Robert De Niro
Sharon Stone
Joe Pesci
Regie: Martin Scorsese
Verleih: UIP
Der Profispieler Ace Rothstein und der Mafiakiller Nicky Santoro werden in den frühen siebziger Jahren vom Mob nach Las Vegas geschickt, um die Geschicke des Tengiers Casinos zu leiten und ständigen Geldfluß zu gewährleisten. Rothstein heiratet die Glücksritterin Ginger. Sein Untergang wird eingeleitet, als Ginger, von jahrelanger Drogensucht zerrüttet, Zuflucht ausgerechnet bei Hitzkopf Nicky sucht.

In einem dreistündigen Meisterwerk verfolgt Martin Scorsese Aufstieg und Fall der Mafia in Las Vegas. Nach "Casino", dem bislang ambitioniertesten Projekt seiner Karriere, besteht kein Zweifel mehr, daß es in punkto Virtuosität kein Filmemacher mit dem Raging Bull aus New York aufnehmen kann. Im dritten Film seiner losen Crime-Trilogie über kleine Verbrecher und große Mobster vereinigt er erneut die "GoodFellas" Robert De Niro und Joe Pesci, um in einem Frontalangriff auf die Sinne vom Aufstieg und Fall der Mafia im Hexenkessel Las Vegas in den siebziger Jahren nicht einfach nur zu erzählen, sondern ihn vielmehr filmisch zu sezieren. Ein episches Unterfangen, für das Scorsese die Mean Streets der letzten Stadt aufsucht, in der der Geist des Wilden Westens noch lebendig ist, in der Outlaws und Glückssucher ihren American Dream träumen können. So unterschiedlich ihre Motive sein mögen, allen geht es darum die Casinobanken, egal wie, von ihren Reichtümern zu befreien. Um möglichst jedem noch so kleinen Detail von Nicholas Pileggis Tatsachenroman gerecht zu werden, wirft Scorsese sein gesamtes Können in die Waagschale: Nicht nur mit beeindruckenden Bildersequenzen hält der Regisseur den Zuschauer gefangen. Parallel wird Robert Richardsons bestechende Fotografie mit pausenlosen Voice Overs der Protagonisten und einem exquisit ausgewählten Rock-Soundtrack kommentiert und analysiert. Selten zuvor hat es ein Filmemacher gewagt, den Zuschauer einer derart exzessiven Informationsflut auszusetzen, deren schiere Last "Casino" ächzen läßt. Doch Scorseses manischer Einsatz zahlt sich aus: Die hypnotische Sinfonie von Korruption und Gier, die der Filmemacher als moderne Parabel auf Sodom und Gomorrha orchestriert, ist die filmische Entsprechung all dessen, wofür das Sündenbabel Las Vegas steht. Fast eine Stunde dauert das dokumentarisch präzise Exposé an, das den Zuschauer einstimmen und mit den drei Hauptfiguren vertraut machen soll. Erst nachdem Scorsese etabliert hat, wie mit Raffinesse die eigenen Kassen um Millionen erleichtert, die Tricks der Profi-Spieler aufgedeckt, die Politiker geschmiert werden, beginnt er die eigentliche Geschichte von "Casino" zu erzählen, eine blutbefleckte Ménage à trois über Liebe und Rache. Inmitten all des unermeßlichen Reichtums befinden sich Ace Rothstein, ein Spieler mit eiserner Disziplin, und der hitzköpfige Killer Nicky Santoro, als Handlanger des Mobs nach Las Vegas geschickt. Während Kontroll-Freak Ace die Leitung des (fiktiven) Tangiers-Casinos übernimmt und dafür Sorge trägt, daß der stete Geldfluß nicht unterbrochen wird, hält Nicky - oft mit unglaublicher Brutalität - Ace den Rücken frei. Es ist buchstäblich ein Gangsta's Paradise, das sich die beiden errichten. Erst, als sich Ace in die ehemalige Prostituierte Ginger (Sharon Stone) verliebt, gerät das Königreich ins Wanken. Paranoia, Sucht und Hochmut besiegeln ihr Schicksal. Scorsese folgt dem tiefen Fall seiner drei Helden mit obsessiver Präzision. Wie immer in seinen Filmen sind die Schauspielleistungen brillant. Während De Niro und Pesci nie ihre Deckung sinken lassen, bildet Sharon Stones herausragende Darstellung der lebenssüchtigen Ginger (wunderbar eingeführt zu den Klängen von "Heart of Stone") das emotionale Herzstück des Films. Sie zerbricht an Ace, Nicky und nicht zuletzt Las Vegas, hinter dessen glitzernder Kulisse Gewalt und die Gier nach Reichtum eine fatale Verbindung eingegangen sind. Noch nie wurde das so exakt herausgearbeitet wie in "Casino". Und wenn am Schluß doch Wehmut über die vergangenen Tage mitschwingt, dann nur deshalb, weil das Las Vegas von heute längst zur überlebensgroßen Ausgabe von Disneyland verkommen ist - und Scorseses Herz insgeheim doch für die Wise Guys schlägt, so verrottet sie auch sein mögen. ts.
Robert De Niro auf die Rolle des Bösewichts festzulegen, ist sicherlich falsch. Der Hollywoodveteran bewies mehr als einmal seine schauspielerische Vielfältigkeit: So machte er in Komödien ("Wag The Dog"), als ständig bekiffter Killer ("Jackie Brown") oder auch als Boxchampion ("Wie ein wilder Stier") eine gute Figur.
Und doch gehören seine Rollen als abgebrühter Gangsterboss zu den absoluten Sternstunden des amerikanischen Kinos. Glanzvolle Auftritte in Blockbustern wie "Casino", "Heat" und "Good Fellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia" sprechen eine eindeutige Sprache. Es kommt auch nicht von ungefähr, dass der Ausnahmedarsteller für seine Leistung als Familienoberhaupt eines Mafiaclans in "Der Pate II" mit einem Oscar belohnt wurde.
Jetzt landet das Schauspiel-Chamäleon seinen nächsten Verbrecher-Coup. In "Rule Number Three" gibt De Niro einen arroganten Waffenhändler, der alles fest im Griff zu haben scheint. Doch dann setzt eine konkurrierende Unterweltorganisation einen Killer auf ihn an - mit dem Auftrag, ihn Demut zu lehren.
Neben der Rolle des Hauptdarstellers konnte auch der Regiestuhl bereits besetzt werden. Rob Bowman, dessen neuer Film "Die Herrschaft des Feuers" im Dezember in den deutschen Kinos startet, inszeniert den actiongeladenen Thriller.
Wer neben De Niro in weiteren Rollen zu sehen ist, steht noch nicht fest.
Ausnahmeschauspieler, Chamäleon, legitimer Nachfolger des Jahrhundertmimen Marlon Brando: Für den 1943 in New York geborenen Robert De Niro...
Als ehemaliges Fotomodell für Eileen Ford, Clairol, Revlon u.a. sowie Gewinnerin diverser lokaler Schönheitswettbewerbe gelang Sharon Stone...
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