Die Fantastischen Vier

Die Fantastischen Vier

Leben & Werk

1989 beschlossen vier Stuttgarter Rap-Fans, dass HipHop auch auf Deutsch funktionieren müsse. Die Fantastischen Vier wurden Wegbereiter, Pioniere und nicht zuletzt die erfolgreichste Gruppe des Deutschen HipHop.

Michael “Smudo” Schmidt und Andreas “AndY” wuchsen in der schwäbischen Provinz in der Nähe von Stuttgart auf. Über den US-Sender AFN und die örtlichen Army-Clubs erhielten sie ihre musikalische Frühprägung in Sachen schwarzer Musik. In ihren Jugendzimmern programmierten sie erste eigene musikalische Fragmente und gründeten mit dem aus einem Nachbardorf stammenden Thomas “D” Dürr die Rap-Formation Terminal Team. Sie kopierten alle denkbaren Klischees der US-Vorbilder wie Run DMC, Public Enemy und der Beastie Boys, inklusive Baseballkaps und englischen Texten und präsentierten ihre Tracks bei Auftritten in örtlichen Jungendheimen. Später schloss sich Michi “DJ Hausmarke” Beck der Formation an. Bei einem Trip durch die USA kamen Smudo und Thomas D die Idee, ihre Raps mit deutschen Texten auszuprobieren. Erste Versuche auf Strandparties stießen auf positive Resonanz, und der Entschluss war gefasst.

Nach ihrer Rückkehr im Sommer 1989 legten sie das Kapitel Terminal Team ad acta und beschallten fortan als die Fantastischen Vier mit deutschem Sprechgesang die Provinz. Im DJ und Plattenladen-Besitzer Andreas “Bär” Läsker fanden sie einen Mentor, der sie als Antreiber, Fahrer und schließlich auch als Manager begleitete. Die deutsche HipHop-Subkultur hatte mittlerweile in Sprayer- und Breakdance-Kreisen einen gesunden Nährboden gefunden, brodelte im Untergrund mit einer wachsenden Zahl von Crews und Bands, die zunehmend Tapes und Maxis veröffentlichten. Auch die Plattenindustrie hatte von dem neuen Trend Wind bekommen und nahm im Jahr 1991 die Fantastischen Vier unter Vertrag. Im September erschien mit “Hausmeister Thomas D” die erste deutsche Rap-Produktion bei einem Majorlabel, wenig später folgte das Debütalbum “Jetzt geht’s ab”. Die Popwelt staunte über die ungewohnten, ebenso witzigen wie Energie geladenen Klänge aus Schwaben, während in HipHop-Kreisen bereits erste Ausverkaufs-Vowürfe laut wurden. Die Fantastischen Vier bereisten indes weiter die Konzertbühnen der Nation, spielten bei großen Festivals mit internationalen HipHop-Größen wie De La Soul, Ice T und Run DMC und säten weiter die Saat des deutschen Sprechgesangs. “Jetzt geht’s ab” wurde mit 18.000 verkauften Einheiten ein respektabler Erfolg.

Schon im zweiten Jahr folgte der große Durchbruch: Die Single “Die da” vom zweiten Album “Vier gewinnt” geriet mit seinem Ohrwurm-trächtigen Pfeif-Sample und der einfach gestrickten Verwechslungsstory zum großen Hit, wurde im Radio rauf und runter gespielt und rückte schließlich bis in die Top Ten der Charts vor. Die Fantastischen Vier und damit der deutsche HipHop waren plötzlich in aller Munde, die “Bravo” nahm sich der Band ebenso begeistert an wie die “Bild”-Zeitung, und die Konzertreisen entwickelten sich zu Triumphzügen. Der HipHop-Untergrund war empört. Doch schon bald hatten die vier Schwaben genug von der überwältigenden Medienpräsenz und dem neuen Status als Teenie-Stars. So folgte mit “Die vierte Dimension” 1993 der Befreiungsschlag. Die Band entwickelte sich weg von allzu albernen Texten und pfiffigen Melodien, experimentierte zunehmend mit härteren Beats, psychedelischen Sounds und Texten. So erlangte die Formation langsam wieder den Respekt der Szene zurück, während in gleichem Maße das Interesse der Teenie- und Boulevard-Magazine schwand.

Nachdem sie für den Fernsehsender Premiere die 26 Folgen starke Fernsehshow “Die vierte Dimension” produziert hatte, widmete sich die Band erstmals experimentellen Nebenprojekten: Smudo musizierte mit der Jazzkantine und gemeinsam mit der Frankfurter Metal-Band Megalomaniacs formierten die Schwaben das Rap-Rock-Projekt Megavier, veröffentlichten eine Platte und gingen auf ausgedehnte Tour. Die deutsche HipHop-Szene hatte mittlerweile einige neue Stars bekommen, darunter die Hamburger Tobi und das Bo sowie das Frankfurter Rödelheim Hartreim Projekt. Mit letzteren verband die Fantastischen Vier eine innige Rivalität, die in gegenseitigen verbalen Anfeindungen zum Ausdruck kam und so die Tradition des “Dissens” auch im deutschen HipHop zur vollen Blüte trieb. Für ihre Konzerte holte sich die Band Unterstützung von der Band Disjam, die den Rappern half, ihre zunehmend anspruchsvolleren und atmosphärischeren Produktionen auch live angemessen umzusetzen.

1995 meldeten sich die Fantastichen Vier mit ihrem vierten Album “Lauschgift” zurück. Mit der ersten Single “Sie ist weg” gelang der Band ihr bis dahin größter Hit, der auch erstmals bis an die Spitze der Singles-Charts kletterte. Das Album präsentierte deutlicher denn je die unterschiedlichen Einflüsse der vier Bandmitglieder, die sich mittlerweile zu eigenständigen Songwritern mit unterschiedlichen Vorlieben entwickelt hatten. So präsentierte Thomas D. mit seinem esoterisch angehauchten Tribal-Track “Krieger” einen der stärksten Songs der Platte, während Smudo mit dem funkigen “Populär” eine weitere Erfolgssingle beisteuerte. Nach weiteren umjubelten Tourneen galt es für die Band, neue Herausforderungen zu suchen. Auf Anraten von Manager Bär gründeten die Vier mit Four Music ihre eigene Plattenfirma, der ein Tonstudio und später auch ein eigener Musikverlag angeschlossen waren. Parallel zum Start der Firma auf der Popkomm 1996 veröffentlichten die Fantastischen Vier die Live-Platte “Live und Direkt”, die den Abschluss der ersten Schaffensphase markierte und eine ausgedehnte Auszeit einläutete.

In den folgenden Monaten konzentrierten sich die Bandmitglieder auf eigene Projekte: Thomas D bereiste die Nation in einem Wohnmobil, veröffentlichte sein erfolgreiches Solo-Debüt “Solo” und landete mit “Rückenwind” einen Single-Hit. DJ Hausmarke tat es ihm wenig später mit seiner ersten Solo-Platte “Weltweit” gleich, die ebenfalls zum veritablen Erfolg wurde und trat wieder verstärkt als DJ in Erscheinung. AndY widmete sich dem Ausbau des bandeigenen Studios, während Smudo seine Zelte in Stuttgart abbrach und nach Hamburg umsiedelte. Pünktlich zum zehnjährigen Bühnenjubiläum fand die Gruppe 1998 wieder zusammen und machte sich an die Produktion ihres fünften Longplayers. “4:99″ kam 1999 auf den Markt, wurde erneut ein großer Erfolg und hielt mit “MfG” eine weitere Hit-Single parat. Auf der anschließenden Tournee begleitete der Regisseur Dieter Zimmerman die Band und sammelte dabei große Teile des Material für den ersten Fanta-4-Film “Was Geht”. Der kam anlässlich des nächsten Jubiläums, dem zehnjährigen Bestehen der Band, im Jahr 2001 in die Kinos. Zuvor wurde ihnen die seltene Ehre zu Teil, als deutsche Band ein Unplugged-Konzert für den Musiksender MTV aufnehmen zu dürfen. Dafür legte sich die Gruppe dann auch ordentlich ins Zeug und vollführte, unterstützt von einer 22-köpfigen Band, einen atmosphärischen und vielgelobten Auftritt in einer Höhle im Schwabenland. Ein Mitschnitt des Höhlen-Konzerts erschien wenig später auf CD.

In der Folgezeit standen wieder Soloprojekte auf der Agenda: Thomas D schuf sein Alter Ego Reflektor Falke und veröffentlichte eine weitere Soloplatte, auf der er seinen esoterischen Neigungen ungeniert Ausdruck verlieh. Zudem legte er das Crossover-Projekt Son Goku auf. DJ Hausmarke gründete mit seinem DJ-Kollegen Thomilla das House-Projekt Turntablerocker, mit dem in der Folge Hits einige Hits und zwei erfolgreiche Alben veröffentlichte. AndY bastelte weiter im Studio. Während Smudo seinem Hobby Autorennfahren fröhnte, steuerte er mit “Rudi” seine erste Solosingle für den Sampler “Pop 2000″ bei und ging gemeinsam mit Martin Semmelrogge und Günther Amendt auf Lesereise mit dem Stück “Fear and Loathing in Las Vegas“, das später auch auf CD erschien. 2002 fanden die Fantastischen Vier wieder zusammen, stärkten den Bandgeist bei einer ausgedehnten Unplugged-Tour und veröffentlichten 2003 mit “Live in Stuttgart” ein weiteres Live-Album. Während der folgenden Monate widmete sich die Band intensiv der Produktion ihres sechsten Studio-Albums, das schließlich im Jahr 2004 fertig gestellt wurde. “Viel” erschien im Spätsommer 2004, stieg auf Position zwei in die Deutschen Album-Charts ein und präsentierte mit “Troy” erneut eine durchschlagende Hitsingle.

Auf der anschließenden Tour, die sie durch die größten Hallen Deutschlands führte, stellten die Stuttgarter einmal mehr klar, dass sie nach wie vor zu den Spitzenkräften der deutschen HipHop-Szene zählten. Zum Abschluss des überaus erfolgreichen Jahres 2005 folgte ein Doppelschlag in Form der Live-CD/DVD “Viel Live” und der Hit-Kopplung “Best Of – 1990 – 2005″. Ohne Pause machte man sich im Jahr 20006 an die Produktion eines neuen Studioalbums, das unter dem Titel “Fornika” im April 2007 auf den Markt kam und aus dem Stand die Charts-Spitze erreichte.

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