Originaltitel: Looking for Richard
USA 1996
Al Pacino
Harris Yulin
Penelope Allen
Regie: Al Pacino
Verleih: Fox
Shakespeares am häufigsten aufgeführtes Drama vom blutigen Aufstieg des Intriganten Richard zum König von England, transparent gemacht von Hollywoodstar Al Pacino. Mit einer Collage aus Interviews, Umfragen, Spielszenen und Probenbeobachtungen wird diese düstere Tragödie mit originellem Ansatz neu beleuchtet.

"Shakespeare, wie wir heute über sein Werk denken und fühlen" - so lautet der programmatische Ansatz zur zweiten Regiearbeit Al Pacinos, die im Unterschied zu seinem Debüt "The Local Stigmatic" auch den Weg in die US-Kinos fand. Das Phänomen des Stratford-Barden und vor allem seines am häufigsten aufgeführten Stückes "Richard III" untersucht "Looking For Richard" in einem ungewöhnlichen dokumentaristischen Potpourri aus Prominenten-Statements, Meinungsumfragen, Szenen von den Proben und der Verfilmung. Das Ergebnis ist als Motivationsbonbon für die Beschäftigung mit Shakespeare schon jetzt ein Klassiker für den Schulunterricht, bleibt aber im Kino trotz Staraufgebot ein limitiert unterhaltsames Special-interest-Unternehmen, das von einer zeitlichen Straffung profitiert hätte.
Dreieinhalb Jahre arbeitete Pacino, der seine wahre berufliche Heimat immer noch im Theater sieht, an diesem Projekt, das Berührungsängste mit Shakespeare abbauen und sein populärstes Stück auch für literarische Einsteiger transparenter machen soll. Mit Hilfe einer exzellent geschnittenen filmischen Collage, in der sich New Yorker Straßenpassanten zu ihrem Verhältnis zu Shakespeare äußern, Sir John Gielgud und andere britische Theatersäulen die Angst amerikanischer Schauspieler vor des Barden Sprache erörtern, und Vanessa Redgrave etwa über den jambischen Pentameter klug doziert. Pacinos Film lebt, wann immer wir beim Casting, bei den Probendiskussionen und den künstlerischen Reibungen lauschen dürfen. Vor allem die Begegnung mit Theaterstar Penelope Allen, die mit ihrer Intensität und mimischen Brillanz Prominenz wie Alec Baldwin, Kevin Spacey oder auch Pacino selbst vom Tisch fegt, ist eine Offenbarung. Humor, Schwung und Leidenschaft prägen die Sequenzen hinter den Kulissen, während die eher traditionell arrangierten Spielszenen, die am Ende zuviel Raum einnehmen, zunehmend für Ermüdung sorgen. Ein Problem, daß sich etwa bei Richard Loncraines faszinierend originellem Neuansatz "Richard III" nicht ergab. Trotzdem bleibt "Looking For Richard" ein interessantes Experiment, das seine literarisch vorgebildete Ziel-Klientel auch finden, aber ein größeres Publikum trotz Staraufgebot nur schwer erreichen wird. kob.
| Darsteller: | Al Pacino | als Richard III | |
|---|---|---|---|
| Harris Yulin | als King Edward | ||
| Penelope Allen | als Queen Elizabeth | ||
| Alec Baldwin | als Clarence | ||
| Kevin Spacey | als Buckingham | ||
| Estelle Parsons | als Queen Margaret | ||
| Winona Ryder | als Lady Anne | ||
| Aidan Quinn | als Richmond | ||
| Kenneth Branagh | |||
| Kevin Kline | |||
| James Earl Jones | |||
| Rosemary Harris | |||
| Peter Brook | |||
| Derek Jacobi | |||
| Sir John Gielgud | |||
| Vanessa Redgrave | |||
| Regie: | Al Pacino | ||
| Drehbuch: | Al Pacino | ||
| Frederic Kimball | |||
| Produzent: | Michael Hadge | ||
| Al Pacino | |||
| Ausf. Produzent: | William Teitler | ||
| Kamera: | Robert Leacock | ||
| Nina Kedrem | |||
| Jon Kranhouse | |||
| Steve Confer | |||
| Schnitt: | Pasquale Buba | ||
| William A. Anderson | |||
| Ned Bastille | |||
| Andre Betz | |||
| Musik: | Howard Shore | ||
| Produktionsdesign: | Kevin Ritter | ||
Bereits 1996 drehte Al Pacino "Looking for Richard". In dem Potpourri um das Theaterstück "Richard III." vermischte er Statements von Stars, Umfragen, Spielszenen und Probenbeobachtungen, um den Zuschauern einen besseren Zugang zu den Werken William Shakespears zu ermöglichen.
So ähnlich dürfen wir uns auch Pacinos neuestes Projekt vorstellen. In "Salomaybe?" beabsichtigt der Schauspieler, Hintergrundfilmmaterial einer Theateraufführung von "Salomé" mit fiktionalen Bestandteilen zu verflechten. Das 1891 von Oscar Wilde verfasste Theaterstück ist eine frei nach der Geschichte des Evangelisten Markus erzählte Tragikkomödie über Lust und Verrat.
Al Pacino, der in dem Theaterstück König Herodes verkörpert, ist im Film mit von der Partie und führt auch Regie. Produzent Barry Navidi, der mit dem 65-Jährigen bereits in "Der Kaufmann von Venedig" zusammenarbeitete, erklärt Pacinos Motivation für den Film: "Al interessiert sich für den Prozess, den Schauspieler durchmachen, und wie wir das als Filmemacher erleben."
So eine lange Produktionszeit wie damals beim Dokumentardebüt ist allerdings nicht beabsichtigt. "Es hat vier Jahre gedauert, bis Al 'Looking for Richard' beendete, aber wir werden 'Salomaybe?' bis Ende diesen Jahres fertig haben, und", so Navidi weiter, "die Doku nächstes Jahr zu einem der größeren Filmfestivals bringen."
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