Judy Davis
Sam Neill
Richard Roxburgh
Regie: Peter Duncan
Verleih: Arsenal
Joan Fraser ist die glühendste Anhängerin Josef Stalins in Australien. Jede Woche schreibt sie ihrem Idol einen langen Brief, der Stalin verführt, sie nach Jahren nach Moskau einzuladen. Dort verbringt sie nicht nur die letzte Nacht vor seinem Tod mit dem Idol, sondern auch mit dem Doppelagenten Nine. Ihren Sohn, den sie beharrlich als den Stalins ausgibt, beweist sich Jahre später als ganz der Wunschvater.

Der spezielle australische Humor schlägt hart aber herzlich zu: In Peter Duncans böser Tragikomödie über den Generationenkonflikt schwängert Stalin kurz vor seinem Tod eine aufrechte australische Kommunistin, deren Filius weniger Interesse für die Weltrevolution zeigt, als für eine taffe Polizistin des verachteten bürgerlichen Systems.
Die Geschichte ist abstrus, aber amüsant. Joan Fraser gehört zu den aktivsten Mitgliedern der KP Australiens. Statt sich zu vergnügen, hält sie konspirative Treffen ab und träumt von der Arbeiterrevolution. Nur ein Mann hat es ihr angetan - Diktator Stalin, dem sie unzählige Briefe schreibt. Irgendwann darf sie den blutrünstigen Politiker besuchen, der sie in einem letzten Kraftakt schwängert, bevor er an ihrer Seite den Geist aufgibt. Zu Hause ehelicht die Politkämpferin dann einen gutmütigen Schreiner. Ihre Hoffnung konzentriert sich auf Joe, das Produkt der kurzen Liebesnacht. Doch statt Australiens marode Politik umzukrempeln, verliebt er sich in eine systemtreue Polizistin und entwickelt einen ausgeprägten Hang zur Macht... "Children of the Revolution" wurde für neun Oscars nominiert, darunter auch in den Kategorien "Bester Film" und "Beste Regie", erhielt drei Preise das Australian Film Institute. Peter Duncan ("Zum Teufel mit der Seele") schreckt vor keinem Gag zurück: da hebt Stalin gerne das Glas, singt fröhlich, gibt Tanzeinlagen und möchte sich wie jeder Normalo das Fauchen abgewöhnen, seine Adlatj hüpfen wie Rumpelstilzchen vor Freude im Takt, als er das Zeitliche gesegnet hat. Billy Wilder und Mel Brooks könnten bei diesen Szenen Paten gestanden haben. Wie sich der Sohnemann vom Einfluß der dominanten Mutter befreit und plötzlich zu einem Miniatur-Stalin mutiert, das wird bei Duncan zum komischen Selbsterfahrungstrip. Mit erfrischendem Sarkasmus macht sich der 31jährige Regisseur über politischen Idealismus und Indoktrination lustig, läßt aber seine Heldin relativ ungeschoren. Judy Davis als Joan Fraser (erhielt den australischen "Oscar" für ihre Performance) ist eine großartige Mischung aus Jeanne d'Arc, Rosa Luxemburg und Angela Davis - kämpferisch, verletzlich, am Ende verzweifelt, als ihr Traum von einer anderen Welt sich als Chimäre erweist. Zwischen Komödie und Tragödie pendelt dieses skurrile Stück Kino, bei dem Schauspieler sich die Bälle zuwerfen - F. Murray Abraham als Stalin ist eine schräge Figur, Sam Neill als undurchsichtiger Doppelspion mit Herz ein Vergnügen, Geoffrey Rush als verständnisvoller Ehetrottel herzerweichend. Ein breites Publikum wird sich kaum für diesen ironischen und doppelbödigen Spaß erwärmen. Dabei lohnt allein Judy Davis in ihrem Elemnt schon den Besuch. mk.
| Darsteller: | Judy Davis | als Joan Fraser | |
|---|---|---|---|
| Sam Neill | als David Hoyle | ||
| Richard Roxburgh | als Joe Welch | ||
| Geoffrey Rush | als Zachary Welch | ||
| Rachel Griffiths | als Anna | ||
| F. Murray Abraham | als Joseph Stalin | ||
| Russell Kiefel | |||
| John Gaden | |||
| Regie: | Peter Duncan | ||
| Drehbuch: | Peter Duncan | ||
| Produzent: | Tristram Miall | ||
| Kamera: | Martin McGrath | ||
| Schnitt: | Simon Martin | ||
| Musik: | Nigel Westlake | ||
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