Originaltitel: Tower Heist
USA 2011
Ben Stiller
Eddie Murphy
Casey Affleck
Regie: Brett Ratner
Verleih: Universal
Arthur Shaw badet förmlich im Geld. Den Boden des Dachpools seines Hotelwolkenkratzers ziert das Konterfei Benjamin Franklins, das wiederum die 100-Dollar-Noten schmückt. Der Mann besitzt Millionen - und einen Ferrari, der einst Steve McQueen gehörte. All das hat sich der Wall-Street-Hai ergaunert und nebenbei seine Angestellten durch Fehlspekulationen um deren Ersparnisse gebracht. Das darf nicht sein, also beschließen sein geprellter Manager Kovacs mit ein paar Mitgeschädigten, den 20-Millionen-Dollar-Safe Shaws zu leeren - unter Anleitung des einschlägig erfahrenen Kleinganoven Slide.

"Rush Hour"-Regisseur Brett Ratner gibt wieder mal ordentlich Gas. Sein (Tower-)Heist-Movie besticht als stimmiger Mix aus Komödie, Actioner und Sozialmärchen.
Entspannt zieht Arthur Shaw (Alan Alda) im Dachpool seines am Central Park gelegenen Hotelwolkenkratzers seine Bahnen. Vom Boden des Beckens lächelt ihm Benjamin Franklin in Form einer gefliesten 100-Dollar-Note entgegen. Der Mann hat Geld - und scheut sich auch nicht, es zur Schau zu stellen. Zum Beispiel in Form eines Ferraris, der einst Steve McQueen gehörte und nun ein Zimmer seiner Penthouses ziert. "You're looking mean and lean today", "Sie sehen heute gemein und fit aus", grüßt ihn sein treuer Manager Josh Kovacs (Ben Stiller), der seit Jahren dafür sorgt, dass in der Luxusherberge alles wie am Schnürchen läuft. Die Finanzkrise, so scheint es, ist an Manchem spurlos vorübergegangen - und bald klärt Regisseur Brett Ratner auch darüber auf, wie so etwas geht: durch Veruntreuung. Wall-Street-Hai Shaw hat unter anderem die Ersparnisse seiner Angestellten verspekuliert, und behauptet nun, nachdem die Bundespolizei ihn verhaftet hat, selbst nichts mehr zu besitzen. Nur einen kleinen Notgroschen soll's geben, 20 Millionen Dollar - gebunkert im gut versteckten Penthousesafe. Nun sind die "Aushilfsgangster" um Mastermind Kovacs gefragt.
Zunächst stehen die Zeichen auf spritzige Komödie. Das Personal wird vorgestellt: Stiller in seiner Paraderolle als ewiger Underdog, der erstmals bereit ist, um sein Recht zu kämpfen. Als einschlägig erfahrenen Einbruchsspezialisten und Lehrer heuert er den Kleinkriminellen Slide - Eddie Murphy glänzt wie gewohnt mit schneller Klappe - an, zur Crew gehören unter anderem der vorlaute Liftboy (Michael Peña), ein gescheiterter Banker (Matthew Broderick), der rechnen kann, ein tölpeliger Concierge (Casey Affleck) und ein schwergewichtiges Zimmermädchen (Gabourey "Precious" Sidibe), die mit ins Team aufgenommen wird, weil ihr Vater Schlosser ist und ihr sein manuelles Geschick vererbt hat. Sind die Mitglieder des Team mit all ihren Marotten eingeführt, wechselt der Ton: (milder) Thriller ist angesagt.
Während der Labour Day Parade, Menschenmassen, Verkehrschaos und Riesenluftballons, die die Sicht versperren, findet der "Tower Heist" - so der Originaltitel -, der Raubzug statt. Die Action kippt von der Horizontalen in die Vertikale. Die Luxuskarosse erweist sich als noch wertvoller als angenommen, besteht sie doch aus massivem Gold. Via Fensterwaschkran soll sie abgeseilt werden. Hier standen wohl die artistischen Slapstickeinlagen Harold Lloyds Pate. Wie schon bei seinen "Rush Hour"-Abenteuern beweist Ratner, der sich hier sichtlich auch von seinen Erfahrungen als Produzent der Serie "Prison Break" inspirieren ließ, dass er etwas von Tempo und Timing versteht. Gut nutzen er und Kameramann Dante Spinotti die Locations im Big Apple, flott treibt Christophe Becks Score den Film voran, derweil der Regisseur beständig an der Spannungsschraube dreht und das FBI in Person der ebenso formschönen wie taffen Téa Leoni ins Spiel bringt - und mit ihr auch die Liebe. Ein letztes Mal kippt der Film, mutiert zum Sozialmärchen im Stile Frank Capras - und als Zuseher freut man sich drüber diebisch. Die Kleinen wischen den Großen eins aus - das perfekte Wirtschaftskrisenmärchen. geh.
| Darsteller: | Ben Stiller | als Josh Kovacs | |
|---|---|---|---|
| Eddie Murphy | als Slide | ||
| Casey Affleck | als Charlie Gibbs | ||
| Alan Alda | als Arthur Shaw | ||
| Matthew Broderick | als Mr. Fitzhugh | ||
| Stephen McKinley Henderson | als Lester | ||
| Judd Hirsch | als Mr. Simon | ||
| Téa Leoni | als Special Agent Claire Denham | ||
| Michael Peña | als Enrique Dev'Reaux | ||
| Gabourey Sidibe | als Odessa | ||
| Nina Arianda | als Miss Iovenko | ||
| Marcia Jean Kurtz | als Rose | ||
| Juan Carlos Hernandez | als Manuel | ||
| Harry O'Reilly | als Special Agent Dansk | ||
| Peter van Wagner | als Marty Klein, Esq. | ||
| Eljko Ivanek | als Director Mazin | ||
| Annika Pergament | als News Reporterin | ||
| Clem Cheung | als Kwan | ||
| Robert Downey Sr. | als Richter Ramos | ||
| Regie: | Brett Ratner | ||
| Drehbuch: | Bill Collage | ||
| Adam Cooper | |||
| Ted Griffin | |||
| Produzent: | Brian Grazer | ||
| Eddie Murphy | |||
| Ausf. Produzent: | Bill Carraro | ||
| Karen Kehela | |||
| Buchvorlage: | Ted Griffin | ||
| Kamera: | Dante Spinotti | ||
| Schnitt: | Mark Helfrich | ||
| Musik: | Christophe Beck | ||
| Produktionsdesign: | Kristi Zea | ||
| Kostüme: | Sarah Edwards | ||
| Casting: | Kathleen Chopin | ||
So kurz vor der Verleihung steht die Academy langsam vor einem echten Problem.
Jetzt geht die Suche von Neuem los. Eddie Murphy hat seinen Job als Moderator der Oscar-Gala hingeschmissen. Seinem freiwilligem Rücktritt vorausgegangen war der mehr oder minder freiwillige Abgang von Brett Ratner als Produzent der Preisverleihung. Weil sich der Regisseur in den vergangenen Tagen mehrere Verbalausfälle geleistet hatte, war in den USA ein Sturm der Entrüstung losgebrochen. Die Academy of Motion Picture Arts hatte Ratner daraufhin verwarnt. Am Dienstag zog er den Schlussstrich und gab seinen offiziellen Rücktritt bekannt.
Nur einen Tag später hat sich Eddie Murphy ihm angeschlossen. Befürchtet hatten diesen Schritt viele. Denn Ratner, mit dem Murphy zuletzt "Aushilfsgangster" gedreht hat, hatte den Hollywoodstar überhaupt erst an Bord gebracht. In einem Statement erklärte Murphy: "Ich verstehe die Entscheidungen der einzelnen Parteien absolut und ich unterstütze sie auch. Ich hatte mich wirklich darauf gefreut, ein Teil der Show zu sein, mit deren Entwicklung unser Produktionsteam gerade beginnen wollte. Aber ich bin sicher, dass das neue Team und der neue Moderator einen ebenso guten Job abliefern werden."
So freundlich die Pressemitteilung auch formuliert ist, so unerfreut war Murphy Berichten zufolge über den Weggang seines Freundes. Dennoch hatten verschiedene Academy-Mitglieder spekuliert, dass sich ihr Moderator nicht Hals über Kopf verabschieden würde. "Er muss dabei bleiben und mit dem neuen Produzenten arbeiten, ansonsten sieht es so aus, als würde er das Zeug bejahen, das Brett von sich gegeben hat", hieß es noch Dienstagnachmittag. Und weiter: "Er würde nicht gut dastehen, wenn er sich jetzt verabschiedet."
Hat er aber. Und jetzt muss sich die Academy schleunigst um Ersatz für die beiden vakanten Stellen kümmern. Das größere Problem wird dabei tatsächlich der Produzent sein, denn dieser Posten ist so kurz vor der Verleihung normalerweise gesichert.
Die Moderationsfrage hingegen war in den zurückliegenden Jahren immer bis kurz vor knapp unklar. Die Bekanntgabe des diesjährigen Teams, James Franco und Anne Hathaway, wurde erst drei Monate vor der Zeremonie verkündet. Bei Hugh Jackman, Oscar-Moderator im Jahr 2008, waren es nur zweieinhalb Monate. Wieder andere Gastgeber wurden erst Anfang Januar bekannt gegeben. Noch ist demnach Zeit, verliehen werden die Oscars erst am 26. Februar. Ob die Entscheidung der Academy allerdings auf Zuspruch treffen wird, ist die andere Frage.
UPDATE: Academy-Präsident Tom Sherak hat bekannt gegeben, dass Brian Grazer den ausgeschiedenen Brett Ratner als Produzent der Oscar-Verleihung ersetzt. Grazer produzierte auch "Aushilfsgangster", in dem Ratner als Regisseur seinen Hauptdarsteller Eddie Murphy inszeniert hat. Eine Rückkehr von Murphy als Moderator gilt trotzdem als unwahrscheinlich.
Brian Grazer hat als Produzent einen Oscar für "A Beautiful Mind" gewonnen und Werke wie "Apollo 13", die Kultserie "24", die Dan Brown-Verfilmungen oder "Robin Hood" auf dem Konto. Er zeigt sich begeistert über seine Ernennung: "Es ist sehr befriedigend, Teil einer Show zu sein, die außergewöhnliche Leistungen in einem Medium würdigt, dem ich den Großteil meines Berufslebens gewidmet habe", sagt Brian Grazer.
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