Regie: Andres Veiel
Verleih: X Verleih
Alfred Herrhausen, Top-Manager der Deutschen Bank, Inbegriff von Macht und Wohlstand fällt 1989 einem Attentat der RAF zum Opfer. Wolfgang Grams wird vom RAF-Sympathisant zum aktiven Mitglied und Freund von Terroristin Birgit Hogefeld. 1993 - kurz vor seiner Verhaftung stirbt er - auf ungeklärte Weise - am Bahnhof von Bad Kleinen.

Ein wahres Meisterstück in Sachen Dokumentarfilm bringt der emsige X Verleih, der sich zuletzt für Michael Kliers "Heidi M." engagierte, nun in die Kinos. Zwar dürfte ein Kassen-Erfolg wie mit Wim Wenders' Musik-Doku "Buena Vista Social Club" ausgeschlossen sein. Dennoch wird "Black Box BRD", Andreas Veiels vielschichtiges Doppel-Porträt des Deutsche-Bank-Sprechers Alfred Herrhausen sowie des RAF-Terroristen Wolfgang Grams, für jede Menge Interesse und Diskussionsstoff sorgen.
Talking Heads - sprechende Köpfe, so lautet das denkbar einfache Prinzip des aus Stuttgart stammenden, 41-jährigen Filmemachers Andreas Veiel, der schon vor fünf Jahren mit "Die Überlebenden", dem etwas anderen Porträt eines Klassentreffens, auf sich aufmerksam machen konnte. In "Black Box BRD" beschäftigt er sich mit zwei Personen wie sie nicht unterschiedlicher sein könnten: Zum einen Alfred Herrhausen, Top-Manager der Deutschen Bank, Inbegriff von Macht und Wohlstand, der 1989 einem Attentat der RAF zum Opfer fiel; zum anderen Wolfgang Grams, erst RAF-Sympathisant, dann Mitglied, Freund von Terroristin Birgit Hogefeld und 1993 - kurz vor seiner Verhaftung am Bahnhof von Bad Kleinen - auf ungeklärte Weise ums Leben gekommen. Veiel lässt Eltern, Bruder und Freunde von Wolfgang Grams ebenso zu Wort kommen wie die Witwe von Herrhausen sowie Freunde und Kollegen. Dadurch entsteht das weitgehend authentische Bild zweier Menschen wie Du und ich. Es wird aber auch klar, was sie zu jenem Individuum gemacht hat, zu dem sie geworden und für das sie gestorben sind.
Die Schlüsselposition dieser Dokumentation kommt zweifelsohne Herrhausens Witwe Traudl zu. Sie schildert nicht nur in einem der bewegendsten Momente minutiös die tragischen Ereignisse jenes 30. November 1989, sie verschaffte Veiel auch Zugang zur Chef-Etage der Deutschen Bank und somit die Möglichkeit zu Interviews mit Vorstandsmitgliedern. Was "Black Box BRD" zudem auszeichnet, ist der wohltuend zurückhaltende Stil des Autors/Regisseurs, der Verzicht auf überflüssige Texttafeln und damit die Konzentration auf das Wesentliche sowie der schwierige Versuch, alles Wertende, alles Subjektive möglichst auszublenden. Schließlich outet sich Andreas Veiel als ebenso ausgezeichneter Zuhörer wie einst Marcel Ophüls in dessen Meilenstein der Entlarvung, "Hotel Terminus". Dadurch erreicht er, dass seine Interviewpartner oft weit mehr von sich preisgeben als ihnen lieb ist. Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass ein Dokumentarfilm spannender, aufregender und auch unglaublicher sein kann als so mancher Krimi, Thriller oder Science fiction. lasso.
| Regie: | Andres Veiel | ||
|---|---|---|---|
| Drehbuch: | Andres Veiel | ||
| Produzent: | Thomas Kufus | ||
| Kamera: | Jörg Jeshel | ||
| Schnitt: | Katja Dringenberg | ||
| Musik: | Jan Tilman Schade | ||
| Ton: | Paul Oberle | ||
Auch das Publikum kann Preise vergeben: Die diesjährigen Kandidaten für den Deutschen Filmpreis.
Minister Julian Nida-Rümelin, der aus seiner Vorliebe für die deutsche Kinokultur kein Hehl macht, gab am Freitag den 19. April im Berliner Hotel Adlon die Nominierungen bekannt. Durch den Abend führte die Leipziger Darstellerin Manon Straché.
Der kürzlich verstorbene Billy Wilder wurde von Journalist und Schriftsteller Hellmuth Karasek und von Regisseur Volker Schlöndorff mit einem persönlichen Nachruf bedacht.
Ganz heiß - der Publikumspreis: Am 26. April startet das Gewinnspiel um die beiden Auszeichnungen "Deutscher Kinofilm des Jahres" und "Schauspielerin bzw. Schauspieler des Jahres". Einsendeschluss ist der 1. Juni 2002, mitmachen kann man unter www.deutscherfilmpreis.de.
Die Nominierungen
Bester Spielfilm: "Bella Martha", "Halbe Treppe", "Heaven", "Nirgendwo in Afrika", "Das weiße Rauschen" und "Wie Feuer und Flamme".
Bester Dokumentarfilm: "Black Box BRD", "A woman and a half - Hildegard Knef"
Bester Kinder- und Jugendfilm: "Hilfe, ich bin ein Fisch", "Das Sams"
Beste Hauptdarstellerin: Karoline Eichhorn für "Der Felsen", Martina Gedeck für "Bella Martha", Juliane Köhler für "Nirgendwo in Afrika"
Bester Hauptdarsteller: Daniel Brühl für "Nichts bereuen", "Das weiße Rauschen" und "Vaya con dios". Ulrich Noethen für "Das Sams". Antonio Wannek für "Der Felsen" und "Wie Feuer und Flamme".
Beste Nebendarstellerin: Anabelle Lachatte für "Das weiße Rauschen", Eva Mattes für "Das Sams". Marie-Lou Sellem für "Mein Bruder, der Vampir", " Nichts bereuen" und "Hilfe, ich bin ein Junge!".
Bester Nebendarsteller: Martin Feifel für "Was tun, wenn's brennt?", Remo Girone für "Heaven" und Matthias Habich für "Nirgendwo in Afrika"
Beste Regie: Andreas Dresen für "Halbe Treppe", Dominik Graf für "Der Felsen" und Caroline Link für "Nirgendwo in Afrika".
2,815 Millionen Euro stehen gesamt als Prämien für die 16 Preise aus - 10.000 davon gehen sicher an Michael "Bully" Herbig für "Der Schuh des Manitu": Er wird für seinen Erfolg mit einem Sonderpreis der Jury geehrt, dem Filmpreis in Gold.
Die 52. Verleihung des Deutschen Filmpreises findet am 14. Juni 2002 im Berliner Tempodrom am Anhalter Bahnhof statt. Die Zusammenfassung der Gala zur Verleihung des Deutschen Filmpreises wird am 16. Juni 2002 von Sat.1 um 20.15 Uhr ausgestrahlt.
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.