Aufstieg und Fall eines männlichen Pornostars zwischen Lust for Life und Destruktion. http://images.kino.de/flbilder/max02/mbiz02/mbiz30/z0230115/b150x150.jpg Boogie Nights

Filmdetails

Boogie Nights

Aufstieg und Fall eines männlichen Pornostars zwischen Lust for Life und Destruktion.


Boogie Nights
Start: 04.06.1998

Drama / Komödie

USA 1997
Laufzeit: 154 Min.
FSK: ab 16 Jahre

Mark Wahlberg
Burt Reynolds
Julianne Moore

Regie: Paul Thomas Anderson
Verleih: Arthaus

So werten die bisherigen Besucher:

Gesamt
(0 Bewertungen)

Action
Humor
Romantik
Spannung
Anspruch
Besucheransturm: lau
Besucher-
ansturm

Temperatur

lau

Inhalt

In einer Kneipe entdeckt Profi-Pornofilmer Jack Horner in Pickelgesicht Eddie ein neues Talent, das er fortan in seinen Filmen fördert. Eddie, inzwischen als Dirk Diggler Star der Porno-Szene, wird auch Teil der Horner-Familie, zu der Porno-Diva Amber, Rollergirl und andere gehören. Als Jack ein neues Talent findet, stürzt Dirk ab - in Drogen, Prostitution und Gelegenheitsverbrechen.


Kritik

Boogie Nights

Das amerikanische Kino ist um einen aufregenden, visionären Filmemacher reicher. Mit seinem gerademal zweiten Film gelang dem 27jährigen Wunderkind Paul Thomas Anderson ein filmischer Molotow-Cocktail von überschäumender und mitreißender Energie, der Vergleiche mit Martin Scorsese und Quentin Tarantino herausfordert - und standhält. In einem zweieinhalbstündigen Parforce-Ritt über Aufstieg und Fall eines männlichen Pornostars streift Anderson in einer Parabel auf die Filmindustrie und das Leben in Amerika im Allgemeinen mit traumwandlerischer Sicherheit durch die späten 70er und frühen 80er Jahre und läßt überbordenden Witz und Lust for Life auf eine Welt voller Gewalt und Destruktivität prallen. Eine Leistung, für die sich "Boogie Nights" schon jetzt Hoffnungen auf einen warmen Oscar-Regen machen darf.

Ein furioser Schwenk, ähnlich Michael Ballhaus' berühmter Kamerafahrt in "GoodFellas", eröffnet das Spektakel, das allerdings Scorseses erstem persönlichen Film "Hexenkessel" deutlich näher steht. Ohne Schnitt hangelt sich Robert Elswits brillante Widescreen-Kamera vom "Boogie Nights"-Schriftzug über eine befahrene Straße im San Fernando Valley in eine brodelnde Disco - ein Hexenkessel für sich - und umkurvt zu den ekstatischen Klängen von "Best of My Life" alle Hauptfiguren dieser Moritat über den Zusammenhang von Tits & Ass und Kapitalismus. Da ist das blonde Nymphchen Rollergirl (Heather Graham), das mit Vorliebe die Hüllen fallen läßt, aber nie seine Rollschuhe ablegt, Pornostar Amber Waves (Julianne Moore), die sich als Übermutter aller jungen Darsteller ihrer Truppe annimmt, Jack Horner (Burt Reynolds mit seiner besten Schauspielleistung seit "Beim Sterben ist jeder der Erste"), ein Spezialist für "exotische Filme", der davon träumt, Qualitätsfilme zu drehen, die das Publikum auch über den letzten Orgasmus hinaus an den Kinositz fesseln. Und schließlich ist da noch das 17jährige Pickelgesicht Eddie Adams (Mark Wahlberg auf Superstarkurs!), das vor dem heimischen Spiegel Bruce Lees Kung-Fu-Tricks übt und einzig auf sein eines, herausragendes Talent setzt. Ein Talent, auf das Regisseur Horner mit geübtem Blick aufmerksam wird, auch wenn es sich hinter knallengen Jeans verbirgt: Eddie verfügt aber nicht nur über Größe, sondern kann auch wann er will und so oft er will - das A und O für eine steile Karriere im Pornobusiness, die Eddie nach der Metamorphose zu Dirk Diggler als Mitglied von Horners schräger Familie einschlägt. Anderson folgt ihr in unglaublichen Szenen durch die Jahre, eine schier endlose Poolparty unter kalifornischer Sonne, die von dem Filmemacher mit einer Reihe unvergeßlicher Figuren bevölkert wird, die allesamt so spannend und unterhaltsam sind, daß sie eigene Filme tragen könnten. Im Mittelpunkt steht allerdings - wie schon in Andersons Erstling, dem Cannes-Beitrag "Last Exit Reno" (in Deutschland ab Januar als Videopremiere auf dem Markt) - eine ungewöhnliche Vater-Sohn-Beziehung, hier zwischen dem Träumer Horner und seinem Zögling Eddie.

Als Anderson den 70ern buchstäblich das Licht ausbläst und die 80er ihr häßliches Haupt regen läßt, folgt der Absturz: nach dem endlosen Kokain-High der hedonistischen Disco-Ära hält die eiskalte Yuppie-Ära und mit ihr Größenwahn und Kopfschmerz Einzug, die Eddie von seinem Mentor entfremdet. Ein wenig schematisch, aber doch nie klischeehaft erzählt Anderson vom schmerzhaften Erwachen und Eddies verzweifelten und komischen Versuchen, als Strichjunge, Van-Halen-artiger Rockstar (die Sequenz ist unbezahlbar - "Feel the Heat"!) und Kleinspurdealer wieder Fuß zu fassen, bis er in dieser Geschichte vom verlorenen Sohn von Horner in Gnaden wieder aufgenommen wird und sein sagenumwobenes Talent in der schon jetzt klassischen letzten Szene des Films endlich auspacken darf.

Aber Sex ist nicht das Thema von "Boogie Nights", in dem das Pornobusiness weder verdammt noch glorifiziert wird. Für Anderson ist diese Szene von Freaks und schrillen Figuren einfach das Sammelbecken für eine Reihe unkonventioneller Charaktere, die sich zu einer tragikomischen Familie zusammenfinden, schneller, intensiver und extremer leben als die Masse und voller erzählenswerter Geschichten stecken. Entsprechend viel Freiraum gibt Anderson seinem begnadeten Ensemble in seinen großzügigen Bildkompositionen. Weil er den Rhythmus des Films seinen faszinierenden Figuren anpaßt und nicht, wie üblich, umgekehrt, erwachen sie geradezu plastisch zum Leben. Und "Boogie Nights" ist nicht nur deswegen so meisterlich, weil Anderson nahezu zehn Jahre pralles menschliches Drama in seine wunderliche Kreation packt, sondern weil dieser wilde, rastlose und häufig undisziplinerte Film auch dann interessant bleibt, wenn ihm sein ansonsten perfektes Feingefühl entgleitet. Dafür sorgen nicht zuletzt die Schauspieler, die allesamt auf der Höhe ihrer Kunst spielen und bei der nächsten Oscar-Vergabe erst einmal geschlagen werden wollen. Vor allem aber macht diese Annäherung an eine vermeintlich oberflächliche Ära, die aus dem prallen Leben schöpft wie kein anderer amerikanischer Film in diesem Jahr, unbändig viel Spaß, ohne daß er sich anmaßt, klüger zu sein als sein Publikum. Dieser Trip ist orgiastischer als es ein Jack-Horner-Film je sein könnte. ts.

Boogie Nights

Darsteller:  Mark Wahlberg   als Eddie Adams/Dirk Diggler
  Burt Reynolds   als Jack Horner
  Julianne Moore   als Amber Waves
  John C. Reilly   als Reed Rotchild
  Don Cheadle   als Buck Swope
  Heather Graham   als Rollergirl
  Luis Guzmán   als Maurice T. Rodriguez
  Philip Seymour Hoffman   als Scotty
  William H. Macy   als Little Bill
  Alfred Molina   als Rahad Jackson
  Philip Baker Hall   als Floyd Gondolli
  Robert Ridgely   als The Colonel
 
Regie:  Paul Thomas Anderson  
Drehbuch:  Paul Thomas Anderson  
Produzent:  Lloyd Levin  
  Paul Thomas Anderson  
  John Lyons  
  JoAnne Sellar  
Koproduzent:  Daniel Lupi  
Ausf. Produzent:  Lawrence Gordon  
Kamera:  Robert Elswit  
Schnitt:  Dylan Tichenor  
Musik:  Michael Penn  
Produktionsdesign:  Bob Ziembicki  
  Ted Berner  
Kostüme:  Mark Bridges  
Ton:  Stephen Halbert  

"Das wäre eine Katastrophe"

Als hilfloser Vater, der den Mörder seiner Tochter kennt, ihm aber nichts nachweisen kann, ist Mark Wahlberg einmal mehr eine schauspielerische Sensation. Der Mime über die bildstarke Romanverfilmung "In meinem Himmel" von Regie-Genie Peter Jackson.

Großansicht Im Film ebenso fassungslos wie privat: Mark Wahlberg als leidender Vater in der Bestsellerverfilmung "In meinem Himmel" (Foto: Paramount)

Im Film ebenso fassungslos wie privat: Mark Wahlberg als leidender Vater in der Bestsellerverfilmung "In meinem Himmel" (Foto: Paramount)

Wie arbeit es sich mit einer Kino-Größe wie Peter Jackson?
MARK WAHLBERG: Peter ist ein lieber Kerl. Und er ist ein Genie. Es hat mir Riesenspaß bereitet, mit ihm zu arbeiten. Alles fiel ganz leicht, fast schon ZU leicht. Er ist ein Typ, den man einfach mögen muss. Er nimmt alles ganz locker, aber ist offensichtlich brillant. Absolut brillant und ein lieber Kerl. Ich wollte immer schon mit ihm arbeiten. Und dann erhielt ich die Gelegenheit zu einer ungünstigen Zeit, weil ich gerade erst den Dreh zu einem anderen Film abgeschlossen hatte.

Welcher Film war das?
Ein Film mit M. Night Shyamalan ("The Happening", d. Red.). Ich war gerade aus Pennsylvania zurückgekehrt. Ich war gerade nach Hause gekommen und erhielt einen Anruf, ich solle schnellstmöglich wieder nach Pennsylvania kommen. Ich war völlig vor den Kopf gestoßen und fragte: "Was soll das bedeuten?" Dann sagte man mir, dass Peter Jackson wollte, dass ich in "In meinem Himmel" eine Hauptrolle spiele. Ich las sofort das Drehbuch und war begeistert. Ich rief zurück und fragte: "Wann soll es losgehen? Morgen? Oh wow..." Weil ich unbedingt mit Peter arbeiten wollte, wusste ich in diesem Moment, dass ich dabei sein würde. Ich wusste nur nicht, wie ich es meiner Frau beibringen sollte. Sie sagte nur: "Keine Chance!".

Die Rolle des Jack Salmon ist ganz schön finster - er ist ein Mann, der geradezu besessen ist von seiner Trauer ...
Man muss einfach bereit sein, diesen finsteren Ort in sich selbst aufzusuchen. Dann zählt man die Tage, bis es vorbei ist und bis man sein eigenes Leben zurückbekommt. Manchmal kam ich nach der Arbeit nach Hause, umarmte meine Tochter und drückte sie ganz fest an mich. Ich war emotional völlig aufgewühlt, und sie wollte einfach nur spielen, weil sie natürlich nicht verstehen konnte, warum ich sie so fest hielt. Der Dreh war eine sehr düstere und emotionale Erfahrung. So sehr ich es genossen habe, mit Peter und den anderen Kollegen zu arbeiten, war ich doch heilfroh, als es wieder vorbei war.

Sie sind mittlerweile selbst Vater. Hatte das Einfluss auf ihrer Darstellung des Jack Salmon?
Sicher. Hätte ich diese Rolle vor ein paar Jahren gespielt, wäre das ganz anders gewesen. Bevor ich selber Kinder hatte, konnte ich mir nur vorstellen, was es heißt, ein Elternteil zu sein. Ich habe 13 Neffen und Nichten, die ich über alles liebe. Da haben mir schon alle gesagt: "Du kannst das nicht verstehen. Wenn man selbst Kinder hat, ist es ganz anders." Aber ich dachte, ich hätte den Bogen raus: "Ich bin smart, ich kapier's." Die Wahrheit ist: Es IST anders. Ich liebe meine Neffen und Nichten, aber das lässt sich nicht im Geringsten mit der Liebe zu den eigenen Kindern vergleichen. Für diese Rolle, in der ich auch eine Tochter habe, ist es entscheidend, einen Vergleichspunkt zu haben.

Bilder zu "In meinem Himmel"

Fotos ansehen

Glauben Sie, dass die Eltern im Kino ebenfalls anders auf den Film reagieren als Zuschauer, die keine Kinder haben?
Nun, ein paar meiner Freunde haben sich den Film angesehen. Einer von ihnen hat eine Tochter, der andere hat keine Kinder. Der ohne Kinder sagte nach der Vorführung: "Toller Film, ich fand ihn super, umwerfend." Und der mit der Tochter war ebenfalls begeistert, aber seine Reaktion war eine andere. Er war emotional überwältigt, weil er die Gefühle Jacks nicht nur versteht, sondern auch nachvollziehen kann. Er versteht - und mir geht es genauso - wie unfassbar schrecklich und katastrophal so eine Erfahrung wäre. Man wagt nicht einmal daran zu denken.

Wie hat sich Ihr Leben verändert, seitdem Sie Vater geworden sind?
Es hat sich drastisch verändert. Aber ich bin begeistert. Ich war auch bereit, zur Ruhe zu kommen. Tatsächlich bin ich froh, nicht schon Vater geworden zu sein, bevor ich bereit dafür war. Keine Ahnung, was dann passiert wäre. Ich habe Freunde in meinem Alter, die bereits Großeltern werden. Ein Freund von mir wurde mit 35 Großvater! Für mich ist alles bestens gelaufen. Ich war bereit, Vater zu werden, und ich habe die Frau getroffen, die ich liebe.

Beeinflusst das die beruflichen Entscheidungen, die sie treffen? Sie haben einmal erwähnt, nicht länger und weiter weg von Zuhause sein zu wollen als unbedingt nötig ...
Das ist richtig. Aber ich wähle auch mein Material anders aus als früher. Ich könnte nicht wirklich sagen, ob ich einen Film wie "Boogie Nights" machen würde, wenn mir das Drehbuch heute auf den Tisch flattern würde. Es ist ein großartiger Film, aber das waren andere Zeiten. Aber es ist ein Film, den ich gemacht habe und den ich eines Tages meinen Kindern erklären müssen werde. Aber über diese Brücke gehe ich halt, wenn es soweit ist. Aber sicher, meine Familie beeinflusst die Art von Filmen, die ich heute machen will, und die Dinge, die ich erledigen will und hinter denen mein Name stehen soll.

Star

Mark Wahlberg

Mit Buddy George Clooney steht er gern vor der Kamera, als Rapper wurde er bekannt, für Wolfgang Petersen ging er in einem Jahrhundertsturm...

Star

Burt Reynolds

Ein ausfaltbares Aktfoto in der Zeitschrift "Cosmopolitan" brachte 1971 dem ehemaligen Footballspieler Burt Reynolds, jene Aufmerksamkeit,...

Top-Filme der Woche

  • Men in Black 3

    Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.

  • LOL

    Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.

 

treffpunkt kino kompakt

In der aktuellen Ausgabe: Die große Preview zu "Ice Age - Voll verschoben" und der erste Trailer zu "Skyfall"!

Zum Magazin

Das multimediale Kinomagazin jede Woche kostenlos per Mail - jetzt registrieren!

GO

Ähnliche Filme auf DVD & Blu-ray

 

Service

kino.de mobil

kino.de mobil

Das aktuelle Programm Ihres Lieblingskinos haben Sie überall dabei - kostenlos auf Ihrem Handy.