Wenn Menschen in Kino- und Fernsehfilmen nicht lesen können, fragt man sich meistens zweierlei: Was haben die eigentlich während ihrer Schulzeit gemacht? Und wieso ist das nie jemandem aufgefallen? Auf der anderen Seite sind vermutlich selbst die absurdesten Drehbucheinfälle realistisch; immerhin gibt es schätzungsweise rund vier Millionen erwachsene Deutsche, die gar nicht oder kaum lesen und schreiben können.
In dem sanft dramatischen ZDF-Film "ABC des Lebens" gibt Hauptfigur Viktor (Jan-Gregor Kremp) auf die erste Frage eine schlüssige Antwort: Er hat in der Schule immer vor sich hin geträumt. Und wie er sich durch's Leben laviert, sieht man: Er verliert einen Job nach dem anderen, weil es selbst bei der Gartenarbeit irgendwann ganz wichtig sein kann, dass man des Lesens fähig ist. Zum Beispiel, wenn man den WC-Reiniger in der chemischen Toilette nachfüllen soll: Weil Viktor nicht weiß, welchen Sack er nehmen muss, kippt er Unkrautvernichter ins Klo. Als später sein Chef eine brennende Zigarette reinschmeißt, fliegt ihm das ganze Häuschen um die Ohren.
Anders als in den meisten Filmen dieser Art ist Viktors Leseschwäche aber nur Mittel zum Zweck, und das macht die Geschichte von Christos Yiannopoulos so sympathisch: Eigentlich ist "ABC des Lebens" ein Liebesfilm. Gleich zu Beginn lernt Viktor ausgerechnet Buchhändlerin Christiane (Anica Dobra) kennen und verguckt sich ein bisschen in sie. Dass sie ihm ein Hörbuch schenkt, ist ebenso praktisch wie die Tatsache, dass er gerade mal wieder gefeuert worden ist: So kann er ihr beim Renovieren ihres neuen Buchladens helfen. Dummerweise gibt er sich als Gartenbauarchitekt aus, was natürlich nicht gut gehen kann; ebensowenig wie seine traute Idylle mit Söhnchen Simon (steht den Großen in nichts nach: Marcus Venghaus), der erst eifersüchtig auf Christiane ist, dann in der Schule immer schlechter wird und schließlich zu seiner Mutter (Cathrin Striebeck) flieht.
Klingt dramatisch, ist es auch; aber Regisseur Titus Selge fängt den Film immer wieder auf, bevor er sich selber zu sehr 'runterzieht. Einzig die weitgehend unbunten Bilder (Kamera: Frank Blau) deuten an, dass die vorwiegend heiter erzählte Geschichte doch ernster ist, als so mancher Dialog Glauben machen will. "Papa ist 'ne richtige Leseratte", kräht der Filius fröhlich, als sich die beiden mit der Buchhändlerin anfreunden. Stimmt beinahe: Beim Schlafengehen ist es Simon, der seinem Vater vorliest; am liebsten aus dem Wirtschaftsteil, da schläft Papa sofort ein. tpg.
| Darsteller: | Jan-Gregor Kremp | als Viktor Dahlke | |
|---|---|---|---|
| Marcus Venghaus | als Simon Dahlke | ||
| Anica Dobra | als Christiane | ||
| Catrin Striebeck | als Karin | ||
| Adnan Maral | als Genschai | ||
| Neithardt Riedel | als Udo | ||
| Heinrich Giskes | als Niemöller | ||
| Tolgahan Aydemir | als Tayfun | ||
| Carine Huber | als Lehrerin | ||
| Andreas Wellano | als Imbiss-Besitzer | ||
| Ellen Schulz | als VHS-Lehrerin | ||
| Regie: | Titus Selge | ||
| Drehbuch: | Christos Yiannopoulos | ||
| Produzent: | Karl-Eberhard Schäfer | ||
| Norbert Walter | |||
| Kamera: | Frank Blau | ||
| Musik: | KAB Fischer | ||
| Produktionsdesign: | Károly Pákozdy | ||
| Kostüme: | Susanne Roggendorf | ||
| Ton: | Kurt Eggmann | ||
| Casting: | Irene Ispert | ||
Der Schauspieler Jan-Gregor Kremp schien lange die Idealbesetzung für finstere Bösewichte. Mit Rollen wie der des "Polizeiruf 110"-...
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