Originaltitel: Cookie's Fortune
USA 1998
Glenn Close
Julianne Moore
Liv Tyler
Regie: Robert Altman
Verleih: Arthaus
Als sich die alte Cookie aus Sehnsucht nach dem längst verstorbenen Gatten das Leben nimmt, wollen ihre Nichten Camille und Cora ans Erbe, während Coras zurückgekehrte Tochter Emma vor allem auf Quickies mit dem naiven Jungpolizisten Jason scharf ist. Camille läßt Cookies Selbstmord wie einen Raubmord aussehen und lenkt den Verdacht auf Willis...

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Souveränität und nicht nachlassender Inszenierungskunst Regie-Altmeister Robert Altman ein Gesellschaftspanorama nach dem anderen produziert und beinahe stets ein Meisterwerk dabei herauskommt. Z.B. dieses über eine kleine, verschlafene Gemeinde irgendwo am Mississippi, wo die Einwohner noch leben, als wäre das 19. Jahrhundert nie zu Ende gegangen und als müsse Scarlett O'Hara um die nächste Straßenecke biegen. In Holy Springs ist das Kavaliertum des Alten Südens nie vergangen, wirkt der verlangsamte Rhythmus des Alltags wie jener schleppende Blues aus dem Delta, der dem Film seinen musikalischen Stempel aufdrückt, eine wunderbar entspannte Kleinstadtballade und Krimifarce, Sozialsatire und Studie über Liebe, Neid, Heuchelei und jenes sympathische Chaos, das diese Welt im Innersten zusammenhält.
Altman beobachtet das Treiben seiner Delta Ladies und Blues Men, als hätte er mit dem großen amerikanischen Romancier William Faulkner gemächlich beim Angeln einen "Wild Turkey"-Whiskey getrunken und zwischendurch eine Catfish Enchillada verspeist., wie sie Willis gern seiner Titelheldin Cookie zubereitet. Willis (in behäbiger Gelassenheit: Charles S. Dutton) hat die verbalen Ausfälle und arthritischen Bizarrerien seiner alten Freundin Cookie (Patricia Neal als Witwe mit Damenpfeifen und Wehmutsfaktor) ruhig akzeptiert. Er führt während seines nächtlichen Spaziergangs gemächlich schlendernd in Altmans subversive Comedy of Manners.
Als sich Cookie aus Sehnsucht nach dem längst hingeschiedenen Gatten in den Kopf schießt, steht Holy Springs für eine ganze Weile Kopf. Ihre Nichten Camille (Glenn Closen als Cruella de Vil in Blümchen-Look), die streng presbyterianisch Oscar Wildes "Salome" in ihrer gereinigten Fassung einstudiert, und Cora (Julianne Moore als debil verschärfte Schleiertänzerin) wollen ans Erbe, während Coras zurückgekehrte Tochter Emma (Liv Tyler bildschön mit Kurzhaar, Latzhose und Tramp-Erfahrung) vor allem auf die Quickies mit dem naiven Jungpolizisten Jason (Chris O'Donnell als Cop-Karikatur mit Einklemm-Garantie) scharf ist. Camille läßt Cookies Selbstmord wie einen raubmord aussehen, lenkt aus verrücktem Puritanismus den Verdacht auf Willis und wird, während sich die wirklichen Verwandtschaftsverhältnisse permanet verkomplizieren, bei der Premiere von "Salome" ihren Blues erleben.
Altman vernetzt diese und andere Personen, den Polizeichef, einen zugereisten schwarzen Ermittler, einen Barbesitzer, einen Tankwart, einen Anwalt, eine Bluessängerin, eine Polizistin, in seiner gewohnt multiperspektivischen Erzählweise mit pointiertierter Präzision, die selbst aus Running Gags wie dem gelben Polizei-Plastikband oder Ostereiern ein Optimum an Wirkung erzielt. Bei entsprechend sorgfältiger Synchronisation sollten Altmans spöttischen Delta-Blues die besten Häuser offen stehen. ger.
| Darsteller: | Glenn Close | als Camille Orcutt | |
|---|---|---|---|
| Julianne Moore | als Cora Duvall | ||
| Liv Tyler | als Emma Duvall | ||
| Chris O'Donnell | als Jason Brown | ||
| Charles S. Dutton | als Willis Richland | ||
| Patricia Neal | als Jewel Mae "Cookie" Orcutt | ||
| Ned Beatty | als Lester Boyle | ||
| Courtney B. Vance | als Otis Tucker | ||
| Donald Moffat | als Jack Palmer | ||
| Lyle Lovett | als Manny Hood | ||
| Danny Darst | als Billy Cox | ||
| Matt Malloy | als Eddie "The Expert" Pitts | ||
| Randle Mell | als Patrick Freeman | ||
| Niecy Nash | als Wanda Carter | ||
| Rufus Thomas | als Theo Johnson | ||
| Rubi Wilson | als Josie Martin | ||
| Preston Strobel | als Ronnie Freeman | ||
| Regie: | Robert Altman | ||
| Drehbuch: | Anne Rapp | ||
| Produzent: | Robert Altman | ||
| James McLindon | |||
| Koproduzent: | David Levy | ||
| Ernst Stroh | |||
| Ausf. Produzent: | Willi Baer | ||
| Kamera: | Toyomichi Kurita | ||
| Schnitt: | Abraham Lim | ||
| Musik: | Dave Stewart | ||
| Produktionsdesign: | Richard L. Johnson | ||
| Stephen Altman | |||
| Kostüme: | Dona Granata | ||
| Ton: | Mark Weingarten | ||
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