Wotan Wilke Möhring
André Hennicke
Heinz Hoenig
Regie: Christian Alvart
Verleih: Studiocanal
In Berlin wird der mutmaßliche Mörder Gabriel Engel (André Hennicke) von einem Sonderkommando unter Leitung von Kommissar Seiler (Heinz Hoenig) gefasst. Eine über Jahre andauernde Ritualmordserie an Kindern scheint damit ihr Ende gefunden zu haben. Aus einem katholischen Landweiler reist Dorfpolizist Martens (Wotan Wilke Möhring) herbei, weil er sich über den brutalen Mord an einem kleinen Mädchen Aufklärung verspricht. Doch stattdessen hält Engel beunruhigende Neuigkeiten für Marten parat.
Mit einem stark besetzten Killerthriller à la "Sieben" fordert der deutsche Jungregisseur Christian Alvart die internationale Konkurrenz heraus.
Das deutsche Genrekino lebt. Den Beweis liefert das aufregende Duell eines Killers mit einem Polizisten, das Grenzen überschreitet. Zwischen Gut und Böse, zwischen Berlin und Hollywood.
Das Zentrum der Angst liegt in Berlin. Hier hat der deutsche Thriller von internationalem Format sein Atelier für die Welt gefunden. 2002 ging "Tattoo" unter die Haut, verstörte die Jagd auf ein von Kunst und Körper fasziniertes mordendes Phantom sogar die Bosse aus Hollywood, die Regisseur Robert Schwentke die Tür zur großen Karriere öffneten.
Drei Jahre später markiert ein weiteres Kinotalent in einem bei uns vernachlässigten Genre sein Revier. Der Anspruch auf großes Kino ist unübersehbar und ließ sich mit dem kreativen Feuer seines Machers auch mit weniger Kohle verwirklichen.
Christian Alvart ist ein Filmverrückter im besten Sinne. Wie der Franzose Christophe Gans ("Der Pakt der Wölfe") war auch er Chefredakteur eines Fanzine (X-Tro), bevor es ihn selbst hinter die Kamera zog. "Antikörper" ist Alvarts zweiter Film und wie schon sein erster "Curiosity & the Cat" ein intensiver Blick auf Abgründe, die sich in unserer unmittelbaren Nähe öffnen.
Kalifornische Horrorhits wie "Sieben", "Das Schweigen der Lämmer" oder "Blutmond" sind als Vorbilder auszumachen, überschatten aber Alvarts Schocker nicht, der mit Atmosphäre und Spannung selbst eindrucksvoll Zeichen setzt. Religiöse Symbolik spielt eine tragende Rolle in diesem Psychoduell zweier Männer aus scheinbar unterschiedlichen Welten.
Polizist Michael Martens (Wotan Wilke Möhring) lebt in einem kleinen Dorf, doch die Idylle ist trügerisch. Die Beziehung zu Frau und Kindern leidet unter Martens Arbeit, ganz besonders, seit mit dem immer noch ungeklärten Mord an einem kleinen Mädchen das Grauen in den von der Welt vergessenen Ort einzog.
Als in Berlin nach einer pulsierenden nächtlichen Verfolgungsjagd Gabriel Engel (André Hennicke) als Serienkiller gefasst wird, glaubt die Polizei Parallelen zwischen den Morden zu erkennen, holt Martens nach Berlin, um den eiskalten Todes-Engel zum Sprechen zu bringen. Das Monstrum verlässt seinen Käfig nicht, doch sein Gift, quälende Worte, die alte Wunden aufreißen und dunkle Geheimnisse ans Licht zerren, verfehlt seine Wirkung nicht.
Der dämonische Manipulator Engel treibt ein sadistisches Spiel mit dem Cop, bis Parallelen im Erscheinungsbild auch in der Persönlichkeit durchschimmern, bis Martens überzeugt ist, dass der Mörder des Mädchens noch auf freiem Fuß ist.
Clever konstruiert dreht "Antikörper" an der Spannungsschraube, überzeugt darstellerisch und inszenatorisch. Am Ende führen die Spuren an einen Ort, der nicht nur Martens die Fassung raubt. Eine Überraschung: deutsches Genrekino in Breitwand und mit Breitenwirkung.
| Darsteller: | Wotan Wilke Möhring | als Michael Martens | |
|---|---|---|---|
| André Hennicke | als Gabriel Engel | ||
| Heinz Hoenig | als Kommissar Seiler | ||
| Ulrike Krumbiegel | als Rosa Martens | ||
| Nina Proll | als Lucy | ||
| Hauke Diekamp | als Christian Martens | ||
| Laura Szalski | als Sarah Martens | ||
| Norman Reedus | als Polizist Schmitz | ||
| Jürgen Schornagel | als Sucharzewski | ||
| Gudrun Ritter | als Frau Sucharzewski | ||
| Klaus Zmorek | als Bosowski | ||
| Hans Diehl | als Pfarrer | ||
| Regie: | Christian Alvart | ||
| Drehbuch: | Christian Alvart | ||
| Produzent: | Theo Baltz | ||
| Dr. Rainer Kölmel | |||
| Ausf. Produzent: | Boris Schönfelder | ||
| Kamera: | Hagen Bogdanski | ||
| Schnitt: | Philipp Stahl | ||
| Musik: | Michl Britsch | ||
| Produktionsdesign: | Christian M. Goldbeck | ||
| Kostüme: | Silke Sommer | ||
| Ton: | Jérôme Burkhard | ||
Mit "Antikörper" legt Filmemacher Christian Alvart seinen ersten, größeren Film vor. Produzent Boris Schönfelder und Alvart wagten sich an ein im deutschen Kino kaum vertretenes Genre: den Thriller.
BORIS SCHÖNFELDER: Es ist sogar ein wesentlich besserer Film herausgekommen, als ich mir vorgestellt habe. Bei einem Debütfilm nimmt man sich immer viel vor - häufig klappt einiges davon nicht. Dank der exzellenten Vorbereitung aller und insbesondere des Regisseurs mussten wir so gut wie keine Abstriche machen.
Wir mussten zwar nachdrehen, aber nur weil ein Schauspieler krank wurde. Wir haben den Film bereits nach Großbritannien, Thailand, Indonesien, Malaysia, Russland und Mexiko verkauft und verhandeln um die US-Rechte. So viel können wir also nicht falsch gemacht haben.
Die Darsteller Wotan Wilke-Möhring und André Hennicke werden ins rechte Licht gesetzt (Foto: Kinowelt)
CHRISTIAN ALVART: Mit mehr Geld umzugehen, ist nicht schwierig. Denn es ist immer zu wenig. Und auch das Filmemachen ist dasselbe. Für mich war es schwierig, mich vor einem Produzenten zu rechtfertigen. Bei meinen früheren Filmen war ich immer der Einzige, der etwas zu sagen hatte.
Nicht, dass es eine Horrorerfahrung war, wir haben uns sehr gut verstanden. Aber der Kampf, der schon in unseren beiden Berufen verankert ist, geht von der Entwicklung über den Dreh und den Schnitt bis zu den Testvorführungen. Der Film ist für mich keinesfalls ein Kompromiss mit dem Produzenten, sondern etwas, das daraus entstanden ist, dass man sich einig wurde.
SCHÖNFELDER: Christian Alvart kam mit diversen Stoffangeboten auf mich zu, und ich habe große Qualität darin gesehen und mich für diesen 30 Seiten langen Entwurf entschieden. Wir haben zusammen sehr lange und intensiv am Drehbuch gearbeitet.
Auch in der Besetzung ergänzten wir uns. Als André Hennicke beispielsweise mit "Der alte Affe Angst" auf der Berlinale war, suchten wir noch nach einem Schauspieler für den Killer. Ich arrangierte ein Treffen mit ihm und Christian Alvart. Hennicke kam und knallte uns Profiler-Bücher auf den Tisch, und uns beiden war klar: Das ist der Killer.
Erinnert an "Schweigen der Lämmer": Dorfpolizist Martens befragt den Killer Gabriel Engel (Foto: Kinowelt)
ALVART: Ich setze mich nicht hin und sage: "Das Schweigen der Lämmer" ist so ein toller Film, das will ich jetzt auch machen - gerade bei "Antikörper", der sehr persönlich ist. Er ist nicht einfach nur ein Genrefilm, sondern da ist sehr viel selbst Erlebtes und selbst Gedachtes drin. Als ich die Story aufbaute, war irgendwann klar, dass es eine Situation geben wird, in der der Polizist dem Killer im Gefängnis gegenübersitzt.
Jeder würde an "Schweigen der Lämmer" denken, der stark in der Popkultur verankert ist. Ab da versuchten wir, uns abzuheben. Die Dramaturgie und die Geschichte von "Schweigen" und "Antikörper" sind so unterschiedlich gebaut, nur die Situation in der Zelle ist ähnlich, aber ganz anders gefilmt. Das Design des Gefängnisses ist anders, die Figur des Serienmörders ist anders, er ist kein perverser Ratgeber. Weil man die Assoziation trotzdem nie ganz wegkriegt, habe ich einen Gag eingebaut.
SCHÖNFELDER: Das Budget von 2,5 Mio. Euro war nur durch Rückstellungen möglich. Produzent und Regisseur verdienen erst mal gar nichts, und auch die Hauptdarsteller waren so begeistert, dass sie Teile ihrer Gage zurückgestellt haben.
SCHÖNFELDER: Wir haben versucht, mehr aus dem Film zu machen, was den Look betrifft, als man vielleicht landläufig glaubt, machen zu können. Es war möglich, weil wir so viele hochmotivierte Mitarbeiter hatten, die sich alle beweisen wollten, dass es geht. Dass wir den Film überhaupt machen konnten, ist schon ein Erfolg - in einem Land, in dem der Thriller eher dem Fernsehen zugeschrieben wird.
Wotan Wilke-Möhring ist bereit für seine nächste Szene als Polizist Michael Martens (Foto: Kinowelt)
SCHÖNFELDER: Man muss auf dem Teppich bleiben und die Erwartungen an den Film nicht zu hochschrauben. Wir haben früher mal gesagt: Wenn "Antikörper" 100.000 Zuschauer macht, ist das gut. Jetzt mit der Kampagne - die Plakate kommen sehr gut an - schaffen wir vielleicht ein bisschen mehr. Alles, was jenseits der 150.000-Zuschauer-Marke ist, macht mich happy.
ALVART: Realismus in Bezug auf deutsches Kino und Thriller bedeutet Pessimismus. Bei vielen deutschen Filmen kriegen die Leute ja nicht mal mit, dass sie laufen. Aber die Sneaks laufen sehr gut. Ich wünsche mir den Erfolg auch für jeden anderen jungen Regisseur, der einen Stoff gegen die Regeln macht - wie etwa in Deutschland,keine Thriller' oder,keine Religion'. Ich hoffe, der Film beweist, dass man sich was trauen kann.
Der Stoische. Wotan Wilke Möhring umgibt die Aura des harten Einzelgängers, der wortkarg und äußerlich ohne Eigenschaften seinen...
André Hennicke begann seine Karriere als Schauspieler am Theater, später drehte er Filme bei der DEFA. Nach der Wende wurde der...
Martin Scorseses erster Kinderfilm: Waisenjunge Hugo kommt in einer Pariser Metrostation großen Geheimnissen auf die Spur. Für 11 Oscars nominiert!
Schöne LoveStory mit Channing Tatum und Rachel McAdams!
Kate Beckinsale ist zurück als Sexiest Vampire-Lady Undead! Top-Action in 3D!
Großer Kinospaß mit Adam Sandler in einer Doppelrolle als Zwillinge, die chaotisch Thanksgiving feiern.