Drama http://images.kino.de/flbilder/max09/mbiz09/mbiz49/z0949512/b150x150.jpg 12:08 Jenseits von Bukarest

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12:08 Jenseits von Bukarest


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12:08 Jenseits von Bukarest

Im kleinen Nest Vaslui östlich von Bukarest findet im Lokalfernsehsender eine Livediskussionsrunde statt. Anlässlich des Jahrestages des Sturzes Ceausescus am 22. Dezember 2005 soll sie die brennende Frage klären, ob es schon Stunden vor der Revolution in Bukarest erste Proteste in Vaslui gab. Das Kammerspiel entwickelt sich nach und nach zu einer Farce um verdrängte rumänische Geschichte und Identität.

Tiberiu Manescu ist Geschichtslehrer in einer rumänischen Provinzstadt. Zum Ärger seiner Frau geht sein gesamter Lohn für die Begleichung der Schulden drauf, die er regelmäßig in seiner Stammkneipe anhäuft. Zusammen mit dem einsamen Rentner Emanoil Piscoci, der seinerseits der altgediente Weihnachtsmann der Kleinstadt Vaslui ist, wird er vom Chef des Lokalsenders Virgil Jderescu zu einer Diskussion vor laufender Kamera geladen.
Zum 16. Jahrestag der Rumänischen Revolution am 22. Dezember 2005 soll es mit diesen illustren Gästen um die Frage gehen: "Gab es eine oder gab es keine?" - so die wörtliche Übersetzung des Originaltitels. Gab es eine Revolution im kleinen Vaslui, noch bevor die Menschen in Bukarest auf die Straße gingen?
Die Frage, ob es in der beschaulichen Provinzstadt eine "Revolution" gegeben hat - ob also schon vor dem offiziellen Sturz Ceausescus am 22. Dezember 1989 um 12.08 Uhr Menschen auf dem Stadtplatz demonstriert haben - ist gar nicht so leicht zu klären. Denn wie sich bald herausstellt, steht der wohlgemeinten Aufklärung, dem rationalen Diskurs, einiges im Weg.
Da ist zum einen die Technik: Immer wieder wackelt die Kamera, verrutscht der Bildausschnitt oder knistert der Ton, weil der nervöse Piscoci vor seinem Mikrofon Papierschiffchen bastelt und Manescu, der Held der frühen Stunde, mit Papierfetzchen spielt. Der Moderator, als ehemaliger Textilfabrikant ein relativer Novize im Fernsehgeschäft, ist mit der Gesprächsführung und seinen Platon-Zitaten überfordert.
Und dann stellt sich die Darstellung der Ereignisse aus Sicht der Gäste rasch als zumindest angreifbar heraus. Denn wo Manescu stur darauf beharrt, mit anderen ehrbaren Lehrern auf dem Stadtplatz demonstriert zu haben, wollen mehrere Studioanrufer nur das Gepöbel einer Gruppe von Betrunkenen bemerkt haben - oder gar niemanden.
Als sich schließlich auch noch der ehemalige Geheimdienst Securitate in Form eines zugeschalteten Anrufers einmischt, wird die Wahrheitsfindung endgültig unmöglich ...

"Draußen schneit es, wie früher!", sagt eine Anruferin den Studiogästen, und bringt damit zum Ausdruck, was auch die Studiogäste empfinden: Vergangenheit und Gegenwart durchdringen sich. Die Frage 'Was geschah wirklich auf dem Stadtplatz?' wird zunehmend unwichtiger. Der Film, ein reines Kammerspiel, wird zu einer gelungenen Farce um die ungeleistete Vergangenheitsbewältigung, die Identitätsprobleme und auch die Narben nicht nur dieses Städtchens, sondern einer ganzen Nation.
"12:08 Uhr Jenseits von Bukarest" gewann 2006 in Cannes die Caméra d'Or für den besten Debütfilm und zählt zu den Filmen des Neuen Rumänischen Kinos, das soziale Problematiken vor und nach dem Regime Ceausescus in den Mittelpunkt rückt.

Quelle: ARTE, www.arte.tv

12:08 Jenseits von Bukarest

Darsteller:  Mircea Andreescu   als Emanoil Piscoci
  Teodor Corban   als Virgil Jderescu
  Ion Sapdaru   als Tiberiu Manescu
  Mirela Cioaba   als Doamna Manescu
  Luminita Gheorghiu   als Doamna Jderescu
  Cristina Ciofu   als Vali
  Lucian Iftime   als Lica
  Annemarie Chertic   als Vera
  Petrica Sapdaru   als Petrica
  Constantin Dita   als Tibi
 
Regie:  Corneliu Porumboiu  
Drehbuch:  Corneliu Porumboiu  
Produzent:  Corneliu Porumboiu  
Ausf. Produzent:  Daniel Burlac  
Kamera:  Marius Panduru  
Schnitt:  Roxana Szel  
Musik:  Rotaria  
Produktionsdesign:  Daniel Raduta  
Kostüme:  Monica Raduta  

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