Sam Riley
Andrea Riseborough
Helen Mirren
Regie: Rowan Joffe
Verleih: Studiocanal
Mods und Rocker liefern sich im englischen Seebad Brighton wüste Schlägereien, Arbeiterklasse-Gangster sorgen für Schlagzeilen, und der Ganove Pinkie will zum großen Capo aufsteigen. Im Zuge eines Revierkriegs ermordet Pinkie einen Rivalen, Kellnerin Rose ist im Besitz eines Fotos, das ihn der Tat überführen könnte. Um sie zum Schweigen zu bringen, macht Pinkie ihr einen Heiratsantrag. Verliebt und begierig, ihrem trostlosen Leben zu entfliehen, stimmt sie der Hochzeit zu und begibt sich so in Lebensgefahr.

Sex und Rock'n'Roll - Rowan Joffe transportiert die Handlung von Graham Greenes Vorlage ins Jahr 1964 und setzt eher auf soziokulturelle Aspekte als auf film noir.
Nach John Boulting 1947 hat nun Rowan Joffe, Drehbuchautor von "The American" und "28 Tage später", "Brighton Rock", den wohl berühmtesten Roman von Graham Greene - ursprünglich von diesem als Drehbuch angelegt - für die Leinwand adaptiert. Richard Attenborough spielte in der Urfassung den gewalttätigen Kleinganoven Pinkie Brown, ein Part, der ihn über Nacht zum Star machte. In dessen Fußstapfen tritt Sam Riley ("Control"), als angry young man, der alles daran setzt, um zum großen Capo aufzusteigen.
Von den späten 1930ern ins Jahr 1964 hat Joffe die Handlung verlegt, Mods und Rocker liefern sich im (einst) beschaulichen englischen Seebad wüste Schlägereien. Die wegweisende Rockband The Who formiert sich - ihr Konzeptalbum "Quadrophenia" wird 1973 von den wilden Tagen in Brighton berichten -, hemdsärmelige Arbeiterklasse-Gangster wie die Kray-Zwillinge beherrschen die Schlagzeilen. Im Zuge eines Revierkriegs hat Pinkie einen Mann ermordet, Kellnerin Rose ist im Besitz eines Fotos, das ihn der Tat überführen könnte. Um sie zum Schweigen zu bringen, macht Pinkie ihr einen Heiratsantrag. Verliebt und begierig ihrem trostlosen Leben zu entfliehen, stimmt sie einer Hochzeit zu.
Nicht als Opfer zeichnet der Regisseur und Drehbuchautor seine Heldin, sondern als moderne Frau, die ihr Schicksal in die eigenen Hand nimmt. Dem Gatten stiehlt sie Geld, um sich ein modisches Outfit kaufen zu können und nicht mehr wie ein Mauerblümchen auszusehen. Das britische Nachwuchstalent Andrea Riseborough ("Happy-Go-Lucky") füllt diese Rolle mit Leben, ist ebenso verletzlich wie stark und hinterlässt neben Helen Mirren den nachhaltigsten Eindruck. Die Oscar-prämierte "Queen" spielt deren Arbeitsgeberin Ida, eine durchsetzungskräftige, selbstbestimmte Teestubenbesitzerin, die sieht wie Rose ins Unglück rennt und (vergeblich) versucht, die drohende Katastrophe abzuwenden.
War das Original noch knallharter film noir, interessiert sich Joffe eher für den soziokulturellen Aspekt des Stoffes, für die Gesellschaft im Umbruch. Alte Hierarchien werden aufgeweicht, die Jugend erhebt die Stimme, die Frauen streben nach Gleichberechtigung - so zahlt Ida, nicht ihr hartnäckiger Verehrer Phil (knorrig-elegant: John Hurt), das Luxushotelzimmer für die Liebesnacht. Wie bei Greene geht es auch hier um Schuld und Sühne - wobei die zentralen katholischen Motive der Vorlage in den Hintergrund treten -, um bedingungslose Liebe, um Verrat, Tod und Erlösung.
Eine Klasse für sich ist Kameramann John Mathieson ("Gladiator"), der mit alten 35-mm-Optiken arbeitet und die weißen Klippen von Sussex und das Brighton Pier zum Strahlen bringt, bestechend - weil fast unsichtbar - die CGI-Effekte der schwedischen Firma Filmgate. "Brighton Rock" ist wie die namensgebende Süßigkeit hart, verlockend und süß, eine insgesamt packende, eigenständige Literaturverfilmung, der man nur etwas mehr Budget gewünscht hätte - am uneinheitlichen Produktionsdesign musste sichtbar gespart werden. geh.
| Darsteller: | Sam Riley | als Pinkie | |
|---|---|---|---|
| Andrea Riseborough | als Rose | ||
| Helen Mirren | als Ida | ||
| John Hurt | als Phil Corkery | ||
| Philip Davis | als Spicer | ||
| Nonso Anozie | als Dallow | ||
| Craig Parkinson | als Cubitt | ||
| Andy Serkis | als Colleoni | ||
| Sean Harris | als Hale | ||
| Geoff Bell | als Kite | ||
| Steven Robertson | als Crab | ||
| Maurice Roeves | als Chief Inspector | ||
| Steve Evets | als Mr. Wilson | ||
| Francis Magee | als Pavement Photographer | ||
| Adrian Schiller | als Registrar | ||
| Regie: | Rowan Joffe | ||
| Drehbuch: | Rowan Joffe | ||
| Produzent: | Paul Webster | ||
| Ausf. Produzent: | Jenny Borgars | ||
| Will Clarke | |||
| Jamie Laurenson | |||
| Olivier Courson | |||
| Buchvorlage: | Graham Greene | ||
| Kamera: | John Mathieson | ||
| Schnitt: | Joe Walker | ||
| Musik: | Martin Phipps | ||
| Produktionsdesign: | James Merifield | ||
| Casting: | Shaheen Baig | ||
Die ersten beiden Drehbuchprojekte von Rowan Joffé, Sohn des britischen Regisseurs Roland Joffé, wurden in Edinburgh mit dem Best New British Feature Award ausgezeichnet. Nun liefert er mit "Brighton Rock" sein Kinoregiedebüt ab.
Mods auf den Spuren von "Quadrophenia" im Remake des Klassikers "Brighton Rock" von Rowan Joffé (Foto: Kinowelt)
Ein Remake des britischen Klassikers "Brighton Rock" zu wagen, ist mutig.
Ich hatte zunächst nicht John Boultings Film im Sinn, sondern war nur ein Riesenfan von Graham Greenes Roman. Ich mag den Film, aber er trifft meiner Ansicht nach das Herz der Geschichte nicht. Mir fehlt der Greene'sche Twist, der den Krimiplot zu etwas Größerem, Existenziellerem macht.
Sie haben in Ihren Film also wieder mehr Graham Greene hineingebracht?
Ich hoffe es. Ich habe mir beim Drehen immer wieder gedacht: Was würde Greene hier machen? Wie würde er die Szenen auflösen? Er war ja ein riesiger Kinofan und Filmkritiker und hat den ersten Entwurf des Drehbuchs zu "Brighton Rock" auch selbst geschrieben. Ich habe versucht, möglichst ideal zu besetzen, mit Schauspielern, die Greene gefallen hätten.
Da kommt einem Helen Mirren als Ida Arnold in den Sinn.
Ja! War sie nicht wunderbar? Ohne Helen Mirren hätte ich den Film nicht finanziert bekommen. Sie brachte eine Menge Ideen in ihren Part mit ein. Ich sah sie als Art sexy Mae West, sie sich eher als temperamentvoller Rotschopf. Ich bin froh, dass sie sich durchgesetzt hat - auch wenn ich später von ihrem Mann Taylor Hackford erfuhr, dass sie bereits seit 25 Jahren eine Rothaarige spielen möchte.
Großartig schlägt sich Sam Riley als Pinkie. Sie haben seine Figur aber dunkler angelegt. Warum?
Ich wollte, dass man gleich sieht, was dieser Pinkie für ein Typ ist. Rücksichtslos, hart, geldgierig. So ist er auch ein besserer Kontrast zu Rose. Trotzdem entscheidet sie sich für ihn. Er ist ihr Ticket zu einem neuen Leben. Außerdem: Wann darf man schon einen wirklich diabolischen Antihelden spielen so wie Sam Riley?
Ihr dritte Hauptdarstellerin, Andrea Riseborough sprang ein, als Carey Mulligan ausstieg.
Ich hatte wirklich Glück und habe dadurch viel übers Filmgeschäft gelernt. Nämlich, dass nichts sicher ist, bevor der fertige Film auf der Leinwand ist. Es war überhaupt sehr schwierig, diesen Film auf die Beine zu stellen. Das Budget war zu knapp, die Drehzeit zu kurz.
Was hat Sie denn bewogen, den Film in den Sechzigerjahren anzusiedeln? Historische Settings treiben die Kosten in die Höhe.
Ich wollte, dass ein junges, zeitgenössisches Publikum sich mit dem Film und seinen Figuren identifizieren kann, mit diesen Peergroups, die es auch heute gibt. Im Film sind's die Mods und Rocker, die The Who in "Quadrophenia" besingen. Das war die spannende Zeit, als die Jugendkultur entstand, die Kinder sich gegen ihre Eltern wandten, andere Vorbilder suchten und rebellierten.
Imposant ist die Szene, in der die Motorräder und Vespas in Brighton einfahren. War das die am schwierigsten zu realisierende Sequenz?
Absolut. Ich hatte Dutzende von Skizzen angefertigt, die aber niemand außer mir verstand. Wir drehten also einfach wild drauf los, und es sieht auf der Leinwand wirklich klasse aus. John Mathieson war mein Kameramann. Ihn bringt nichts aus der Ruhe. Ich habe ihm all diese tollen Bilder zu verdanken. Haben Sie die weißen Klippen von Dover schon mal so gesehen wie bei uns?
Sie haben die schwierige Finanzierung angesprochen. Wäre es eine Option, in die USA zu gehen?
Sicher wäre es eine Option, viele britische Regisseure tun dies. Aber wir haben in England noch BBC Films und Studio Canal, die Filme durchfinanzieren können, nicht mit Riesenbudgets, aber immerhin. Ich bin der Meinung, dass man in Großbritannien bleiben und englische Filme drehen sollte. Die Kinovielfalt muss erhalten bleiben, man muss dem amerikanischen Film etwas entgegensetzen - und das hat nicht nur etwas mit Geld zu tun.
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