Tragische Liebesgeschichte in Hitlerdeutschland als großes Schauspielerinnenkino. http://images.kino.de/flbilder/max00/mbiz00/mbiz08/z0008678/b150x150.jpg Aimée & Jaguar

Filmdetails

Aimée & Jaguar

Tragische Liebesgeschichte in Hitlerdeutschland als großes Schauspielerinnenkino.


Aimée & Jaguar
Start: 11.02.1999

Drama

Deutschland 1998
Laufzeit: 126 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Maria Schrader
Juliane Köhler
Johanna Wokalek

Regie: Max Färberböck
Verleih: Senator

So werten die bisherigen Besucher:

Gesamt
(0 Bewertungen)

Action
Humor
Romantik
Spannung
Anspruch
Besucheransturm: lau
Besucher-
ansturm

Temperatur

lau

Inhalt

Lilly Wust, Mutter von vier Kindern und Trägerin des Mutterkreuzes, ist eine Mitläuferin. Felice, eine Jüdin, schreibt unter falschem Namen für eine Nazizeitung und versorgt eine Widerstandsgruppe mit Informationen - jeden Tag riskiert sie alles. Die beiden unterschiedlichen Frauen treffen aufeinander und verlieben sich. Die eine läßt sich scheiden, die andere gibt ihre Tarnung auf.


Kritik

Aimée & Jaguar

Lange erwartet, endlich da: Max Färberböcks Regiedebüt, die Verfilmung einer authentischen und tragischen Liebe im kriegszerstörten Berlin, gerät zur bislang leicht überfrachteten Tour de force durch Hitlerdeutschland und feiert Triumphe als großes Schauspielerkino. In jedem Fall: ein würdevoller Vertreter heimischen Filmschaffens im Berlinale Wettbewerb.

Die Produzenten Günter Rohrbach und Hanno Huth hatten sich viel vorgenommen. Das Prestigeprojekt um die Auseinandersetzung mit Nazitum und Judenverfolgung stellte hohe Anforderungen, zumal der wunderbaren Buchvorlage von Erica Fischer, mittlerweile in elf Sprachen übersetzt, Gerechtigkeit widerfahren sollte. Max Färberböck, für seine TV-Produktionen vielfach ausgezeichneter Absolvent der HFF München, schrieb zusammen mit der versierten britischen Autorin Rona Munro ("Ladybird, Ladybird") das Drehbuch.

Das Mammutvorhaben, um dessen Fertigstellung sich die Gerüchte rankten, kostete Schauspielerin Juliane Köhler ihren Job am Münchener Residenztheater: Da sich die Dreharbeiten verzögerten, kündigte man der angesehenen Theatermimin. Für Juliane Köhler ein schockierendes Erlebnis, dennoch würde sie sich jederzeit wieder für diesen außergewöhnliche Part entscheiden. Sie ist Lilly Wust, Ende zwanzig, Mutter von vier Kindern und Trägerin des Mutterkreuzes. Brav, bieder, politisch eine Mitläuferin - besteht der einzige Reiz in ihrem Leben aus wechselnden Liebschaften. Bis sie Felice (Maria Schrader) trifft, eine Jüdin, die im Untergrund lebt, unter falschem Namen für eine Nazizeitung arbeitet und eine Widerstandsgruppe mit Informationen versorgt - jeden Tag riskiert sie alles. Die Liebe zueinander verändert das Leben beider Frauen grundlegend. Lilly läßt sich scheiden, Felice gibt ihre Tarnung auf, liefert sich dadurch ihrer großen Liebe aus. Das Glück der beiden währt nur kurz. Felice wird von der Gestapo verhaftet und ins Konzentrationslager verschleppt, Lilly wird nie wieder jemanden lieben....

Es sind Jahrhundertrollen für die beiden Hauptdarstellerinnen, die sie, jede auf ihre ganz eigene Art, exzellent ausfüllen. Für Maria Schrader ist die "Felice" der große Durchbruch: so gut sah man sie noch nie. Und Theaterstar Juliane Köhler, eigentlich mit dem schwierigeren Part konfrontiert, ist als neues Leinwand-Wunder entdeckt. Was beide Darstellerinnen ihren Figuren geben und entlocken, ist großes Schauspielerkino, wie es in Deutschland lange nicht zu sehen war, angelegt bereits in den hervorragend entwickelten Charakteren der Buchvorlage.

Der Film setzt ganz auf die Liebesgeschichte - und tut gut daran. Er ist dann am besten, wenn er der Darstellerkraft seiner beiden Heldinnen vertraut. Die erste Liebesszene, die Lilly eine ihr gänzlich unbekannte, faszinierende und verstörende Welt eröffnet, geht unter die Haut und zählt zu den intensivsten Bettszenen der Filmgeschichte.

Die Schilderung der Lebensumstände in der von der finalen Schlacht umtobten Hauptstadt bleibt dagegen leider bisweilen hinter dem ausführlich gezeigten, exzessivem Lebensgefühl der vergnügten Lesben-Gruppe zurück. Das atemberaubende Zeitkolorit der 43/44er Jahre, im Buch so gut geschildert, kommt nicht ganz glaubhaft. Da gibt man sich allzu ausstattungsverliebt, ist zu sehr auf production value bedacht. Das mutige Projekt schießt bisweilen, von seinen eigenen Ansprüchen getrieben, übers Ziel hinaus. Sein Hyper-Realismus in nostalgisch überfrachteten Farbtönen wirkt dann irritierend.

Bis in die Nebenrollen ist das Casting sorgfältig bis exzellent, seien es Detlev Buck als Ehemann, Vater, Liebhaber, Verlassener und einsamer Soldat oder Heike Makatsch als lebenshungrige, todesmutige und kluge Freundin.

Die dramaturgisch vielleicht richtige Entscheidung, dem Film eine erzählerische Rahmenhandlung zu geben, ist bedauerlich, denn sie zerstört die große, schöne Kinoillusion, die die wahnsinnige Liebesgeschichte geschaffen hat: da wird eine alte Lilly Wust aus ihrer Berliner Wohnung ins Altersheim geschafft, quasi im Rückblick entfaltet sich der Film als ihre Lebensgeschichte. Und vorm Abspann erleben wir dann, wie Lilly im Altenwohnheim ihre alte Rivalin um Felices Gunst, Ilse, wiedertrifft. Eine überflüssige Konstruktion, denn wir erfahren nur, was wir ohnehin schon wissen: Lilly ist an der Größe und Kompromißlosigkeit ihrer Liebe zerbrochen, Felice nie aus dem Konzentrationslager zurückgekehrt.

Nach "Comedian Harmonists" ein weiterer Senator-Film zum Thema deutsche Vergangenheit, bevor das Jahrhundert endgültig mit Karracho ins neue Jahrtausend startet. Gut, die Zukunft nicht losgelöst von der Vergangenheit zu sehen. Ob der wilden Liebesgeschichte kommerziell ein ähnlicher Erfolg beschieden sein wird, kann nur die Zukunft zeigen. Die Weichen sind - nicht zuletzt mit dem Starttermin (Berlinale) - jedenfalls auf Erfolg gestellt. boe.

Aimée & Jaguar

Darsteller:  Maria Schrader   als Felice Schragenheim
  Juliane Köhler   als Lilly Wust
  Johanna Wokalek   als Ilse
  Heike Makatsch   als Klärchen
  Elisabeth Degen   als Lotte
  Detlev Buck   als Günther Wust
  Inge Keller   als Lilly 1997
  Kyra Mladeck   als Ilse 1997
  Margit Bendokat   als Frau Jäger
  Jochen Stern   als Werner Lause
  Prof. Peter Weck   als Chefredakteur Keller
  Hans-Christoph Blumenberg   als Stefan Schmidt
  Klaus Manchen   als Vater Kappler
  Sarah Camp   als Mutter Kappler
  Désirée Nick   als Erika
  Patrizia Moresco   als Maria
  Karin Friesecke   als Marlene
  Dani Levy   als Fritz Borchert
  Lia Dultzkaya   als Großmutter Hulda
  Klaus Koennecke   als Herr Ude
  Barbara Focke   als Frau Ude
  Dorkas Kiefer   als Tanja
  Werner Rehm   als Dirigent
  Rüdiger Hacker   als Ernst Biermösl
  Peer Jäger   als Herr Pohl
  Anette Felber   als Frau Pohl
  Bastian Trost   als Leutnant
  Rosel Zech   als blonde Frau
  Carl Heinz Choynski   als Brummer
  Ulrich Matthes   als Eckert
 
Regie:  Max Färberböck  
Drehbuch:  Max Färberböck  
  Rona Munro  
Produzent:  Hanno Huth  
  Prof. Dr. Günter Rohrbach  
Buchvorlage:  Erica Fischer  
Kamera:  Tony Imi  
Schnitt:  Barbara Hennings  
Musik:  Jan A.P. Kaczmarek  
Produktionsdesign:  Albrecht Konrad  
  Uli Hanisch  
Kostüme:  Barbara Baum  
Maske:  Gerlinde Kunz  
  Gerhard Nemetz  
  Horst Allert  
Ton:  Benjamin Schubert  
  Michael Kranz  

Star

Maria Schrader

Deutsche Schauspielerin. Geb. 1965 in Hannover. In den 90er-Jahren war sie als kraftvoll rebellische, wilde, kapriziöse, unschuldig-naive...

Star

Juliane Köhler

Deutsche Schauspielerin. Sie arbeitet gern mit Regisseurinnen, weil die sie verstehen, und die Frauen, so sie den Stoff in- und auswendig...

Top-Filme der Woche

 

kino.de kompakt

In der aktuellen Ausgabe: Große Preview zu Martin Scorseses "Hugo Cabret"!

Zum Magazin

Das interaktive Kinomagazin jede Woche kostenlos per Mail - jetzt registrieren!

GO

Ähnliche Filme auf DVD & Blu-ray

 

Service

kino.de mobil

kino.de mobil

Das aktuelle Programm Ihres Lieblingskinos haben Sie überall dabei - kostenlos auf Ihrem Handy.