Originaltitel: Bal
Türkei/Deutschland 2010
Bora Altas
Tülin Özen
Erdal Besikçioglu
Regie: Semih Kaplanoglu
Verleih: Piffl
Zwischen Yusuf und seinem Vater Yakup herrscht ein inniges Verhältnis. Oft begleitet der Junge den Papa in die umliegenden Wälder, wo dieser wilden Honig sammelt. Doch die Ausbeute wird zunehmend magerer. Yakup sucht tiefer in den Bergen nach besseren Plätzen für seine Bienenvölker. Tagelang wartet Yusuf auf die Rückkehr des Vaters. Umsonst. Als Angst und Sorge um das Wohl Yakups zu groß werden, nimmt der Junge seinen Mut zusammen und beschließt, nach dem Vermissten zu suchen.

Das leise, suggestive und poetische türkische Drama um den sechsjährigen Yusuf in der Waldlandschaft Anatoliens ist würdiger Gewinner des Goldenen Bären 2010.
In der herrlichen Wald- und Gebirgslandschaft Zentral-Anatoliens, eine Gegend, in der wie in der Bibel Milch und Honig zu fließen scheinen, wächst der sechsjährige Yusuf in der Abgeschiedenheit eines Paradieses auf. Mit seinem Vater Yakub, der als Imker Bienenstöcke in den Baumkronen der Wälder aufstellt, erlebt Yusuf eine glückliche Zeit, bis der geliebte Vater eines Tages verschwindet. Es müssen diese Bilder reiner Poesie und entspannter Naturschönheit sein, die die Berlinale-Jury unter Werner Herzog bewog, den Goldenen Bären an das stille suggestive türkische Drama "Bal - Honig" zu verleihen, womit die Türkei erstmals seit 1964 ("Türkischer Sommer") wieder den Sieger des Festivals stellt.
Das humanistische Bilderkino von Regisseur und Autor Semih Kaplanoglu ist ein zwingender Gegenentwurf zur menschenfeindlichen Perspektive eines Lars von Trier ("Antichrist"), der in Wäldern nur Böses sieht, oder zu "Avatar", wo Natur nur als Utopie aufscheint. Kapanoglu erinnert an Wohltaten einer traumhaft eingefangenen Flora und Fauna, in der Yusuf nicht verloren ist, sondern aufgehoben. So schläft er auf der Suche nach dem Vater nachts allein ohne Angst im Spalt eines Baumstamms wie in einer Wiege. Oder er ist fasziniert von Rotwild, das ihn von der Arbeit mit dem Vater ablenkt.
Mit Minimaldialog, in langen ungeschnittenen Einstellungen, ohne Musik, aber mit außerordentlich präziser Tonmischung, fängt Kaplanoglu das agrarische Anatolien ein, so ein Volksfest mit Markt, auf dem Waren feilgeboten werden, als wäre Woodstock wahr geworden. Gedreht wurde im Nordosten nahe dem Schwarzen Meer. "Bal - Honig" ist Schlussteil der zeitlich rückwärts erzählten Trilogie um Yusuf, die mit "Yumurta - Ei" (2007) begann, als Yusuf anlässlich des Todes der Mutter in sein Heimatdorf zurückkehrt, und mit "Süt - Milch" (2008) fortgesetzt wurde, wo Yusuf mit der Mutter ums Überleben kämpft. Filmhistorisch ist die Yusuf-Trilogie das türkische Pendant zu Satyajit Rays indischer Trilogie "Apus Weg ins Leben". Er erinnert auch an Herzogs "Jeder für sich und Gott gegen alle", "Herz aus Stein" und "Stroszek", wo nie gesehene Landschaften eingefangen werden, und die Helden wie Yusuf, der in der Schule stottert und verlacht wird, soziale Außenseiter sind. Kapanoglu ist eine starke neue Stimme im Weltkino. ger.
| Darsteller: | Bora Altas | als Yusuf | |
|---|---|---|---|
| Tülin Özen | als Zehra | ||
| Erdal Besikçioglu | als Yakup | ||
| Alev Uçarer | |||
| Regie: | Semih Kaplanoglu | ||
| Drehbuch: | Semih Kaplanoglu | ||
| Orçun Köksal | |||
| Produzent: | Semih Kaplanoglu | ||
| Koproduzent: | Johannes Rexin | ||
| Bettina Brokemper | |||
| Kamera: | Baris Özbicer | ||
| Schnitt: | Ayhan Ergürsel | ||
| Susan Hande Güneri | |||
| Semih Kaplanoglu | |||
| Produktionsdesign: | Naz Erayda | ||
| Ton: | Matthias Haeb | ||
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