Die Poetische Liebesgeschichte aus der Spätphase der chinesischen Kulturrevolution beschwört die Kraft der Literatur und Poesie. http://images.kino.de/flbilder/max03/mbiz03/mbiz46/z0346411/b150x150.jpg Balzac und die kleine chinesische Schneiderin

Filmdetails

Balzac und die kleine chinesische Schneiderin

Die Poetische Liebesgeschichte aus der Spätphase der chinesischen Kulturrevolution beschwört die Kraft der Literatur und Poesie.


Balzac und die kleine chinesische Schneiderin
Start: 25.12.2003

Originaltitel: Balzac et la petite tailleuse chinoise

Drama

Frankreich 2002
Laufzeit: 111 Min.
FSK: o.A. (ohne Altersbeschränkung)

Zhou Xun
Chen Kun
Liu Ye

Regie: Dai Sijie
Verleih: Schwarz-Weiss

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Inhalt

In den frühen 70ern feiert die Jugend der westlichen Welt neue Freiheiten. Doch im China der späten, aber immer noch omnipräsenten Kulturrevolution müssen zwei junge Männer büßen, dass sie Söhne unbequemer Intellektueller sind: In ländlicher Provinz unter Ausschluss aller Vergnügungen leisten sie Erntehilfe bis zum Erbrechen. Für Abwechslung sorgt die junge Seamstress, stolze Besitzerin einer ganzen Kiste verbotener Westliteratur und leider Analphabetin. Ein für beide Seiten fruchtbares Joint Venture nimmt seinen Lauf.

Eigene Erinnerungen an seine Jugend im Maoismus verarbeitet der heute in Frankreich lebende, chinesische Regisseur Dai Sijie in diesem vor prachtvollen Landschaftskulissen mit augenzwinkerndem Humor inszenierten romantischen Drama.


Kritik

Die Poetische Liebesgeschichte aus der Spätphase der chinesischen Kulturrevolution beschwört die Kraft der Literatur und Poesie.

Großansicht Luo hat das Herz der kleinen chinesischen Schneiderin erobert (Foto: Schwarz-Weiss)

Luo hat das Herz der kleinen chinesischen Schneiderin erobert (Foto: Schwarz-Weiss)

China, 1971, kurz nach der Kulturrevolution. Als der 17-jährige Ma und der 18-jährige Luo zur "Entintellektualisierung" in einem einsamen Bergdorf landen, müssen sie zur geistigen und körperlichen Ertüchtigung in der Kupfermine und auf Feldern malochen.

Sie sind zwei von 20 Millionen, die diese "Umerziehung" durchmachen. Bücher gelten als Feind der Revolution, jegliche westliche Kultur als Dekadenz. Dennoch ist die Kunst der Strohhalm, an den sich die beiden klammern.

Die Lektüre verbotener europäischer Bücher macht ihnen das Leben etwas erträglicher. Bald verlieben sich die Jungs in die hübsche und wissbegierige "kleine Schneiderin", Luo gewinnt ihre Zuneigung durch intensives Vorlesen eines Balzac-Romans.

Großansicht Bücher sind die einzige Möglichkeit, um nicht völlig abzustumpfen (Foto: Schwarz-Weiss)

Bücher sind die einzige Möglichkeit, um nicht völlig abzustumpfen (Foto: Schwarz-Weiss)

Aus eigener Erfahrung

Vor atemberaubender Landschaftskulisse erzählt der heute in Frankreich lebende, chinesische Regisseur Dai Sijie nach seinem Bestseller über seine eigenen Erfahrungen eine poetische Liebesgeschichte aus der Spätphase der chinesischen Kulturrevolution.

Eine bewegende romantische Komödie, gespickt mit ironischen Verweisen auf die politischen Verhältnisse.

Balzac und die kleine chinesische Schneiderin

Darsteller:  Zhou Xun   als Kleine Schneiderin
  Chen Kun   als Luo Ming
  Liu Ye   als Ma Jianling
  Wang Shuangbao   als Der Brigadier/ Dorfvorsteher
  Cong Zhijun   als Der alte Schneider
  Wang Hongwei   als Vier-Auge
  Xiao Xiong   als Die Mutter von Vier-Auge
  Tang Zuohui   als Der alte Müller
  Chen Wei   als Die Frau des Brigadier
  Chen Tianlu   als Der Vorsitzende des Kreiskomitees
  Fan Qing-yun   als Der Arzt
  Su Wa   als Schwiegertochter
  Yang Dandan   als Madame Luo
 
Regie:  Dai Sijie  
Drehbuch:  Dai Sijie  
  Nadine Perront  
Produzent:  Lise Fayolle  
Ausf. Produzent:  Bernard Lorain  
  Wang Zhebin  
Buchvorlage:  Dai Sijie  
Kamera:  Jean-Marie Dreujou  
Schnitt:  Julia Gregory  
  Luc Barnier  
Musik:  Wang Pujian  
Produktionsdesign:  Cao Juiping  
Kostüme:  Tong Huamiao  
Ton:  Nicolas Naegelen  
  Wu Lala  
  Daniel Sobrino  

"Lesbische Liebe ist immer noch tabu"

Noch in den 80er-Jahren galt Homosexualität in China als Geisteskrankheit und auf entsprechende "Vergehen" stand die Todesstrafe. Vor diesem Hintergrund erzählt Dai Sijie nach dem Welterfolg "Balzac und die kleine chinesische Schneiderin" nun in "Die Töchter des chinesischen Gärtners" (Kinostart 28.6.) die Geschichte einer Liebe, die trotzdem keine Grenzen kennt.

Großansicht Wo die Liebe hinfällt, ist selbst die drohende Todesstrafe kein Hindernis (Foto: Universum (24 Bilder))

Wo die Liebe hinfällt, ist selbst die drohende Todesstrafe kein Hindernis (Foto: Universum (24 Bilder))

» Ihr Film zeigt viel nackte Haut. Das bedeutet für Filmemacher und Darstellerinnen aus China ein großes Risiko...

DAI SIJIE: Es sind ja eigentlich nur zwei oder drei Nacktszenen. Natürlich ist auch das für chinesische Verhältnisse sehr riskant. Die zwei jungen Frauen sind sich ihrer Homosexualität gar nicht bewusst, als sie sich treffen - sie sehnen sich einfach nach Liebe. Daher geht es in den Nacktszenen auch nicht so sehr um Erotik als um die Ästhetik einer starken Liebessehnsucht.

» Es gab jedenfalls in China seitens der Obrigkeit einigen Aufruhr um Ihren Film, was genau ist da vorgefallen?

Ich hatte mit Zhou Xun "Balzac und die kleine chinesische Schneiderin" gedreht. Ihr wurde nahegelegt, besser nicht in meinem neuen Film "Die Töchter des chinesischen Gärtners" mitzuwirken. Es ist nämlich so, dass das Thema Homosexualität in China schlicht verboten ist. Deswegen haben mir die chinesischen Behörden auch nicht erlaubt, dort zu drehen, es wäre ein Tabubruch gewesen. Also musste ich nach Vietnam ausweichen, um die passende Umgebung für die Szenen in der Natur und in den Gärten zu finden.

Großansicht Vollständig mit der Figur identifizieren: Dai Sijie mit Li Xiaoran am Set (Foto: Universum (24 Bilder))

Vollständig mit der Figur identifizieren: Dai Sijie mit Li Xiaoran am Set (Foto: Universum (24 Bilder))

» Ihre Hauptdarstellerinnen sprechen nicht dieselbe Sprache, da Mylène Jampanoi in Frankreich aufgewachsen ist. Wie hat sich das auf den Film ausgewirkt?

Der Film basiert auf einer Begebenheit, die sich tatsächlich in China zugetragen hat. Wir fanden in einer Tageszeitung eine Notiz unter der Rubrik "Vermischtes". Allerdings war dies die Geschichte zweier echter Chinesinnen.

Ich habe mich aber entschieden, das zweite Mädchen keine echte Chinesin sein zu lassen, sondern stattdessen eine Frau mit russischer Mutter und chinesischem Vater. Da ich seit über zwanzig Jahren in Frankreich lebe, kann ich mich leichter mit einer Person identifizieren, die einen solchen kulturellen Hintergrund hat. Und eine glaubhafte Figur entsteht nur in Einklang zwischen Regisseur und Schauspieler und zwischen den Darstellern selbst. Und das wiederum ist keine Frage der Sprache.

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