Ruth Stoops ist eine total abgewrackte Existenz. Niemand würde normalerweise Notiz von ihr nehmen. Als die Lösungsmittelschnüfflerin wegen Gefährdung ungeborenen Lebens in den Knast kommen soll, gerät sie ins Zentrum des Medieninteresses und zwischen die Fronten der "Abtreibung ist Mord" und "Mein Bauch gehört mir"-Aktivisten. Von den Bibelsprüchen eines superspießigen Familienvaters ebenso unbeeindruckt wie von der Mondanbeterei einer Emanzin, interessiert Stoops nur, wer am meisten Kohle bietet.

Laura Dern ("Jurassic Park") zeigt in der bissigen Sozialsatire des Newcomer-Regisseurs Alexander Payne Mut zur Häßlichkeit. Für ihre Rolle als asoziale und dümmliche Farb- und Klebstoffschnüfflerin, die durch eine ungewollte Schwangerschaft zum Spielball der verhärteten Fronten von Abtreibungsgegnern und -befürwortern wird, wurde sie beim Filmfestival in Montreal als beste Schauspielerin ausgezeichnet.
Payne versteht die "Pro-Lachen-Komödie" (Werbeslogan) nicht als Beitrag zur Abtreibungsdebatte, sondern als sozialen Kommentar, der den Fanatismus beider Fraktionen aufs Korn nimmt. Die Anhänger der Anti-Abtreibungs-Bewegung werden als bibelfürchtige Heuchler generalisiert, während sich das Pro-Choice-Movement in diesem Film aus mondanbetenden Lesben und rauhen Rockern zusammensetzt. Genau diese plumpen Stereotypen nehmen dem kompromißlosen Spaß denn auch ein wenig den frisch-frechen Wind aus den Segeln. Dern mimt als die Obdachlose Ruth Stoops eine ignorante, egoistische, ordinäre Figur, die opportunistisch von einer Seite zur nächsten wechselt und mittels einer gesunden Portion Bauernschläue zur durchtriebenen individuellen Selbstverwirklichung schreitet. Übermäßig viel Sympathie ruft ihr Charakter nicht hervor: sie dient in erster Linie als Katalysator für die nach Möglichkeit objektiv zu sein versuchende Story.
Zum fünften Mal schwanger von der Polizei aufgegriffen, wird Ruth vom Haftrichter dazu angehalten, entweder "das Problem aus der Welt zu schaffen" oder ins Gefängnis zu marschieren. Sie wird unter die Fittiche des gottgläubigen Ehepaars Stoney (Mary Kay Place und Kurtwood Smith als Verkörperung kleingeistiger amerikanischer Spießigkeit) genommen, die engagierte Abtreibungsgegner sind und deren eigentliches Motiv die Adoption eines weiteren Babys ist. Als die Gegenseite - in Gestalt von zwei Lesben (Swoosie Kurtz und Kelly Preston) und einem Vietnamveteranen (M.C. Gainey) - ihr 15.000 Dollar bietet, um die Abtreibung durchzuführen, ist Ruth auch diesem Aspekt nicht abgeneigt. Der Fall wird alsbald von den Medien aufgegriffen, und ein ideologischer Affenzirkus bricht los...
Besondere Coups kann die Zeitgeistsatire im Besetzungsbereich verzeichnen: So tritt u. a. Burt Reynolds als schmierig-salbungsvoller Anti-Abtreibungsguru auf , während Tippi Hedren die Gallionsfigur der Pro-Abtreibungs-Fraktion verkörpert. Die technische Realisierung ist grundsolide: Vor allem die treffende Auswahl der Kostüme (konforme Pastellfarben kontra alternativer Guatemalajacke) verdient in diesem Bereich Applaus. Ein kleiner Film, nicht perfekt, doch mit einigem satirischen Punch. ara.
| Darsteller: | Laura Dern | als Ruth Stoops | |
|---|---|---|---|
| Tippi Hedren | als Jessica Weiss | ||
| Burt Reynolds | als Blaine Gibbons | ||
| Swoosie Kurtz | als Diane | ||
| Kurtwood Smith | als Norm Stoney | ||
| Mary Kay Place | als Gail Stoney | ||
| Kelly Preston | |||
| M. C. Gainey | |||
| Marilyn Tipp | |||
| Sebastian Anzaldo III | |||
| Kenneth Mars | |||
| Sherman Monahan | |||
| Caveh Zahedi | |||
| Kathleen Noone | |||
| Alicia Witt | |||
| David Graf | |||
| Diane Ladd | |||
| Regie: | Alexander Payne | ||
| Drehbuch: | Alexander Payne | ||
| Jim Taylor | |||
| Produzent: | Cary Woods | ||
| Cathy Konrad | |||
| Koproduzent: | Andrew L. Stone | ||
| Kamera: | James Glennon | ||
| Schnitt: | Kevin Tent | ||
| Musik: | Rolfe Kent | ||
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