Bewegendes, witzig-trauriges Roadmovie um ein ungleiches Paar. http://images.kino.de/flbilder/max98/bf98/bf48/b9848002/b150x150.jpg Central Station

Filmdetails

Central Station

Bewegendes, witzig-trauriges Roadmovie um ein ungleiches Paar.


Central Station
Start: 24.12.1998

Originaltitel: Central do Brasil

Drama

Brasilien/Frankreich 1997
Laufzeit: 107 Min.
FSK: ab 6 Jahre

Fernanda Montenegro
Marilia Pera
Vinicius de Oliveira

Regie: Walter Salles
Verleih: Buena Vista

So werten die bisherigen Besucher:

Gesamt
(0 Bewertungen)

Action
Humor
Romantik
Spannung
Anspruch
Besucheransturm: lau
Besucher-
ansturm

Temperatur

lau

Inhalt

Die verbiesterte Lehrerin Dora verdient ihren Lebensunterhalt damit, daß sie am Hauptbahnhof von Rio de Janeiro Briefe für Analphabeten schreibt. Mißmutig wie sie ist, schickt sie sie oft gar nicht ab. Als eine Kundin überfahren wird, nimmt sie sich zunächst widerwillig deren Sohn an und macht sich auf den Weg, seinen verschollenen und versoffenen Vater zu suchen.


Kritik

Central Station

Der erste lateinamerikanische Film, der auf einer Berlinale den Hauptpreis gewann, sollte trotz der wenigen Produktionen, die aus Brasilien unsere Kinos erreichten ("Bye Bye, Brasil", "Tieta do Brasil"), eine solide Martklücke bedienen können, denn Walter Salles' Odyssee von Rio de Janeiro in den Sertao im Norden des Landes hat alles, was ein gutes Road Movie auszeichnet: ungebändigte Reise- und Erfahrungslust, ein ungleiches Paar, das sich während des Trips einander annähert, eine attraktive Scope-Kamera, die unbekannte Regionen Brasiliens einfängt, einen glaubwürdigen dramatischen Konflikt, wunderbar spielende Hauptdarsteller und den Sog des unbestechlichen Blicks auf ein Land, das seine Wurzeln verloren hat.

Schon der Ausgangspunkt lenkt die Story unbeirrbar in Richtung Aufbruch. Szenen aus dem Treiben auf dem Hauptbahnhof von Rio sind geschickt gemischt mit der Arbeit der ehemaligen Lehrerin Dora (Fernanda Montenegro erhielt in Berlin den Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin), die Briefe für Analphabeten schreibt, sie willkürlich sortiert und (vielleicht nie) abschickt, und in der Vorstadt mit der herzlichen Hure Irene die Botschaften beäugt und kommentiert. Als eine ihrer Kundinnen vor dem Bahnhof überfahren wird, will Dora deren urplötzlich verwaisten Sohn erst loswerden, besinnt sich aber, raubt Josué aus einer zweifelhaften Adoptionsstelle und tritt mit ihm den langen Weg zu seinem Vater an, der irgendwo im riesigen Sertao arbeitet - und sich in Vergessenheit säuft.

Die äußerst spannende Reise von Dora und Josué, während der sie Trucker, Raststätten, religiöse Feiern, mythisch umwehte Felsen, Märkte, moderne Sozialwohnungssiedlungen für die Kinder der Pioniere, Handwerker und Händler kennenlernen und sich erfindungsreich ums Geldverdienen bemühen, ist ein Glanzstück im Genre Road Movie: präzise, pointiert, problembewußt und ohne Wiederholungen auf die Identitätssuche einer alten Frau und des Jungen ausgerichtet, mitten in einer vaterlosen Gesellschaft, die an Theo Angelopoulos' Meisterwerk "Landschaft im Nebel" erinnert. Der Humor des menschlichen Films sollte ihm wie bei dem ähnlich strukturierten "Guantanamera" die verdiente Aufmerksamkeit sichern, zusätzlich zum Berlinale-Preis-Bonus. ger.

Central Station

Darsteller:  Fernanda Montenegro   als Dora
  Marilia Pera   als Irene
  Vinicius de Oliveira   als Josué
  Soia Lira   als Ana
  Othon Bastos   als César
  Otavio Augusto   als Pedrao
  Stela Freitas   als Yolanda
  Matheus Nachtergaele   als Isaias
  Caio Junqueira   als Moises
 
Regie:  Walter Salles  
Drehbuch:  Joào Emanuel Carneiro  
  Marcos Bernstein  
Produzent:  Arthur Cohn  
  Martine de Clermont-Tonnerre  
Ausf. Produzent:  Elisa Tolomelli  
  Lillian Birnbaum  
  Donald Ranvaud  
  Tom Garvin  
Kamera:  Walter Carvalho  
Schnitt:  Isabelle Rathery  
  Felipe Lacerda  
Musik:  Antonio Pinto  
  Jaques Morelembaum  
Produktionsdesign:  Cassio Amarante  
  Carla Caffé  
Kostüme:  Cristina Camargo  
Ton:  Mark A. van der Willigen  

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