Originaltitel: Les temps qui changent
Frankreich 2005
Catherine Deneuve
Gérard Depardieu
Gilbert Melki
Regie: André Téchiné
Der französische Ingenieur Antoine will bei einem Auftrag in Tanger die erste und einzige Liebe seines Lebens wiederfinden, Cécile. Täglich lässt er der Radiomoderatorin anonym Rosen schicken, die sie in den Abfall wirft. Erst durch einen Zufall begegnen sie sich. Doch die pragmatische 50erin zeigt sich zunächst genervt von den Liebesbezeugungen des einstigen Geliebten.
Zwei Ikonen des französischen Films treffen unter der Regie von André Téchiné in diesem tragikomischen Beziehungsfilm aufeinander: Gérard Dépardieu und Catherine Deneuve. Nach 30 Jahren will ein Mann seine erste Liebe zurückerobern, die als ziemlich kühle Ehefrau und Mutter in Tanger lebt und die Vergangenheit schon lange ad acta gelegt hat.
Bei André Téchiné muss man mit Überraschungen rechnen. Nach dem in Marokko angesiedeltem "Loin" und "Les Egarées" aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges kehrt er erneut nach Nordafrika zurück und fokussiert sich auf Menschen zwischen zwei Kulturen, Gegensätze zwischen Okzident und Orient, zwei Lieben und zwei Lebensentwürfe.
Es beginnt mit einem Unfall. Der französische Ingenieur Antoine wird bei einem Erdrutsch auf der Baustelle in Tanger verschüttet - ein Kniff, denn die Szene ist keine Rück-, sondern eine Art Vorblende. Denn kurz darauf erfahren wir, dass er nicht nur in die weiße Stadt am Meer gekommen ist, um bei den Marokkanern aufs Tempo zu drücken, sondern vor allem, um die erste und einzige Liebe seines Lebens wiederzusehen, Cécile. Täglich lässt er der Radiomoderatorin eines kleinen Senders anonym Rosen schicken, die sie in den Abfall wirft. Erst durch einen Zufall begegnen sie sich - Antoine entdeckt sie in einem Supermarkt und knallt mit der Nase an eine Glasfront. Dass ausgerechnet Céciles Arzt-Gatte den Verletzten versorgt, könnte als Wink des Schicksals gelten. Doch die pragmatische 50erin zeigt sich genervt von den Liebesbezeugungen des einstigen Geliebten. Die Zeiten ändern sich eben, hinterlassen Spuren in der Seele, manchmal auch Wunden.
Téchiné macht sich auf die Suche nach verschütteten Emotionen und setzt bei dem wiederkehrenden Bild des Erdrutsches auf starke Metaphorik. Der Unfall als Auslöser einer Katharsis, nicht das Ende der Hoffnung, sondern deren Beginn, denn am Bett des im Koma Liegenden erkennt die sonst so Schroffe und Gleichgültige die Kostbarkeit des unter der Last des Alltags verlorenen Gefühls.
Dennoch bleibt die Kernfrage, "warum nach 30 Jahren" ungelöst und Unklarheit, was die beiden mal verbunden hat. Die Personen umkreisen sich - Depardieu als konsequente Träumer, der trotz körperlicher Stärke zerbrechlich wirkt, Deneuve als unsympathische Zicke, die das Kapitel Liebe abgeschlossen hat, ihr schwacher Mann, der sich mit sportlichem Sprung ins Wasser flüchtet oder mit hartem Whiskey tröstet, der Sohn, der mit einer alleinerziehenden marokkanischen Freundin aus Paris kommt, um mit seinem einheimischen Liebhaber ein paar schöne Stunden zu verbringen, die junge Frau, die ihre Zwillingsschwester treffen möchte und auf Ablehnung stößt. Sie alle sind in Bewegung, vermeiden im Wartesaal zum großen Glück die Wirklichkeit. Wie auch die Afrikaner, die in stoischer Ruhe auf ein Boot ins gelobte Europa warten und wenn sie zurückgeschickt werden, die Überfahrt aufs Neue versuchen. "Les temps qui changent" ist klassisches französisches Kino ohne Abstriche. Für den, der es mag. mk.
| Darsteller: | Catherine Deneuve | als Cécile | |
|---|---|---|---|
| Gérard Depardieu | als Antoine Lavau | ||
| Gilbert Melki | als Natan | ||
| Malik Zidi | als Sami | ||
| Lubna Azabal | als Nadia/Aicha | ||
| Tanya Lopert | als Rachel | ||
| Nabila Baraka | als Nabila | ||
| Jabir Elomri | als Said | ||
| Nadem Rachati | als Bibal | ||
| Regie: | André Téchiné | ||
| Drehbuch: | André Téchiné | ||
| Laurent Guyot | |||
| Pascal Bonitzer | |||
| Produzent: | Paulo Branco | ||
| Kamera: | Julien Hirsch | ||
| Schnitt: | Martine Giordano | ||
| Musik: | Juliette Garrigues | ||
| Produktionsdesign: | Zé Branco | ||
| Kostüme: | Christian Gasc | ||
| Catherine Leterrier | |||
| Ton: | Thierry Delor | ||
Bislang wurde der Berlinale-Wettbewerb von eher bedrückenden, wenn auch interessant umgesetzten Themen dominiert.
Stehende Ovationen für Julia Jentsch als Sophie Scholl und Regisseur Marc Rothemund (Foto: Berlinale)
Das Bürgerkriegs-Epos "Hotel Ruanda" und unglückliche Liebesdramen wie "Les temps qui changent - Changing Times" oder "Asylum" trafen die Besucher mitten in die Seele. Doch am Samstag setzte der erste deutsche Wettbewerbsbeitrag einen heiteren Glanzpunkt: Hannes Stöhrs "One Day in Europe", ein Episodenfilm, in dem Touristen in europäischen Städten von Moskau bis Santiago di Compostella (vermeintliche) Opfer von Raubüberfällen werden.
Alle vier Geschichten spielen zeitgleich, vor dem Hintergrund eines fiktiven Champions-League-Finales. Fußball ist das einende Element in Europa. Stöhr bedient die landestypischen Klischees seiner Charaktere, die gleiche Variation des Themas nützt sich im Verlauf des Films ein wenig ab. Doch sein heiterer Tonfall und die kulturelle Interaktion und Kommunikation in sechs verschiedenen Sprachen stießen auf großen Anklang bei Presse und Publikum.
"Asylum"-Star Natasha Richardson geriet beim Feiern im Club 37 im Casino Berlin etwas aus dem Konzept (Foto: 24u Media)
Bei Presse und Fachbesuchern herrscht dieses Jahr ein richtiger Run auf die deutschen Filme - angestachelt durch den Vorjahresbärengewinner "Gegen die Wand" und den internationalen Erfolg von sehr unterschiedlichen Filmen im letzten Jahr: von "Der Untergang" bis "Die fetten Jahre sind vorbei".
Erster wirklicher Bären-Kandidat war dann aber am Sonntag Marc Rothemunds "Sophie Scholl". Das bewegende Drama um die junge Widerstandskämpferin der Weißen Rose erntete zehn Minuten lang stehende Ovationen im bis auf den letzten Platz ausgebuchten Berlinale-Palast. So konnten Rothemund, seine Hauptdarstellerin Julia Jentsch, die wiederum ein heißer Kandidat für den Darstellerpreis ist, Produzenten, Verleiher und Fans anschließend auch entspannt feiern in dem Berliner Szenetreff "week-END Club" - im oberen Stockwerk eines ehemaligen Plattenbaus am Alexanderplatz.
Partymarathon war allgemein angesagt am Wochenende. Die Must-Have-Einladung war am Freitag die von VW gesponsorte People's Night im renommierten Restaurant Borchardt in Mitte. Hier gaben sich deutsche Stars und Sternchen die Klinke in die Hand, von Jungstar Matthias Schweighöfer über Heike Makatsch und Herbert Knaup und Sebastian Koch bis zur zweiten Riege der TV-Celebrities.
Deutlich jünger und handfester ging es dagegen bei der Eröffnungsfeier des Internationalen Forums des Jungen Films und der Party zum osteuropäischen Episodenfilm "Lost and Found" zu.
Jungstars satt gaben sich auch auf der noblen Shooting Stars Gala im traditionsreichen Adlon Hotel die Ehre. Deutscher Shooting Star in diesem Jahr ist der junge Berliner Max Riemelt ("Napola").
München in Berlin erlebte man Sonntagnacht in Oliver Berbens Bar "Sopranos" am Ku'Damm. Dort hatte die Constantin geladen, um die Aufführung des Dokumentarfilms "Inside Deep Throat" über den berüchtigten Siebziger-Jahre-Porno und seine Entstehung zu feiern. Da wollten sich einige weiblichen Gäste wohl nicht lumpen lassen: Sie waren entsprechend leicht bekleidet und mit High Heels bewehrt erschienen. Der Prosecco floss in Strömen bis in die Morgenstunden.
Vorfreude auf "Gespenster": Julia Hummer glaubt, ihre entführte Tochter wiedergefunden zu haben (Foto: Piffl)
Die hiesige Branche ist in Feierstimmung und das internationale Interesse am deutschen Film groß, wie auch die Filmverkäufer auf dem Berlinale Film Markt berichten. Am Dienstag feiert der dritte deutsche Wettbewerbsbeitrag Premiere, Christian Petzolds "Gespenster", der schon mit Spannung erwartet wird.
Es ist also im Bereich des Möglichen, dass auch dieses Jahr die heimischen Filme im Wettbewerb abräumen. Aber noch hat der internationale Film sechs Tage Zeit, Highlights zu positionieren. Es bleibt spannend.
Die schönste Frau Frankreichs, die Sphinx mit der Aura der Unnahbarkeit - mit dem makellosen Äußeren, mit dem Flair der Verruchtheit...
Frankreichs "Ein-Mann-Nouvelle-Vague" wird von seinen Landsleuten wie der von ihm verkörperte Obelix (in "Asterix & Obelix gegen Caesar...
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.