Ende der 70er ist Punk bereits ein alter Hut, und aus den Trümmern der Bewegung formiert sich Hardcore. Damit reagiert sich die Jugend amerikanischer Großstädte ab, um bei hartem, unmelodischem Krach der konservativen Herrschaft von Ronald Reagan zu entfliehen und eine anti-kommerzielle Alternative zu finden. Innerhalb kurzer Zeit erscheinen Bands, die sich Dead Kennedys, Bad Brains, Minor Threat, Black Flag, SS Decontrol oder Circle Jerks nennen. Ihre kompromisslose Haltung bildet die Ausgangsbasis für Grunge und Independent.
Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Steven Blush entstand eine mit Interviews und seltenen Liveaufnahmen aufwartende Musikdoku über die unübersichtliche Szene des Punk-Undergrounds zwischen 1980 und 1986.

Musik-Doku von Paul Rachmann über Entstehung, Entwicklung und Ende der amerikanischen Hardcore Punk-Bewegung in der ersten Hälfte der Achtziger.
Bands wie Black Flag, Minor Threat oder auch Bad Brains - sie gehörten zur Speerspitze der um 1980 aufkommenden Hardcore-Punk-Bewegung, deren Porträtierung sich "American Hardcore" auf die Fahnen geschrieben hat. Anhand von zeitgenössischen, amateurhaften Konzertaufnahmen und zahlreichen, mit markig-selbstbewussten Sprüchen nicht geizenden Interviewsequenzen mit Fans, Promotern, aber vor allem zahlreichen Szenegrößen - darunter Cro Mags-Großmaul Harley Flanigan und der unvermeidliche Henry Rollins - erweckt der Film mit konventionellen Doku-Mitteln eine Bewegung wieder zum Leben, die mit ihrem Anti-Establishment-Denken und Außenseiter-Stilisierung nicht zufällig in der konservativen, repressiven Reagan-Ära geboren wurde.
"Die Leute nahmen sich eine Gitarre, lernten drei Akkorde und spielten so schnell sie konnten", bringt Chris Foley von SS Decontrol das musikalische Fundament der Szene auf den Punkt. Punk war von jeher ein Stil, der darin bestand, etwas nicht zu beherrschen, es aber dennoch wirkungsvoll zu praktizieren. Der US-Hardcore-Punk folgte dieser künstlerisch zweifelhaften Tugend und trieb sie dabei zugleich auf die Spitze. Härter, räudiger, schneller hieß die Devise. "Je weniger es ein Song war, desto mehr mochten wir es", gibt ein weiterer Musiker programmatisch zu Protokoll.
Interessanter als die Musik war in Sachen Punk immer der soziale Impetus. Neben dem gern zitierten Hass auf Politiker und ihr Handeln (nicht umsonst beginnt der Film mit Aufnahmen von Ronald Reagans Amtsantritt) verstand sich der Hardcore-Punk als Gegenentwurf zur kommerziellen Musikindustrie im allgemeinen und zu charttauglichen Rockbands wie Foghat, Fleetwood Mac oder den AOR-Heroen Journey im besonderen. Die Negation des Karrieredenkens, die nur aus sich selbst heraus funktionierende Szene fernab jeglicher Mainstream-Mechanismen, dazu die ebenfalls als Kontrast zum dekadenten Rock 'N' Roll-Lifestyle entstandene Straight Edge-Philosophie (der konsequente Verzicht auf Alkohol und Drogen) - all das arbeitet "American Hardcore" plastisch heraus. Diffuser ist das gezeichnete Bild hingegen bei Phänomenen wie der Männerdominanz der Szene und der Rolle der Publikumsgewalt bei Konzerten. Ein Preis, den man zahlen muss für das aus der einstigen Szenezugehörigkeit der Macher resultierende Fehlen einer nüchtern analysierenden Distanz. Auch versäumt es Rachmann, den Einfluß vieler Bands des Genres auf heutige Musikströmungen zu untersuchen. Seine Geschichte des "American Hardcore" endet abrupt im Jahre 1986, was seinem Film die aktuelle Relevanz untergräbt. ako.
| Regie: | Paul Rachman | ||
|---|---|---|---|
| Drehbuch: | Steven Blush | ||
| Produzent: | Steven Blush | ||
| Paul Rachman | |||
| Kamera: | Sigurd Rachman | ||
| Schnitt: | Sigurd Rachman | ||
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