Jugendliche auf der Suche nach Identität im Teufelskreis von Gewalt in dokumentarisch, stilisierter poetischer Video-Ästhetik. http://images.kino.de/flbilder/max01/bf01/bf03/b0103999/b150x150.jpg alaska.de

Filmdetails

alaska.de

Jugendliche auf der Suche nach Identität im Teufelskreis von Gewalt in dokumentarisch, stilisierter poetischer Video-Ästhetik.


alaska.de
Start: 25.01.2001

Drama

Deutschland 2000
Laufzeit: 90 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Jana Pallaske
Frank Droese
Toni Blume

Regie: Esther Gronenborn
Verleih: Filmverl. d. Autoren (Arthaus)

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Action
Humor
Romantik
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Inhalt

Die 16-jährige Sabine zieht zu ihrem Vater in eine trostlose Berliner Plattenbaugegend. Sie lernt Eddie kennen, der ihr widerwillig den Weg von der Bahn in ihre Straße zeigt und sich als Klassenkamerad entpuppt. Sie freundet sich mit ihm an. Mit seinen Kumpels, die sich bei Hundekämpfen und Prügeleien amüsieren, kann sie wenig anfangen. Als ein Junge ermordet wird, verdächtigt sie seine Freunde.


Kritik

alaska.de

Ein bemerkenswerter Debütfilm, der seine Geschichte von Jugendlichen auf der Suche nach Identität im Teufelskreis von Gewalt am östlichen Rand von Berlin in lebhaft stilisierten Bildern einer dokumentarisch poetischen Video-Ästhetik spannend erzählt. Regisseurin und Autorin Esther Gronenborn trifft realistisch genau den Ton der Schüler und Kleinkriminellen im Plattenbau-Milieu des Großstadt-Außenbezirks und dürfte vor allem bei einem jugendlichen Publikum Anklang und nachdenkliches Verständnis finden.

Aber auch erwachsene Cineasten sehen ihre Ansprüche an eine relevantes deutsches Kino aus der aktuellen Wirklichkeit erfüllt. Esther Gronenborn, Absolventin der HFF München, hat Dokumentarfilme gedreht bis zu ihrem ersten Spielfilm und viel mit Video gearbeitet. Wie souverän sie mit dieser Technik und Ästhetik umzugehen weiß, ist in "alaska.de" wunderbar zu sehen, wenn sie die expressiven Bilder von Kameramann Jan Fehse allen Dogma-Regeln zum Trotz ruhig und klar ohne jede Wackel-Hektik inszeniert. Der sanfte Braunton in der Farbqualität, der manchmal an alte viragierte Stummfilmbilder zu erinnern scheint, gibt der atmosphärischen Stimmung des Films eine eigenartige faszinierende Mischung aus Distanz und Wärme. Distanz im Sinne von Respekt und Liebe für die Personen, von denen Gronenborn erzählt und die sie mit schauspielerisch unerfahrenen Jugendlichen besetzt hat. Die 16jährige Sabine (frappierend in ihrer sinnlich pragmatischen Emotionalität: Jana Pallaske) zieht zu ihrem Vater, weil sie mit dem neuen Freund ihrer Mutter nicht zurecht kommt. Sie lernt Eddie (melancholisch trotzig-sensibel: Frank Droese) kennen, mit dem sie in eine Klasse geht. Die Scheu und Berührungsangst der beiden, die in aggressivem Verhalten mündet und doch Annäherung meint, ist von Gronenborn nicht nur genau beobachtet, sondern auch mit großer Behutsamkeit inszeniert und von den Darstellern präzis in jeder emotionalen Nuance umgesetzt, unverkrampft und sehr spontan. Sabine, die als Neue in der Klasse natürlich entsprechend gehänselt wird, fühlt sich in Eddies Freundeskreis auch nicht auf Anhieb wohl. Da ist vor allem Micha, der arbeitslos und ständig im Clinch mit der Polizei ist. Als die Jungs einmal mit einem, der nicht zur Clique gehört, in einen handgreiflichen Streit geraten, hat Eddie plötzlich ein Messer in der Hand, und die Schlägerei endet tödlich. Die Jungen laufen davon. Als Sabine dazu kommt, sieht sie gerade noch Micha davonrennen, das Messer in der Hand. Jetzt kann nichts mehr so sein wie vorher: eine telefonische Drohung zwingt Sabine zum Schweigen, Eddie soll für Micha herausfinden, was sie wirklich gesehen hat, die Polizei sucht den oder die Täter. Es ist keine Zeit mehr für ehrliche Gefühle. Verdächtigungen, Misstrauen, Schweigen, Enttäuschung und Zorn. Und dennoch gibt es mittendrin, vor der Eskalation, Augenblicke der Zärtlichkeit, so etwas, das Liebe sein und werden könnte, beginnt.

Esther Gronenborn moralisiert nicht und verurteilt nicht, sie zeigt auf, mit einem genauen Gespür für die soziale Logik der Wirklichkeit und einem echten Kinotalent des Erzählens. Vor fast einem halben Jahrhundert gab es schon einmal einen deutschen Film über deutsche Realität im Berliner Jugendlichen-Milieu: "Die Halbstarken". An dieses Meisterwerk von Georg Tressler lässt "alaska.de" denken. Ein ebensolcher Kinoerfolg ist ihm zu wünschen. fh.

alaska.de

Darsteller:  Jana Pallaske   als Sabine
  Frank Droese   als Eddi
  Toni Blume   als Micha
  Nele Steffen   als Coco
  Willhelm Benner   als Stefan
  Daniel Fripan   als Florian
  Andrusch Jung   als Daniel
  Artur Rakk   als Anton
  Mathias Frenzel   als Karl
  Achmed Kersten Block   als Ludger
  Susanne Sachsse   als Sabines Mutter
  Andreas Hoppe   als Sabines Vater
  Axel Prahl   als Polizist Wünsche
  Axel Werner   als Fensterputzer
 
Regie:  Esther Gronenborn  
Drehbuch:  Esther Gronenborn  
Produzent:  Eberhard Junkersdorf  
Koproduzent:  Kirsten Sohrauer  
  Ulrich Limmer  
  Dr. Rainer Kölmel  
  Cooky Ziesche  
Ausf. Produzent:  Dietmar Güntsche  
Kamera:  Jan Fehse  
Schnitt:  Christian Lonk  
Musik:  Mosermeyerdöring  
Produktionsdesign:  Tom Hornig  
Kostüme:  Linda Harper  
Ton:  Marc von Stürler  

Star

Andreas Hoppe

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