Originaltitel: The Brothers Grimm
Großbritannien/Tschechien/USA 2005
Matt Damon
Heath Ledger
Monica Bellucci
Regie: Terry Gilliam
Verleih: Concorde
Die Brüder Will und Jake Grimm (Matt Damon und Heath Ledger) gaunern sich Anfang des 19. Jahrhunderts durch ungastlichen Hinterwald, indem sie vor staunendem Landvolk Spuk inszenieren und diesen anschließend unter allerhand Brimborium exorzieren. Als jedoch ein General der napoleonischen Besatzungsmacht die Brüder zwingt, die Behörden bei der Suche nach vermissten Mädchen zu unterstützen, muss man erstaunt feststellen, dass draußen im dunklen Tann tatsächlich Hexen, Ungeheuer und Zauberer ihr Unwesen treiben.
Unter großem Hollywoodaufwand degradiert Regie-Exzentriker Terry Gilliam ("Brazil") zwei verdiente Kulturarchäologen zu unterbelichteten Trickbetrügern. Dabei trieb er einmal mehr Studio und Produzent zur Weißglut.
Ein Märchen über die Märchenerzähler: Kultregisseur Terry Gilliam entdeckt die Gebrüder Grimm.
Wer kennt sie nicht, die berühmten Märchen: den bösen Wolf, der Rotkäppchen genüsslich fraß, Rapunzel, die das Haar herunterließ oder das schöne Schneewittchen und ihre sieben Zwerge. In Terry Gilliams genial-wüstem Rundumschlag tauchen sie alle als Zitate wieder auf. Mit großer Fabulierkunst mixt der Meister und Ex-Monty-Python Märchen, Magie und eigene Vorstellungen von einer verwunschenen Vergangenheit.
Will und Jake Grimm (ein lustiges Gespann: Matt Damon und Heath Ledger) verdienen Anfang des 19. Jahrhunderts, als Deutschland unter der französischen Besatzung ächzt, ihre Taler dadurch, dass sie einfachen Landbewohnern mit allerlei Firlefanz weiß machen, sie könnten böse Geister austreiben.
Als ihnen die Besatzungsmächte auf die Schliche kommen, droht die Todesstrafe wegen Hochverrats. Der können sie nur entgehen, wenn sie das Geheimnis um zehn spurlos verschwundene Mädchen aufdecken.
Im dunklen Wald mit wandernden Bäumen tummeln sich seltsame Gestalten und gefährliche Dämonen, vor allem ein Werwolf versetzt das Brüderpaar in Angst und Schrecken. Und in einem steinernen Turm haust der Geist einer 500-jährigen Königin, die frisches Mädchenblut trinkt wie andere Milch, um wieder jung und hübsch zu werden (zum Küssen: Monica Bellucci). Nicht gerade das ideale Abenteuer für die beiden Tunichtgute, die jede Menge Mut beweisen müssen - über den sie eigentlich gar nicht verfügen.
In diesem opulenten Bilderrausch voller Fantasie und aufwändiger Effekte setzt der englische Kultregisseur erneut zu einem rasanten Höhenflug an wie einst in "Brazil". Ein spektakulärer Knaller, der selbst das schlafende Schneewittchen aufgeweckt hätte.
Mit Filmen wie "12 Monkeys" und "Fear and Loathing in Las Vegas" wurde er berühmt. Nach einer siebenjährigen Regie-Pause feiert Terry Gilliam mit dem skurrilen Fantasy-Film "Brothers Grimm" seine Rückkehr - was er vor allem den Überredungskünsten des Produzenten Chuck Roven verdankt.
"Brothers Grimm" ist kommerzieller als die meisten Ihrer Filme. War das Absicht?
TERRY GILLIAM: Als wir den Dreh zu "Don Quichote" abbrechen mussten, sagte ich zu Johnny Depp: "Lass uns etwas kommerziell Erfolgreiches machen, damit wir dieses Projekt eines Tages wieder starten können." Er hat seinen Teil getan, aber ob mir das mit "Brothers Grimm" gelingt, weiß ich noch nicht.
Es war eher ein Film, der von mir gemacht werden wollte. Der Produzent von "Brothers Grimm", Chuck Roven, mit dem ich bereits bei "12 Monkeys" zusammengearbeitet hatte, verfolgte mich regelrecht mit dem Drehbuch. Ich mochte es eigentlich nicht.
Realist und Träumer: Matt Damon und Heath Ledger als ungleiches Brüderpaar (Foto: Concorde)
Warum haben Sie es dann trotzdem verfilmt?
Ich mochte die Grundidee von den Hochstaplern, die in eine Welt echter Magie geraten. Meine Filme bewegen sich immer an der Grenze zwischen Fantasie und Realität. Das ursprüngliche Drehbuch war mir zu harmlos. Die Figuren waren zwei moderne Klugscheißer im alten Deutschland, die zeitgenössische Dialoge sprachen. Wir machten einen der Brüder zum Pragmatiker, den anderen zum Träumer - wie die beiden Seiten des Gehirns.
Das war aber nur die erste Hürde. Danach mussten Sie sich mit den Weinsteins auseinandersetzen.
Am Anfang meinte ich zu Bob Weinstein: "Wir sind beide in unserem Denken unabhängig, wir haben beide auf unsere Weise Erfolg gehabt. Daher könnte unsere Ehe schwierig werden." Und das hat sich bewahrheitet. Die Weinsteins wollten manche Besetzungsvorschläge nicht akzeptieren. Es gab auch viele Diskussionen über Make-up-Fragen, etwa ob Matt Damon eine gebrochene Nase haben durfte.
Durfte er?
In diesem Punkt gab ich nach. Dabei hätte er damit wie ein junger Marlon Brando ausgesehen. Aber die Weinsteins fürchteten, die Fans würden ihn auf dem Poster nicht wiedererkennen. Sie drohten deshalb, das Projekt abzublasen - einen Tag vor Drehbeginn!
Eines muss ich ihnen zugestehen: Sie glauben wirklich an ihre Sache, anders als die Leute in den Studios, die nie eine feste Meinung haben. Es gab zwar viel Blutvergießen, aber letztlich erlebten wir ein Happyend. Denn am Schluss mochte jeder den Film.
Diese Dame ist 500 Jahre alt: die intrigante Spiegelkönigin Monica Bellucci (Foto: Concorde)
Mögen Sie solche Kämpfe?
Ich kann darauf verzichten. Bei dem Film, den ich in der Zwischenzeit drehte, "Tideland", ging es ganz friedlich zu. Aber ein guter Kampf treibt das Adrenalin hoch und klärt, was wichtig und unwichtig ist. Ich will einen Bereich schaffen, in dem die Schauspieler und ich arbeiten können, und den verteidige ich mit Zähnen und Klauen. Denn dieser Bereich muss sicher sein, damit wir ungestört herumspielen können.
Was verstehen Sie unter "herumspielen"?
Ich ermutige die Schauspieler, Risiken einzugehen und sich auch mal zum Narren zu machen. Nur so kommt etwas Interessantes heraus. Weil ich weite Linsen verwende, stehe ich dicht bei ihnen, und sie können meine Reaktionen sehen. Wenn sie lustig sind, lache ich, wenn sie tragisch sind, dann gibt es Tränen. Bestätigung ist wichtig.
Koteletten: ja, gebrochene Nase: nein. Wir finden: eine gute Entscheidung (Foto: Concorde)
Hing das Schicksal von "Brothers Grimm" tatsächlich von Matt Damons Nase ab?
CHUCK ROVEN: Sämtliche Tests für Frisuren, Make-up und Kostüme wurden von den Geldgebern überprüft. Drei Dinge fanden keine Zustimmung: die Brille für Heath Ledger, Matt Damons Koteletten und die gebrochene Nase. Terry und mir gelang es, Miramax von den ersten beiden Punkten zu überzeugen.
Gleichzeitig hatten wir aber noch ein großes Budgetproblem. Wir gaben bei der Nase auf, im Gegenzug handelten wir Konzessionen bei der Finanzierung aus.
Terry Gilliam und die Stars aus "Brothers Grimm" ließen sich in Venedig feiern (Foto: Kurt Krieger)
Ursprünglich sollte der Film schon Ende 2004 herauskommen.
ROVEN: Wir wollten bestimmte Spezialeffekte wie die Bäume und den Wolf mechanisch herstellen. Doch das funktionierte nicht. Wir mussten alles mit Computertricks machen, was noch einmal fünf, sechs Monate dauerte. Ich hatte das erwartet, aber um Geld zu sparen, hatten wir diese Konzession gemacht. Am Schluss jedoch blieb den Weinsteins nichts anderes übrig, als noch einmal zu investieren.
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