Anna Mouglalis
Mads Mikkelsen
Yelena Morozova
Regie: Jan Kounen
Verleih: Pa Co (24 Bilder)
Paris, 1913. Coco Chanel ist in den jungen und vermögenden Boy Chapel verliebt - aber hauptsächlich ist sie von ihrer Arbeit eingenommen. Igor Stravinsky studiert "Le Sacre du Printemps" ein. Die revolutionären Dissonanzen dieser Partitur erinnern an die radikale Arbeit der Modeschöpferin. Coco besucht die Premiere von "Sacre du Printemps", gekleidet in einem weißen Kleid - im Gegensatz zu der Abendrobe der schwermütigen Pariser Bourgeoisie. Als viel zu modern und antikonform empfunden, werden die Musik und das Ballett von den tobenden Premierengästen ausgebuht. Igor ist untröstlich.

Visuell starkes und emotional unterkühltes Arthousedrama von "39,90"-Regisseur Jan Kounen über die Amour Fou zwischen der französischen Modeschöpferin und dem russischen Komponisten.
Nur wenige Monate nach Start des Biopics "Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft" lädt das legendäre enfant terrible der Modeszene abermals zum Kinobesuch, der zwar biografische Eckdaten umfasst, vornehmlich aber um eine kaum bekannte Affäre ein kunstsinniges Deko-Drama dichtet. In dem schwelgerisch ausgestatteten Kostümfilm kommen nicht nur Chanels Original-Kollektionen und Accessoires zur Geltung, auch Mode-Zar Karl Lagerfeld ließ es sich nicht nehmen, extra Kleider im Chanel-Chic zu entwerfen.
Der Lieblingsfarbe der Mode-Revolutionärin gewidmet, ist Kounens Werk ganz in Schwarz getaucht, ein weitreichendes ästhetisches Konzept, aus dessen Dunkel sich die spektakuläre Eingangssequenz schält: Stravinskys legendäre Premiere seines avantgardistischen Ballet-Stücks "Le sacre du printemps" 1913 in Paris. Die experimentelle Aufführung am Vorabend des Ersten Weltkriegs eskaliert in einem Publikums-Tumult, den die Gendarmerie sprengen muss. Allein Coco Chanel (beachtlich: Anna Mouglalis) ist beeindruckt von dem modernen Schauspiel, das Kounen intensiv als Rausch der Sinne montiert und zu einer furiosen Kakophonie steigert.
Nach dem anschließenden Zeitsprung ins Jahr 1920 dominieren zwar weiterhin die opulenten Kulissen, stilistisch nimmt sich der Film jedoch sehr zurück und konzentriert sich auf eine Begegnung der beiden Künstler: Die Mäzenin lädt den armen Komponisten (zugeknöpft: Europas Charakterstar Mads Mikkelsen) samt seiner vier Kinder und der unheilbar an Tuberkulose siechenden Gattin (Yelena Morozova) in ihre Designervilla. In dem von knisternd-kühler Erotik geprägten Miteinander verliebt sich Stravinsky in die attraktive Gönnerin und beginnt eine Affäre, ohne zu merken, dass er damit nicht nur seine Ehe ruiniert, sondern einer Man-Eaterin ins Netz geht, die gerne Männer sammelt. Ein elegischer Ton wird angeschlagen, der dramaturgisch wenig zu bieten hat. Spannung bezieht der Film nur aus den fabelhaften Akteuren. Besonders Morozova, deren Frauentyp das Gegenteil der als gefühlskalt geschilderten Gastgeberin verkörpert - traditionell gegen modern - gelingt es, einige emotionale Akzente in dem unterkühlten Spiel der Hauptfiguren zu setzen. Kounen, der nach Storys um Gangster, Drogen und zuletzt einem durchgeknallten Werbewrack seine Vielseitigkeit unterstreicht, überrascht mit einem schillernden Gemälde, das Stravinskys Musik und Chanels Designs kunstvoll arrangiert.
tk.
| Darsteller: | Anna Mouglalis | als Coco Chanel | |
|---|---|---|---|
| Mads Mikkelsen | als Igor Stravinsky | ||
| Yelena Morozova | als Catherine Stravinsky | ||
| Anatole Taubman | als Arthur "Boy" Capel | ||
| Natacha Lindinger | als Misia Sert | ||
| Grigori Manoukow | als Sergeï Diaghilev | ||
| Radivoje Bukvic | als Großherzog Dimitri | ||
| Nicolas Vaude | als Ernest Beaux | ||
| Regie: | Jan Kounen | ||
| Drehbuch: | Chris Greenhalgh | ||
| Carlo de Boutiny | |||
| Jan Kounen | |||
| Produzent: | Claudie Ossard | ||
| Chris Bolzli | |||
| Koproduzent: | Veronika Zonabend | ||
| Buchvorlage: | Chris Greenhalgh | ||
| Kamera: | David Ungaro | ||
| Schnitt: | Anny Danche | ||
| Musik: | Gabriel Yared | ||
| Produktionsdesign: | Marie-Helene Sulmoni | ||
| Kostüme: | Chattoune | ||
| Maske: | Joël Lavau | ||
| Ton: | Vincent Tulli | ||
Als Wikinger Einauge ist Mads Mikkelsen in "Walhalla Rising" eine Urgewalt. Wir sprachen mit ihm über wortlose Schauspielkunst und das Dasein als dünner Gorilla.
In "Walhalla Rising" spielen Sie eine der wohl extremsten Rollen ihrer Karriere: Ein Mann, der kein Wort sagt, der nur ein Auge hat, der anfangs ein Tier ist und später menschlich wird. Würden Sie selbst sagen, das war eine der heftigsten Rollen, die Sie je gespielt haben?
Für mich war es in anderer Hinsicht extrem. Ich hatte ja gerade "Coco Chanel & Igor Stravinsky" gedreht, einen Film, für den ich innerhalb von zwei Wochen Französisch, Englisch und Pianospielen lernen musste. Insofern habe ich mich durchaus darauf gefreut, keinen Text zu haben, weil das schön einfach klang. Aber natürlich war es das nicht. Wenn man einen Filmcharakter seiner Worte beraubt, ist das eine Sache, aber wenn man ihm auch seine Emotionen nimmt, seine Psyche, dann ist das schon sehr befremdlich. Deswegen habe ich irrsinnig viel geredet, wenn ich nach Hause kam. Der wirklich harte Teil waren aber die körperlichen Anforderungen. Die Kampfszenen waren äußerst brutal. Wir haben bei Nullgraden gedreht, ohne Kleidung am Leib, im Endeffekt haben wir uns gegenseitig umgebracht.
Wie viel mussten Sie für die Rolle trainieren?
Das Training war nicht darauf ausgerichtet, richtig viel Muskelmasse aufzubauen. Es geht da ja um Menschen, die Sklaven sind, die wirklich ungesundes Zeug essen, der Arnold-Schwarzenegger-Look wäre also falsch gewesen - mal abgesehen davon, dass ich den eh nicht hin bekommen hätte. Wir wollten dünne, ausgemergelte Körper. Aber natürlich mussten wir die Kampfszenen in den Bergen irgendwie meistern. Also habe ich mich einfach ein wenig zurückgehalten.
Sie haben mal gesagt, dass Sie für "Walhalla Rising" auf ihr Schauspieler-Einmaleins zurückgegriffen und eins der Basics, den Gorilla, das Tier, gespielt haben...
Ja, ein bisschen hab ich mich ja dafür geschämt, weil das in den 70ern so ein Schauspieler-Klischee war: "Was für ein Tier bist du?" Aber bei dieser Rolle kam ich nicht drumrum, weil Einauge nun mal ein Tier ist. Ein Gorilla. Wenn auch ein dünner Gorilla.
"...im Endeffekt haben wir uns gegenseitig umgebracht." Wer die Kampfszenen in "Walhalla Rising" sieht, glaubt's (Foto: Sunfilm)
Vor Ihrer Schauspielkarriere waren professioneller Tänzer - hat Ihnen das bei der Choreografie der Kampfszenen geholfen?
Klar - solange ich nicht wie ein Tänzer aussehe, wenn ich kämpfe. (lacht) Die Leute sehen das nicht so gerne. Es sei denn, man heißt Gene Kelly. Aber wahrscheinlich kommt da mehr der Turner in mir raus. Als Kind habe ich immer Stunts gemacht. Ich bin von Dächern gesprungen oder von fahrenden Autos, dumme Sachen eben, frühes Jackass-Zeug. Aber das habe ich einfach schon immer geliebt. Mir war schon immer sehr bewusst, wie man durch die Luft fliegt und sich abrollt, damit man wieder sicher auf den Füßen landet. Das wichtige an einem Stunt ist ja auch, dass man aussieht, als würde man sich gerade tierisch weh tun.
In seiner Heimat Dänemark seit Mitte der 90er-Jahre ein populärer Schauspieler, übernahm Mads Mikkelsen 2006 als Erzbösewicht und Spieler...
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