Mutter Marga war und ist nicht besonders gut. Als die unter Amnesie leidende Marga hochgradig verwirrt und aggressiv in die Psychiatrie eingeliefert wird, versucht Sofia ihrer Mutter zu helfen, indem sie sie auf eine Reise nach Riga begleitet. Dort hatte Marga ihre Jugend verbracht und Juris geheiratet, der ihr untreu war. Es ist 1991, und eine russische Invasion droht dem kleinen baltischen Land.

Mit der deutschen weiblichen Schauspiel-Elite hat Hans Steinbichler sein 60 Jahre umspannendes deutsch-baltisches Familiendrama ausgeschmückt.
Nach den Kritikererfolgen "Hierankl" und "Winterreise" verlässt Steinbichler den regionalen Alpenraum, bleibt aber seinen Themen Heimat, Familiengeheimnisse und den Lügen der Vergangenheit treu. Er konzentriert sich mehr denn je auf starke Frauenrollen, in der die prominenten Schauspielerinnen gefordert sind. Es ist ein deutsch-lettisches Frauenschicksal, das Parallelen zu Christian Schwochows "Novemberkind" aufweist und zu Filmen vom Experten für verlorene Heimat, Volker Koepp. Dessen Sprecherin Fritzi Haberlandt absolviert hier auch einen Kurzauftritt.
Auf zwei Zeitebenen spielt die emotionale Familiengeschichte, erzählt einmal von der TV-Redakteurin Sofia (Juliane Köhler mit nur einem Gesichtsausdruck), deren lieblose Mutter Marga ("Die Unberührbare" Hannelore Elsner) hochgradig verwirrt und aggressiv in die Psychiatrie eingeliefert wird. Die Suche nach den Ursachen ihrer Amnesie führt Mutter und Tochter nach Riga, dem Vorkriegsfamiliensitz, den sie im politisch unruhigen Nachwendejahr 1991 aufsuchen, als abermals eine russische Invasion droht.
Zum anderen illustriert Steinbichler die 1930er vorwiegend im lettischen Strand-Herrenhaus, wo die junge Marga (fabelhaft: Karoline Herfurth) den untreuen Juris ehelicht, der ein Eifersuchtsdrama heraufbeschwört. Das führt zu einem kalten Racheplan, als die deutschstämmige Bevölkerung heim ins Reich gerufen wird. Das Erinnern, das Marga Zeit ihres Lebens unterdrückte, bestimmt die zwischen den Zeiten pendelnde Dramaturgie.
Hannelore Elsner darf sich als "Verrückte" schauspielerisch austoben, was sich durchaus dem anspruchsvollen, sperrigen Stil ihrer Zeitebene anpasst. Anders ist der Stil in der älteren Zeitebene. In der 30er-Jahre-Idylle gibt es elegische Kamerafahrten durch Buchenhaine und bildet Karoline Herfurth ein großartiges emotionales Zentrum. Sie trägt das Historien-Melodram mit großer Intensität, die nicht auf den gesamten Film übergreift. Mitunter stören TV-Ästhetik und aufdringliche Musik die leisen Zwischentöne und das verträumte Klavierthema. Bedächtig, aber nachdrücklich dringt Steinbichler wieder einmal in ein Gefühls-Chaos von tragischen Dimensionen vor, was den Figuren eine Aussöhnung mit der Vergangenheit und einen Neuanfang ermöglicht.
tk.
| Darsteller: | Juliane Köhler | als Sofia Schleier | |
|---|---|---|---|
| Hannelore Elsner | als Marga Baumanis | ||
| Karoline Herfurth | als Marga Baumanis, jung | ||
| Niklas Kohrt | als Juris Baumanis | ||
| David Kross | als Osvalds Kalnins, jung | ||
| Rüdiger Vogler | als Osvalds Kalnins | ||
| Matthias Brandt | als Lorenz Schleier | ||
| Juta Vanaga | als Ieva Lepere, jung | ||
| Dace Eversa | als Ieva Lepere | ||
| Hans-Jochen Wagner | als Taxifahrer | ||
| Fritzi Haberlandt | als Ruta Bertulis | ||
| Maria Popistasu | als Dace Kalnins | ||
| Jockel Tschiersch | als Juris Vater | ||
| Hans-Uwe Bauer | als Margas Vater | ||
| Victoria Trauttmansdorff | als Frau Dr. Brandt | ||
| Georg Holzach | als Paul Kehlmann | ||
| Jürg Löw | als Redaktionsleiter Hans | ||
| Regie: | Hans Steinbichler | ||
| Drehbuch: | Robert Thayenthal | ||
| Josephin Thayenthal | |||
| Produzent: | Uli Aselmann | ||
| Koproduzent: | Ewa Karlström | ||
| Andreas Ulmke-Smeaton | |||
| Kamera: | Bella Halben | ||
| Musik: | Niki Reiser | ||
| Produktionsdesign: | Eva Stiebler | ||
| Kostüme: | Katharina Ost | ||
| Maske: | Waldemar Pokromski | ||
| Anette Keiser | |||
| Ton: | William Franck | ||
| Casting: | Nina Haun | ||
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