Zweiter Teil von Fatih Akins "Liebe, Tod und Teufel"-Trilogie, in dem Regisseur von "Gegen die Wand" von sechs Menschen erzählt, deren Leben sich auf schicksalhafte Weise verweben. http://images.kino.de/flbilder/max07/mbiz07/mbiz34/z0734544/b150x150.jpg Auf der anderen Seite

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Zweiter Teil von Fatih Akins "Liebe, Tod und Teufel"-Trilogie, in dem Regisseur von "Gegen die Wand" von sechs Menschen erzählt, deren Leben sich auf schicksalhafte Weise verweben.


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Start: 27.09.2007

Drama

Deutschland 2007
Laufzeit: 120 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Baki Davrak
Nursel Köse
Tuncel Kurtiz

Regie: Fatih Akin
Verleih: Pandora

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Inhalt

Der Bremer Rentner Ali (Tuncel Kurtiz) zahlt der Prostituierten Yeter (Nursel Köse) runde Sümmchen, damit sie ihm daheim Gesellschaft leistet. Sein Sohn, Germanistikprofessor Nejat (Baki Davrak), freundet sich mit ihr an und begibt sich nach einem tragischen Unfall auf die Suche nach ihrer Tochter in der Türkei. Die heißt Ayten (Nurgül Yesilçay), ist politische Aktivistin und taucht in Deutschland unter, wo sie der aus gutem Hause stammenden Lotte (Patrycia Ziolkowska) den Kopf verdreht. Lottes Mutter (Hanna Schygulla) ist das gar nicht recht.

Nach seinem Kritiker- und Publikumserfolg "Gegen die Wand" schlägt Fatih Akin im zweiten Teil der "Liebe, Tod und Teufel"-Trilogie besinnlichere Töne an. Seine Reise zwischen den Kulturen weist ein famoses Ensemble auf und eine Struktur, die "Babel" nahe kommt.


Kritik

Zweiter Teil von Fatih Akins "Liebe, Tod und Teufel"-Trilogie, in dem der Regisseur von sechs Menschen erzählt, deren Leben sich auf schicksalhafte Weise verweben.

Großansicht Lotte und Ayten haben nicht viel Zeit miteinander (Foto: Pandora)

Lotte und Ayten haben nicht viel Zeit miteinander (Foto: Pandora)

Pendeln zwischen den Welten ist sein Thema: Nach seinem gefeierten Drama "Gegen die Wand" zeigt Fatih Akin einmal mehr, dass er zu den ganz großen Regietalenten zählt. Raffiniert verwebt er die Schicksale von sechs Menschen, die in Deutschland und der Türkei aufeinander prallen, sich lieben und hassen, verpassen und wieder finden - oder auch nicht.

Zwei junge Frauen verlieben sich, die eine, eine militante Türkin, muss zurück in ihre Heimat, wo sie ins Gefängnis kommt. Ihre deutsche Freundin folgt ihr und trifft einen jungen Germanistik-Professor türkischer Abstammung, der, ohne es zu wissen, ihre Freundin sucht und ausgerechnet in Istanbul die Welt seines Vaters hinter sich lassen will.

Großansicht Nejat ist mit Yeters Nebenjob nicht zufrieden (Foto: Pandora)

Nejat ist mit Yeters Nebenjob nicht zufrieden (Foto: Pandora)

Gut verpackt

Akin spart Politik und Gefühl nicht aus, liefert eine Liebeserklärung an die quirlige Stadt am Bosporus und packt, mit Hilfe eines grandiosen Darstellerensembles, die großen Themen Liebe, Tod und Familie ganz selbstverständlich in einen überwältigenden Film, dem man sich nicht entziehen kann.

Auf der anderen Seite

Darsteller:  Baki Davrak   als Nejat Aksu
  Nursel Köse   als Yeter Öztürk
  Tuncel Kurtiz   als Ali Aksu
  Nurgül Yesilçay   als Ayten Öztürk
  Hanna Schygulla   als Susanne Staub
  Patrycia Ziolkowska   als Lotte Saub
 
Regie:  Fatih Akin  
Drehbuch:  Fatih Akin  
Produzent:  Klaus Maeck  
  Andreas Thiel  
  Fatih Akin  
Koproduzent:  Ali Akdeniz  
  Erhan Özogul  
  Funda Ödemis  
  Alberto Fanni  
  Flaminio Zadra  
  Paolo Colombo  
Kamera:  Rainer Klausmann  
Schnitt:  Andrew Bird  
Musik:  Shantel  
Produktionsdesign:  Tamo Kunz  
Kostüme:  Katrin Aschendorf  
Maske:  Daniel Schröder  
Ton:  Kai Lüde  
Casting:  Monique Akin  

Blutige Oscar-Favoriten

Auf insgesamt 16 Goldjungs hoffen "No Country for Old Men" und "There Will Be Blood - Es wird Blut geben". Die Frage dabei war allerdings lange: Wird es die Oscars geben?

Großansicht Oscar-Kandidaten in den beiden meistnominierten Filmen: Daniel Day-Lewis als Öl-Baron in "There Will Be Blood" und Javier Bardem als eiskalter Killer in "No Country for Old Men" (Foto: Kurt Krieger / Walt Disney)

Oscar-Kandidaten in den beiden meistnominierten Filmen: Daniel Day-Lewis als Öl-Baron in "There Will Be Blood" und Javier Bardem als eiskalter Killer in "No Country for Old Men" (Foto: Kurt Krieger / Walt Disney)

Die Academy war ausnahmsweise mal konsequent: In der Königsklasse Bester Film streiten sich genau die Filme um einen Goldjungen, die auch insgesamt am häufigsten nominiert sind. So haben die Killer-Groteske "No Country for Old Men" von den Coen-Brüdern und das Gründerzeit-Drama "There Will Be Blood" mit Daniel Day-Lewis als gewissenlosem Öl-Magnaten gleich je acht Oscar-Chancen. Das Gerichtsdrama "Michael Clayton" mit George Clooney strich ebenso sieben Nominierungen ein wie - eher überraschend - das Historiendrama "Abbitte" mit Keira Knightley.

Mit vier Nominierungen für die kleine freche Dramödie "Juno" um eine ungewollt schwangere 16-Jährige, die Adoptiveltern für ihr Baby sucht, konnte allerdings niemand rechnen - insbesondere, als Jungdarstellerin Ellen Page auch auf den Oscar für die beste Hauptdarstellerin hoffen darf. Hier wird sie es allerdings gegen Julie Christie schwer haben, die als Alzheimer-Patientin in "An ihrer Seite" herzerweichend war.

Großansicht Kaum zu erkennen und oscarreif: Cate Blanchett als Bob Dylan in "I'm Not There" (Foto: Tobis)

Kaum zu erkennen und oscarreif: Cate Blanchett als Bob Dylan in "I'm Not There" (Foto: Tobis)

Cate regiert doppelt

Beim Preis für den männlichen Hauptdarsteller werden sich der markerschütternde Daniel Day-Lewis und der gewohnt souveräne George Clooney ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Dieses könnte Lewis, der ob seiner intensiven Rollenvorbereitungen nur alle Jubeljahre mal einen Film dreht, mit einer Nasenlänge Vorsprung gewinnen. Johnny Depp erhielt für "Sweeney Todd" erneut eine Anerkennungs-Nominierung, hat aber kaum Siegchancen.

Eine große Auszeichnung ist schon jetzt die Doppelnominierung von Cate Blanchett für ihre großformatige Hauptrolle als legendäre Monarchin im Kostümepos "Elizabeth - Das goldene Königreich" und ihre Nebenrolle im Ensemble-Porträt "I'm Not There" in einer Hosenrolle als Folk-Legende Bob Dylan. Den Nebenrollen-Oscar wird sie vermutlich tatsächlich gewinnen. Bei den Männern ist Javier Bardem als eiskalter Killer in "No Country for Old Men" so gut wie gesetzt, auch wenn Casey Affleck für "Die Ermordung des Jesse James" und Tom Wilkinson für "Michael Clayton" Außenseiterchancen haben.

Großansicht "Michael Clayton" mit Superstar George Clooney als Anwalt fürs Grobe könnte der große Abräumer werden (Foto: Constantin)

"Michael Clayton" mit Superstar George Clooney als Anwalt fürs Grobe könnte der große Abräumer werden (Foto: Constantin)

Hollywood immun gegen Potter-Mania

Im Rennen um den begehrten Regie-Oscar ist auch Julian Schnabel für sein hoch gelobtes und anrührendes Schlaganfalls-Drama "Schmetterling und Taucherglocke". Konsequenterweise wurden die Coens für ihre Regieleistung in "No Country" nominiert, Paul Thomas Anderson für "There Will Be Blood", Tony Gilroy für "Michael Clayton" und Jason Reitman für "Juno".

Um den renommierten Oscar für die Spezialeffekte kämpfen "Der goldene Kompass", "Fluch der Karibik 3" und "Transformers" - überraschend nicht berücksichtigt wurden "Spider-Man 3" und "Harry Potter und der Orden des Phönix".

Großansicht Ellen Page als schwangerer Teenie im von der Academy überraschend hoch geschätzten Drama "Juno" (Foto: Fox)

Ellen Page als schwangerer Teenie im von der Academy überraschend hoch geschätzten Drama "Juno" (Foto: Fox)

And the Oscar goes to... nobody?

Deutsche Oscar-Chancen gibt es nach den letzten Erfolgen von "Das Leben der Anderen" und "Nirgendwo in Afrika" dieses Mal leider nicht. Die viel versprechende deutsche Eingabe "Auf der anderen Seite" von Fatih Akin war schon bei der Vorauswahl für den besten nicht-englischsprachigen Film durchgefallen. Der österreichische Kandidat "Die Fälscher" und "Der Mongole" aus Kasachstan sind aber immerhin deutsche Koproduktionen.

Bis zwei Wochen vor der Verleihung war aber völlig unklar, ob überhaupt jemand seinen Oscar persönlich entgegennimmt, da in Hollywood die Drehbuchautoren streikten. Grund: Die Ideenlieferanten wollten an den wachsenden Erlösen von Online-Verwertungen von Filmen und Serien beteiligt werden. Den Academy Awards drohte damit das gleiche Schicksal wie den Golden Globes, die am 13. Januar wegen des Streiks auf ihre große Gala hatten verzichten mussten. Die Gewinner waren lediglich auf einer improvisierten Pressekonferenz bekannt gegeben worden. Letzter Auslöser dafür war, dass die Schauspielergewerkschaft sich mit den Autoren solidarisch gezeigt und ihren Mitgliedern ebenfalls die Teilnahme untersagt hatte.

Großansicht Saoirse Ronan ist für ihren Auftritt neben Keira Knightley in "Abbitte" als beste Nebendarstellerin nominiert (Foto: Universal)

Saoirse Ronan ist für ihren Auftritt neben Keira Knightley in "Abbitte" als beste Nebendarstellerin nominiert (Foto: Universal)

Oscar-Nacht ohne Dankesreden

Die Situation schien daher lange ausweglos: Die Writers Guild of America (WGA) untersagte all ihren Mitgliedern die Ausübung ihres Berufs. Im Falle der Oscars hieß das: keine Reden schreiben, nicht an der Verleihung teilnehmen, keine Filmausschnitte zur Verfügung stellen.

Doch am 9. Februar kam es dann nach nächtelangen Verhandlungen endlich zu einer Einigung zwischen Produzenten und Autoren. Ganz Hollywood hatte auf eine Lösung des Konflikts der Oscars zuliebe gehofft, da eine Absage des wichtigsten Ereignisses der Traumfabrik mit dreistelligen Milliardenverlusten verbunden gewesen wäre - vom Image-Schaden ganz zu schweigen.

Großansicht Seine Gewerkschaft hatte ihm vorübergehend einen Maulkorb verpasst: Jon Stewart, Moderator auf Abruf (Foto: Kurt Krieger)

Seine Gewerkschaft hatte ihm vorübergehend einen Maulkorb verpasst: Jon Stewart, Moderator auf Abruf (Foto: Kurt Krieger)

Schillerstraße am Hollywood Boulevard?

Eine heitere Anekdote aus der Streikzeit: Moderator Jon Stewart ist Mitglied der Autorengewerkschaft und hätte daher im Falle eines andauernden Arbeitskampfes keine Texte für seine Moderation schreiben dürfen. Daher grübelten die Oscar-Macher ernsthaft darüber nach, ob Stewart durch den Abend hätte führen dürfen, wenn er die gesamte Gala frei Schnauze improvisiert hätte.

Das wäre sicher eine höchst unterhaltsame Oscar-Nacht geworden. So steht wohl der gewohnte Mix bevor aus heulenden Halle Berrys, wirkungslosen Scherzen über George Dabbeljuhs Dummheit und Reden á la "Ich danke auch meiner Katze".

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