Originaltitel: Astérix & Obélix contre César
Frankreich/Deutschland/Italien 1998
Christian Clavier
Gérard Depardieu
Roberto Benigni
Regie: Claude Zidi
Verleih: Constantin
Im Jahr 50 v. Chr. ist ganz Gallien von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Ein Zaubertrank macht sie unschlagbar, so daß selbst Cäsar das Dorf nicht unterwerfen kann. Also läßt er den Druiden Miraculix und den schlauen Krieger Asterix entführen, um hinter das Geheimnis des Zaubertranks zu kommen. Da gibt es nur noch eine Rettung: Obelix!

Mit der 80 Mio. schweren, deutsch-französisch-italienischen Co-Produktion setzt Europa Hinkelsteine gegen UFOs, Ameisen und Riesenkäfer und beweist, daß es sowohl vom Stoff als auch von der Umsetzung und dem zu erwarteten kommerziellen Erfolg die Konkurrenz mit dem großen Bruder Hollywood nicht scheuen muß.
Die Asterix-Comics, ein durch und durch europäisches Produkt und vorwiegend im gallischen wie im deutschen Sprachraum seit Jahrzehnten Traumquoten-Bringer, finden ihren Weg auf die Leinwand - nicht ohne den entsprechenden Medien- und Werberummel, selbstverständlich. Ein großes Geheimnis hatte man während der Produktion letzten Sommer in den Bavaria Studios um die filmische Umsetzung der Comic-Helden gemacht. Nur wenige Auserwählte durften vorab einen Blick erhaschen von Gérard Depardieu im Zöpfchen- und Streifenlook, von Gutemine Marianne Sägebrecht und all den anderen vertrauten Figuren. Recht so, auch da scheint das europäische Produktionskonsortium von Amerika gelernt zu haben: Ein Film ist erst einmal auch so gut wie sein Marketing, sparsam-wohldosierte Information weckt Neugierde.
Die kann jetzt jeder befriedigen, und die französischen Nachbarn tun's mit Elan: am ersten Wochenende wurde mit 2,21 Mio. Zuschauern ein Rekordstart in Frankreich hingelegt. Der Traum jedes Fans wird wahr und alle eventuellen Ängste, die Regie könnte sich mit der Comic-Verfilmung eines Sakrilegs schuldig gemacht haben, können zerstreut werden. Entstanden ist rundherum ein Asterix, wie wir ihn kennen und lieben. Fast alle Figuren des Comics gehen in die neu entwickelte Geschichte ein, eine Figur, die des Patriarchix, Urgroßvater von Methusalix, wurde dazuerfunden. Vor allem Kostüme und Farbgebung halten sich originalgetreu an die Vorlage, so daß die wohlige Vertrautheit des "Kenn-ich-doch"-Gefühls entsteht. Einzig die aufwendigen Spezialeffekte wirken nicht immer ganz so realistisch, wie sie erscheinen sollten. Aber wenn genügend Römer durch die Luft fliegen, Gallier-Adern vom Zaubertrank schwellen und Krokodile als Surfbretter dienen, verzeiht man kleine Unzulänglichkeiten.
Vor allem, wenn das Casting wirklich perfekt ist und große Stars des europäischen Films den Comic-Helden ein Denkmal setzen. Gérard Depardieu und Franko-Star Christian Clavier ("Die Besucher") haben das richtige Format, und auch die Nebenrollen sind durchweg gut besetzt. Sei es Gottfried John als Caesar, Marianne Sägebrecht als Häuptlingsgattin Gutemine, Topmodel Laetitia Casta in ihrem Filmdebut als Falbala und vor allem Roberto Benigni in einer herrlichen Rolle als verräterischer römischer Gouverneur Destruktivus: sie alle sind wunderbare Verkörperungen dessen, was man getrost europäisches Kulturgut nennen kann.
Gedreht wurde die vom FFF Bayern mit 3,5 Mio. Mark geförderte Co-Produktion von Bavaria Film/Vavarai Entertainment, der französischen Renn Films und der italienischen Melampo Cinematografica ausschließlich im Studio. Am Geiselgasteig wurde mit enormen Aufwand nicht nur das gallische Dorf als perfekte Umsetzung der gezeichneten Vorlagen geschaffen, sondern auch eine riesige römische Arena, in der unsere Freunde allerhand Abenteuer mit großen und kleinen Bestien bestehen müssen und Obelix einen ausgewachsenen Elefanten Kopfstand machen läßt. Entstanden ist europäisches Kino á la Hollywood, von dem alle, auch die Zuschauer, profitieren werden. Denn eins ist sicher: dieser Produktion werden auch hierzulande die Besucherzahlen nicht auf den Kopf fallen! boe.
| Darsteller: | Christian Clavier | als Asterix | |
|---|---|---|---|
| Gérard Depardieu | als Obelix | ||
| Roberto Benigni | als Destruktivus | ||
| Michel Galabru | als Majestix | ||
| Claude Piéplu | als Miraculix | ||
| Daniel Prévost | als Lügnix | ||
| Pierre Palmade | als Troubadix | ||
| Laetitia Casta | als Falbala | ||
| Arielle Dombasle | als Frau Methusalix | ||
| Sim | als Methusalix | ||
| Marianne Sägebrecht | als Gutemine | ||
| Gottfried John | als Julius Cäsar | ||
| Jean-Pierre Castaldi | als Caius Bonus | ||
| Jean-Roger Milo | als Cetautomatix | ||
| Jean-Jacques Devaux | als Ordralfabetix | ||
| Hardy Krüger jr. | |||
| Michel Muller | |||
| Olivier Achard | |||
| Jacques Delaporte | |||
| Regie: | Claude Zidi | ||
| Drehbuch: | Claude Zidi | ||
| Produzent: | Claude Berri | ||
| Koproduzent: | Dr. Dieter Frank | ||
| Reinhard Klooss | |||
| Ausf. Produzent: | Pierre Grunstein | ||
| Buchvorlage: | Albert Uderzo | ||
| René Goscinny | |||
| Kamera: | Tony Pierce-Roberts | ||
| Schnitt: | Nicole Saunier | ||
| Hélène de Luze | |||
| Musik: | Jean-Jacques Goldman | ||
| Roland Romanelli | |||
| Produktionsdesign: | Jean Rabasse | ||
| Kostüme: | Sylvie Gautrelet | ||
| Ton: | Henri Morelle | ||
| Vincent Arnardi | |||
| Thierry Lebon | |||
Einst fristeten sie zwischen den Pappdeckeln der Groschenheftchen ihr Randgruppen-Dasein, jetzt erstrahlen sie in vollem Hollywood-Glanz auf der großen Leinwand: Comic-Helden machen Träume wahr.
In den 70er-Jahren entdeckte man sie in Hollywood (wieder), in den 80ern brachte man sie als erstmals als A-Filme auf die große Leinwand, in den 90ern spielten sie veritable Geldberge ein, und im neuen Jahrtausend gibt es kein Halten mehr: Eine nie dagewesene Flut von Comic-Verfilmungen bricht über den geneigten Cineasten herein.
Schuld daran sind die dramatische Verjüngung des Massenpublikums, rapide Fortschritte im Effektewesen und das Erwachen des Verlagsgiganten Marvel im Kino-Bereich. Die Palette der Adaptionen reicht vom klassischen Superhelden über diverse Horror- und SF-Motive bis hin zu ernsthaften Dramen à la "Ghost World" und "Road to Perdition".
Auch das "alte Europa", lange Zeit von Bett- und Supermännern bei weitem nicht so beeindruckt wie die Amis, hängt mittlerweile fest am Haken der Trendstrategen.
"Batman" (1989) hat die Messlatte hoch gelegt: Nichts weniger als ein Blockbuster mit zwei bis drei Sequels wird an den Kinokassen erwartet, wenn so ein Superheld an den Start geht. Dafür darf der Spaß dann auch mal deutlich mehr als 100 Millionen Dollar in der Herstellung kosten und muss mit der eigentlichen Vorlage außer der kultigen Garderobe nicht mehr viel zu tun haben. Schließlich entstammen die meisten Superhelden den 50ern bzw. 60ern, müssen nun aber eine reizüberflutete MTV-Kundschaft fesseln. Da genügt es nicht, Bösewichte der Polizei zu übergeben und ein paar Kinnhaken zu verteilen.
Spidey jagt die Fledermaus
Glücklicherweise macht die CGI-Effekttechnologie, entwickelt in den späten 80ern in den Technikerstäben der Herren Cameron ("Terminator") und Lucas ("Star Wars"), inzwischen kleine bis mittlere Wunder möglich.
Vor noch nicht allzu langer Zeit besaßen die Superhelden aus dem amerikanischen DC-Verlag, namentlich "Superman" und "Batman", das Monopol auf große Kinoauftritte. Marvel, dessen Helden im Comicbereich höchste Popularität genossen, vernachlässigte das Filmgeschäft und überließ seine Helden gar B-Filmern zur Verwurstung auf dem Trash-Sektor.
Seit Comic-Adaptionen Geld wie Heu einspielen, hat sich das geändert. In den 90ern durften erste Testballone das Gelände sondieren, und nachdem sowohl "Blade" als auch "X-Men" die Erwartungen mehr als erfüllten, öffnen sich die Schleusen langsam aber sicher für das ganze, große Marvel-Universum:
"Spiderman", "Blade II" und "Daredevil" heißen die aktuellen Kandidaten, "The Hulk" und "X-Men 2" stehen in den Startlöchern, "Hellblazer" mit Nicolas Cage "Die fantastischen Vier" (produziert von Bernd Eichinger!) und ein neuer "Punisher" werfen ihre Schatten voraus.
Das Imperium schlägt zurück
DC bleibt da nicht untätig und kündigt für 2004 einen neuen "Superman" an. Außerdem ganz heiß im Gespräch: "Batman: The Frightening". Wolfgang Petersens "Superman vs. Batman"-Projekt scheint damit - fürs erste - gestorben.
Es müssen nicht immer Superhelden sein. Auch "Men in Black" ist eine Comicverfilmung und in dieser Funktion erfolgreicher als alle Cape-Schwinger der vergangenen Jahre.
Aber auch kleinere Filme und ernsthafte Dramen werden zunehmend von den Sprechblasenbildern animiert.
Comic, ernsthaft!
"From Hell", die Jack the Ripper-Variation von den Hughes-Brüdern mit Johnny Depp in der Hauptrolle, basiert ebenso auf einem Comicbook wie "Unbreakable" mit Bruce Willis, Terry Zwigoffs Mädchendrama "Ghost World" oder "Road to Perdition", der düstere Gangsterfilm von "American Beauty"-Macher Sam Mendes.
Vielleicht verliert ja auf diese Weise auch Deutschland seinen Dünkel gegenüber den Schundheftchen. Schließlich soll es schon europäische Erfolge in dieser Richtung gegeben haben, siehe "Asterix" oder "Der bewegte Mann"!
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