James Spader
Holly Hunter
Elias Koteas
Regie: David Cronenberg
Verleih: Jugendfilm (Central)
Nach einem beinahe tödlichen Autounfall tritt der Guru-artige Wissenschaftler Vaughan ins Leben des Produzenten Ballard. In der gewalttätigen, überhöhten Verbindung von Sexualität und Autounfällen sieht Vaughan eine Möglichkeit futuristischer Kommunikation. Während er Opfer von Zusammenstößen zusammenführt, will er sein eigenes Leben in einem spektakulären Crash aushauchen.

"Originalität, Wagemut und Dreistigkeit" waren für Francis Ford Coppola die Merkmale von David Cronenbergs kompromißlos-visionärer Adaptation von J.G. Ballards Underground-Pflichtlektüre aus dem Jahr 1973, die für viele überraschend den Spezialpreis der Jury in Cannes erhielt. Die meisten Kritiker hatten "die futuristische Lovestory" (O-Ton Cronenberg) zuvor empört in der Luft zerfetzt. Die Intensität der Reaktionen kann kaum verblüffen, denn wie seine Hauptfiguren hat es dieser aufregende Diskurs über die Fusion von Sexualität und Autounfällen auf eine Frontalkollision abgesehen - ein Film für den Kopf, der voll in die Magengrube trifft.
Wie in seinen besten Arbeiten seziert Cronenberg in seinem Techno-Sex-Schocker "Crash" die fetischistische Obsession des Menschen mit den Gefahren moderner, außer Kontrolle geratener Technologien. War es in "Videodrome" die Medienwelt, in "Die Fliege" die Wissenschaft, in "Die Unzertrennlichen" die Chirurgie, so dient in diesem erotischen Fiebertraum das Auto als übergeordnetes Leitmotiv für eine ohnmächtige Menschheit, die als Spielball der Geister, die sie rief, auf die Apokalypse zusteuert. Dabei steht Cronenberg dem surrealistischen Kino eines Bunuel hier mindestens ebenso nahe wie den pessimistischen Zukunftszenarien Romeros. In eisige Lila- und Grautöne getaucht, mit Howard Shores messerscharfem Gitarren-Score minimalistisch unterlegt und von Peter Suschitzkys Kamera mit streng-präzisen Bildkompositionen eingefangen, präsentiert er eine gefühlskalte, Michael Manns Großstadtwüste in "Heat" nicht unähnliche Welt, in der Sex und Kommunikation ihre Bedeutung verloren haben und die Bewohner ihre Existenzen wie mit Valium betäubt aneinander vorbeifristen.
Nach einem beinahe tödlichen Autounfall tritt der Guru-artige Wissenschaftler Vaughan (Elias Koteas als "Alptraumengel der High-ways") ins Leben des Produzenten Ballard (mutig: James Spader). In der gewalttätigen, überhöhten Verbindung von Sexualität und Autounfällen sieht Vaughan eine Möglichkeit futuristischer Kommunikation für die Menschheit, die sie aus ihrer Isolation und Passivität befreien soll. Während er es sich selbst zur Aufgabe gemacht hat, in einem spektakulären Crash sein Leben auszuhauchen, versucht er die Opfer von Zusammenstößen als eine Art Speerspitze zusammenzuführen und für seine Besessenheit zu gewinnen.
Schnell läßt Cronenberg erkennen, daß er nicht daran interessiert ist, eine Geschichte im herkömmlichen Sinn zu erzählen. Vielmehr besteht "Crash" aus einer sich immer weiter steigernden Abfolge verstörender sexueller Begegnungen der ungewöhnlichen Art (manchmal exzessiv, manchmal freudlos, immer explizit), die in ihrer Summe eine sukzessive Annäherung des Menschen an die Maschine, eine Vermählung von Fleisch und Metall ergeben. Mit perfidem Humor und klinischer Präzision steuert Cronenberg dieses intellektuelle Stück Auto-Erotik durch seine ungeheuerlichen Geschehnisse (in einer Performance wird der Tod James Deans nachgestellt, Koteas läßt sich den Abdruck eines Lenkrads auf den Torso tätowieren etc). Kein leichtes Spiel für die Schauspieler, deren Figuren sich einzig über ihre erotischen Leidenschaften zu definieren scheinen. Mit James Spader, Holly Hunter, Rosanna Arquette und der ganz vorzüglichen Deborah Unger hat Cronenberg allerdings Akteure gefunden, die ihr Können ganz in den Dienst des pervers-erotischen Stoffs stellen und dazu beitragen, daß "Crash" als der womöglich originellste Film des Jahrzehnts, als hundertprozentiges Cronenberg-Original verstört, verwirrt und fasziniert. ts.
| Darsteller: | James Spader | als James Ballard | |
|---|---|---|---|
| Holly Hunter | als Dr. Helen Remington | ||
| Elias Koteas | als Vaughan | ||
| Deborah Unger | als Catherine Ballard | ||
| Rosanna Arquette | als Gabrielle | ||
| Peter MacNeil | als Colin | ||
| Regie: | David Cronenberg | ||
| Drehbuch: | David Cronenberg | ||
| Produzent: | David Cronenberg | ||
| Ausf. Produzent: | Robert Lantos | ||
| Jeremy Thomas | |||
| Buchvorlage: | J. G. Ballard | ||
| Kamera: | Peter Suschitzky | ||
| Schnitt: | Ronald Sanders | ||
| Musik: | Howard Shore | ||
Der wahre Meister des Obskuren kehrt zurück: David Cronenberg verfilmt den Roman "London Fields".
Das Buch von Martin Amis scheint wie geschaffen für David Cronenberg, kreist die Handlung darin doch um verschiedene Realitätsebenen, sexuelle Obsessionen und paranormale Phänomene: Eine übersinnlich begabte junge Frau, Natalie Six, wird von traumatischen Visionen geplagt, die sich allesamt wenig später bewahrheiten.
Schließlich sieht Natalie ihre eigene Ermordung voraus, kann den Täter jedoch nicht identifizieren. In einer Londoner Bar verwickelt sie bei einem Date zwei der für den Mord in Frage kommenden Männer in ein undurchsichtiges Psycho-Katz-und-Maus-Spiel.
Damit kehrt Cronenberg, der mit Filmen wie "Die Fliege", "Naked Lunch", "Crash" und "eXistenZ" zum Kultregisseur avancierte, nach zweieinhalb Jahren Pause wieder auf den Regie-Stuhl zurück.
Damit nicht genug: Cronenberg geht bei seinem Comeback auf Nummer sicher und fährt zweigleisig. Denn zeitgleich unterschrieb er einen Vertrag für die Comic-Adaption "A History of Violence".
Zuletzt inszenierte er 2002 mit Ralph Fiennes in der Hauptrolle den Independent-Film "Spider", der von den Kritikern zwar gefeiert wurde, in den USA aber floppte und nie in deutschen Kinos lief.
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