Originaltitel: 101 Dalmatians
USA 1996
Glenn Close
Jeff Daniels
Joely Richardson
Regie: Stephen Herek
Verleih: Buena Vista
Durch geschickte Intervention verkuppeln die Dalmatiner Pongo und Perdi den Videospieldesigner Roger und Modezeichnerin Anita miteinander. Bald erwarten beide Paare Nachwuchs. Anitas Arbeitgeberin Cruella DeVil hat es schon bald auf die 15 Dalmatiner-Welpen des Haushalts abgesehen, holt sich aber von Roger eine Abfuhr. Darufhin werden zwei Gauner engagiert, die die Hundebabies entführen sollen.

Achtung, die Hunde sind los! Glenn Close ("Eine verhängnisvolle Affäre") entwickelt in dem Spielfilm-Remake des Disney-Zeichentrickfavoriten von 1961 als die hexenhafte (Hunde)Pelzliebhaberin Cruella De Vil eine fatale Attraktion für einen Wurf knuddeliger Dalmatinerwelpen. Für die Nineties-gerechte Drehbuchaufbereitung zeichnet John Hughes verantwortlich, der vor sechs Jahren verstand, mit "Kevin - Allein zu Haus" das Genre Familienkomödie neu zu definieren - und dessen Faible für cartoonhaften Slapstick-Sadismus auch hier wieder ausgiebig zum Vorschein tritt.
Das Regieruder hält Stephen Herek ("Mighty Ducks - Das Superteam") fest in beiden Händen. Jüngst mit seinem kraftvollen Drama "Mr. Holland's Opus" zu Kritiker- und Publikumsehren gekommen, wendet er sich nun wieder seinen Family-Entertainment-Wurzeln zu: Selbst auf dünnstem Ploteis versteht er es, kunstvoll dargebotene Komödienpirouetten einfachsten Erheiterungsgrades zu drehen, wobei er sich auf den hohen Wiedererkennungswert der Geschichte verlassen kann, die nur geringfügig modifiziert wurde. Ein Teil des Spasses beseht ja gerade darin zu sehen, wie altbekannte Zeichentrick-Szenen im Liveaction-Format funktionieren.
Videospieldesigner Roger (Jeff Daniels nach "Amy und die Wildgänse" wieder auf festem Boden) und die Modezeichnerin Anita (Joely Richardson, Tochter von Vanessa Redgrave) werden sie von ihren beiden Dalmatiner Pongo und Perdi im Londoner Park kennen und heiraten kurz darauf. Bald erwarten beide Paare Nachwuchs. Anitas Arbeitgeberin, die extravagante Cruella De Vil (Close), hat es schon bald auf die Haut der 15 neugeborenen Welpen abgesehen und schickt ihre dumpfen Handlanger zum Hundenapping. Mit Hilfe vielzähliger Vertreter der örtlichen Tierwelt können die Dalmatiner-Eltern ihre verschleppten Sprößlinge auf einem verfallenen Landgut wieder auftreiben. Den Ganoven wird ihre Untat mit zahllosen Slapstick-Folterprozeduren vergolten, und Cruella stürzt nicht nur in einen Bottich aus Molasse, schließlich landet die Ausgeburt an Bosheit im Misthaufen.
Im Gegensatz zum Original wurde auf einen sicheren Niedlichkeitsfaktor verzichtet: Abgesehen von artgerechten Kommunikationslauten bleiben die Vierbeiner diesmal stumm, um, so Hughes, "realitätsgetreuer" zu wirken. Des Menschen bester Freund in 101facher Ausführung ist dennoch einfach umwerfend süß, selbst wenn die 99 Welpen nicht viel mehr zu tun haben, als tolpatschig durchs Bild zu trappeln. Mit Hilfe von Jim Hensons Creature Shop wurden neben einigen animatronischen Puppy-Stand-Ins zudem noch etliche tierisch possierliche Sidekicks wie Mäuse, Vögel und Waschbären kreiert. Was die animalischen Stars an rührender Herzigkeit - nur ein Hundehasser könnte nicht von der Anhänglichkeit der Dalmatinereltern Pongo und Perdy angetan sein - zu bieten haben, kontert Close als diabolische Cruella De Vil mit genußvoll überspitzter Exaltiertheit. In grandiosen, auf Wespentaille geschneiderten Pelzkostümen verströmt sie bis in die bekrallten Handschuhfingerspitzen sinister-schrille Eleganz. Ihre boshaften Dialoge bellt sie mit der Liebenswürdigkeit einer bissigen Dogge, und ihre mit krachendem Donner untermalten Entrees könnten so manches Kleinkind in Angst und Schrecken versetzen. Besonders ins Auge sticht darüber hinaus das hervorragende, durchgestylte Produktionsdesign - ein optischer Hochgenuß. Ob die neue Version nun eine Verbesserung zum Original darstellt, sei dahingestellt, doch im Zuge massiver Crosspromotion und dem unwiderstehlichen Reiz der Hundebabys wird ein kommerzieller Sieg nach (Dalmatiner-Fell-)Punkten unter keinen Umständen zu verhindern sein. ara.
| Darsteller: | Glenn Close | als Cruella DeVil | |
|---|---|---|---|
| Jeff Daniels | als Roger | ||
| Joely Richardson | als Anita | ||
| Joan Plowright | als Nanny | ||
| Hugh Laurie | als Jasper | ||
| Mark Williams | als Horace | ||
| John Shrapnel | als Skinner | ||
| Regie: | Stephen Herek | ||
| Drehbuch: | John Hughes | ||
| Produzent: | John Hughes | ||
| Ricardo Mestres | |||
| Ausf. Produzent: | Edward S. Feldman | ||
| Buchvorlage: | Dodie Smith | ||
| Kamera: | Adrian Biddle | ||
| Schnitt: | Trudy Ship | ||
| Musik: | Michael Kamen | ||
| Produktionsdesign: | Assheton Gorton | ||
"Oh, sind die süß!" entfuhr es wohl dem ein oder anderen kleinen Kinogänger beim Anblick der schwarz-weißen Welpen.
Cruella De Vil führt mit den 101 Dalmatinerwelpen nichts Gutes im Schilde (Foto: Disney)
In der Zeichentrick-Version von "101 Dalmatiner" bellten sich die niedlichen Hundebabys bereits 1961 in die Herzen der Zuschauer, doch auch die echten Vierbeiner wussten, wie man den perfekten Hundeblick aufsetzt. Am 27. November 1996 startete die Realverfilmung des Disney-Klassikers in den amerikanischen Kinos und machte die Dalmatiner zur neuen Lieblingsrasse der Nation.
Dabei hielt sich das Remake sehr eng an das gezeichnete Original und achtete bei der Besetzung der Hauptdarsteller auf Ähnlichkeiten zu den Trickfiguren. Glenn Close wirkte in ihrem gruseligen Kostüm tatsächlich so abschreckend auf einige der Dalmatinerwelpen, dass die sich vor ihr am liebsten verstecken wollten. Einen großen Unterschied zur Vorlage gab es jedoch: Die echten Welpen konnten im Film nicht sprechen.
Auch sonst waren die schwarzgepunkteten Stars nicht ganz so umgänglich wie die Zeichentrickhelden. Damit sie ihr Herrchen Roger liebevoll ableckten, musste Darsteller Jeff Daniels vorher mit Bratensaft und Hot Dogs eingerieben werden. Und von wegen 101 Dalmatiner - ganze 217 Hunde wurden für die Dreharbeiten benötigt!
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