Amanda Plummer
Saskia Reeves
Paul Bown
Regie: Michael Winterbottom
Verleih: Studiocanal
Die hochgradig verrückte Bernice zieht mordend durch Nordengland und ist auf der Suche nach ihrer Phantomfreundin Judith. Statt dieser trifft sie auf die konservative und schüchterne Miriam, die das wilde Gebaren Bernices anstandslos zu akzeptieren scheint. Letztendlich verliebt sich Miriam in Bernice, wird zur Mitwisserin und schließlich zur Mittäterin.
Zu einem der raren Höhepunkte im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale gehörte der erste Kinofilm des Briten Michael Winterbottom. Trotzdem ging "Butterfly Kiss" bei der Preisverleihung leer aus. Möglicherweise war das Road Movie um zwei Frauen, die mordend durch Nordengland ziehen, zu viel für die schwachen Nerven der Jury. Winterbottom erweitert seinen Plot noch durch eine skurrile lesbische Liebesgeschichte, für die er in Amanda Plummer und Saskia Reeves die idealen Protagonistinnen gefunden hat. Das kompromißlos inszenierte Werk hat noch keinen deutschen Verleih gefunden, obwohl ein solider Erfolg im Bereich des Möglichen liegt, zumal "Butterfly Kiss" das Zeug zum Kultfilm besitzt. Amanda Plummer spielt die hochgradig verrückte Berserkerin Eunice, die sich schreiend, brüllend und mordend auf der Suche nach ihrer Phantom-Freundin Judith befindet. Auf dieser Suche kreuzt Miriam, ein verschüchtert-verklemmtes Tankstellenverkäuferinnen-Mäuslein (Saskia Reeves) deren von Leichen gepflasterten Weg. Die konservative Miriam kann oder will das in Eunice wild wuchernde Gewaltpotential nicht wahrhaben. Im Gegenteil, sie scheint die Gepflogenheiten ihrer neuen Freundin widerstandslos zu akzeptieren. Zwangsläufig verliebt sie sich in die faszinierende Mörderin, wird zu deren devoter Gehilfin und begibt sich gemeinsam mit ihr auf die Suche nach einem Menschen, der nur in Eunices Imagination existiert. Dabei wird Miriam nicht nur zur Mitwisserin, sondern schließlich auch selbst zur Täterin. Michael Winterbottom gelingt es in nur 88 Minuten, seinen Plot auf den Punkt zu bringen. Er findet sogar noch Zeit, Ausschnitte aus einem Verhör einzustreuen, das zu einem späteren Zeitpunkt mit Miriam stattfindet. In diesen Passagen, in körnigem schwarzweiß gefilmt, sieht man die hervorragend aufspielende Saskia Reeves in Großaufnahme, die einem nicht sichtbaren Befrager unbeholfen und verunsichert Eunices Charakter transparent zu machen versucht. Das Glanzlicht aber setzt Amanda Plummer, die unverfrorenen Mut zur Häßlichkeit beweist. Wie eine Furie malträtiert sie nicht nur unschuldige Opfer, sondern auch sich selbst. Denn ihr Körper ist über und über mit ehernen Ketten und Ringen behängt, eisernes Folterwerkzeug, das aus einer düsteren Kammer zu Zeiten der Inquistion stammen könnte. "Butterfly Kiss" ist die radikale und schonunglose Antwort auf Hollywoods "Thelma & Louise". Selten wurde im Kino ein derart provozierendes, ungewöhnliches und absolut bizarres Frauenduo präsentiert wie in diesem Erstling von Michael Winterbottom - ein Name, der bald für Aufmerksamkeit sorgen wird. lasso.
| Darsteller: | Amanda Plummer | ||
|---|---|---|---|
| Saskia Reeves | |||
| Paul Bown | |||
| Freda Dowie | |||
| Fine Time Fontayne | |||
| Des McAleer | |||
| Ricky Tomlinson | |||
| Emily Aston | |||
| Regie: | Michael Winterbottom | ||
| Drehbuch: | Frank Cottrell Boyce | ||
| Produzent: | Julie Baines | ||
| Kamera: | Seamus McGarvey | ||
| Musik: | John Harle | ||
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.