Zwei Tage, eine Nacht (2014)

Originaltitel: Deux jours, une nuit
Zwei Tage, eine Nacht Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (1)
  1. Ø 5
Kritikerwertung (2)
  1. Ø 4

Filmhandlung und Hintergrund

Zwei Tage, eine Nacht: Ebenso realistisches wie bewegendes Drama um eine junge Frau, die um ihren Job kämpft, von den preisgekrönten Dardenne-Brüdern.

Sandra (Marion Cotillard) arbeitet in einer kleinen Firma, doch eines Tages steht plötzlich ihr Job auf der Kippe. Die Mitarbeiter sollten darüber abstimmen, ob sie lieber ihre jährliche Bonuszahlung erhalten wollen oder ob sie darauf verzichten können und damit den Job von Sandra sichern. Beides kann sich der Chef nicht leisten. Bei der Abstimmung wurde sehr eindeutig entschieden, dass Sandra gehen muss. Doch Sandra ist nicht bereit, das so einfach hinzunehmen, denn die Familienmutter ist auf das Geld angewiesen, um über die Runden zu kommen. Sie sucht das Gespräch mit der Geschäftsführung und sie ist bereit, die Abstimmung noch einmal wiederholen zu lassen. Jetzt heißt es Überzeugungsarbeit leisten, denn Sandra bleibt nur knapp ein Wochenende, nämlich zwei Tage und eine Nacht, um die Mitarbeiter abzuklappern und sie davon zu überzeugen auf ihr Geld zu verzichten, damit Sandra den Job weiterhin behält.

Das stellt sich schnell als schwierige Herausforderung dar, denn den meisten Mitarbeitern geht es finanziell selbst nicht sonderlich gut und sie wollen aus diesem Grund nur ungern auf ihre Zahlung von 1.000 Euro verzichten. Sie sucht das Gespräch mit jedem Mitarbeiter einzeln und erfährt von Schicksalen, Engpässen und dem täglichen Kampf die Miete und zahlreiche Rechnungen zu zahlen und nebenbei den Kindern ein schönes Leben zu bieten. Wird ihr es dennoch gelingen, mit der Unterstützung ihres Ehemanns Manu (Fabrizio Rongione), die Mitarbeiter davon zu überzeugen auf das attraktive Geld zu verzichten und damit die eigene Existenz zu sichern?

Das belgische Regie-Brüderpaar Jean-Pierre Dardenne und Luc Dardenne konnte sich in Arthouse-Kreisen mit sozialen Dramen wie „Rosetta“ oder „Das Kind“ einen Namen machen und konnten schon zwei Mal die Goldene Palme in Cannes gewinnen.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Das belgische Drama "Zwei Tage, eine Nacht" ist äußerlich nicht viel mehr als das filmische Protokoll mehrerer kurzer Gespräche unter vier Augen. Eine Frau bittet ihre Kollegen, für den Erhalt ihrer Stelle zu stimmen und dafür auf 1000 Euro zu verzichten. Aber unter der Regie der Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne ("Der Junge mit dem Fahrrad", "Das Kind") entfaltet die Geschichte eine existenzielle Wucht, die der Zuschauer unmittelbar zu spüren bekommt. Besonders in Zeiten der Wirtschaftskrise wird ja oft argumentiert, dass Entlassungen nötig sind, um das Einkommen der verbleibenden Mitarbeiter zu sichern. Dass Sandra ihren Kollegen gegenübertritt und ihnen sagt, dass sie auch dazugehören will – ohne an ihr Mitleid zu appellieren – erfordert viel Mut.

    Sandras Kollegen, die für den Bonus stimmten, sind weder böse, noch rücksichtslos, sondern auf das Geld angewiesen. Das erfährt sie in den Gesprächen mit Eltern, die die Ausbildung ihrer Kinder bezahlen müssen oder Leuten, die ein Haus bauen. Klar, vielleicht könnte der eine oder andere auf eine neue Terrasse oder Wohnzimmereinrichtung auch verzichten. Aber gerade diese Grauzone, wie weit Sandra mit ihrer Bitte um Unterstützung gehen kann, macht ihre Argumentation so atemberaubend spannend. Diese Intensität der Dialoge bringt alle Beteiligten an ihre Grenzen. Einige Kollegen sichern ihr vorbehaltlos ihre Stimme zu, andere sind peinlich berührt, rechtfertigen sich, oder werden aggressiv. Sandra selbst ist umso verletzlicher, als sie sich gerade aus ihrer Depression herausschält. Sie schwankt schnell zwischen hocherfreut und zu Tode betrübt. Marion Cotillard spielt Sandra sehr zurückgenommen, betont sachlich um Haltung ringend – und dabei erst recht bewegend. Ihr Mann bemüht sich unermüdlich, sie durch alle Selbstzweifel und die bittersten Momente zu schleusen, ohne dass sie viel miteinander reden würden. Weil Sandra ihr Schicksal so aktiv selbst in die Hand nimmt, ist der Film auch unabhängig vom Ausgang der Abstimmung ausgesprochen positiv.

    Fazit: In ihrem Drama "Zwei Tage, eine Nacht" verwandeln die belgischen Filmemacher Jean-Pierre und Luc Dardenne das Thema soziale Solidarität in der Wirtschaftskrise in spannende Kinounterhaltung, die unter die Haut geht.
  • Ebenso realistisches wie bewegendes Drama um eine junge Frau, die um ihren Job kämpft, von den preisgekrönten Dardenne-Brüdern.

    Drei Jahre, nachdem sie bei “Der Junge mit dem Fahrrad” mit Cecile de France erstmals mit einer professionellen Schauspielerin gearbeitet hatten, steht mit Marion Cotillard nun abermals ein Profi vor der gewohnt unbestechlichen Kamera der Dardenne-Brüder. Reibung entstand keine: Die Oscar-Preisträgerin fügt sich nahtlos in die so dokumentarisch echte und nachvollziehbare Welt, die die zweifachen Goldene-Palme-Gewinner so mühelos evozieren. Wie sie mit ebenso großer Liebe wie Unerbittlichkeit trügerisch einfach von den Nöten ganz normaler Menschen auf der unteren Stufe der Unterschicht erzählen, ist auch hier wieder unwiderstehlich.

    “Zwei Tage, eine Nacht” ist sozusagen “Die Faust im Nacken”, wie er vielleicht von Bresson gedreht worden wäre, ein Film, der die Solidarität derer beschwört, die ohnehin nichts haben, ein Herzen brechendes Drama, das aus einer ganz einfachen Prämisse besteht: Eine Frau hat ein Wochenende lang Zeit, ihre 16 Kollegen davon zu überzeugen, bei einer am Montag bevorstehenden Wahl dafür zu stimmen, dass sie ihren Job behalten darf – dafür müssen sie allerdings auf den Jahresbonus von jeweils 1000 Euro verzichten. Das ist so high concept, wie man sich einen Film der Dardennes nur vorstellen mag. Aber wie sie daraus eine Geschichte entwickeln, die mit soviel Bodenhaftung soviel Wucht entfaltet, einen zutiefst rührt und bewegt, ist allergrößte Kinokunst, wie sie außer dem Brüderpaar nur wenige beherrschen. Zusätzliches Gewicht erhält das existenzbedrohende Dilemma dadurch, dass bei einer ersten Wahl nur zwei Kollegen für sie gestimmt haben – die Wahl nun nur wegen technischer Unregelmäßigkeiten wiederholt wird und weil Vorarbeiter Jean-Luc Druck auf die Arbeiter ausgeübt hat.

    Mit der Hilfe ihres Ehemannes zieht Sandra, die wegen einer schweren Depression monatelang nicht in der kleinen Firma arbeiten konnte und in ihrer Abwesenheit sozusagen obsolet geworden ist, also los, in einer Mischung aus Kreuzweg und Sisyphusarbeit. Jede gewonnene Stimme treibt sie an, jede Absage wirft sie in ein immer noch größeres Jammertal, setzt ihr körperlich und seelisch zu. Schlussendlich steuert die Geschichte, eine Art Variante von “Zum Beispiel Balthasar”, auf einen ebenso verblüffenden wie genialen Schluss zu, weniger versöhnlich wie der Vorgänger, aber mit einer kämpferischen Lust, wie man sie bei den Dardennes noch nicht gekannt hat: Aufrechten Hauptes verlässt die Heldin den Film, beseelt der Zuschauer den Kinosaal. ts.
  • Marion Cotillard lässt ihre Persönlichkeit als Filmstar sowie ihr glamoröses Aussehen mal aussen vor, um im neuen Film der Dardennes eine Heldin der Arbeiterklasse zu spielen. Für Cotillard ist der Film eine willkommene Abwechslung, für die Dardennes aber nicht. Weder von der Thematik her, noch von der Tonart passt Deux jours, Une Nuit in das Oeuvre der belgischen Brüder. Mit Ehrlichkeit und filmischer Eleganz zeigten sie das Leben der einfachen Menschen und immer wieder deren Kampf mit den Widrigkeiten der Armut. Der Unterschied ist diesmal schlicht, dass wir einen gefeierten internationalen Star sehen. Nun werden viele sagen, wie mutig Cotillard sei, ohne Makeup in den Arbeitskampf zu treten! Ihre grossen Augen können schliesslich nicht nur strahlen, sondern auch Leid ausstrahlen! Ich denke aber, es gehörte immer zur Besonderheit der Dardenne Filme, dass einfache Menschen von Schauspielern dargestellt wurden, die man nicht kannte. So als ob sie tatsächlich eins wären mit ihren Figuren! - Sandra (Marion Cotillard) war lange krank geschrieben wegen Depressionen. Nun versucht sie, zurückzukehren ins Arbeitsleben, doch es droht der Verlust ihres Jobs. Eine Katastrophe, denn in dem Fall könnte Sandra die Raten für das kleine Haus am Stadtrand nicht mehr bezahlen. Sie müsste mit ihrer Familie zurückziehen in eine Mietwohnung. Ihre Kollegen wurden vor die Wahl gestellt: Stimmen die der Wegratonalisierung von Sandras Job zu, erhalten sie eine Prämie. Während der Abstimmung aber kam es zu einer Beeinflussung des Teams: Der Vorarbeiter stellte Sandras Befähigung in Frage, indem er auf ihre Krankheit verwies. Die Abstimmung soll nun wiederholt werden und Sandra hat zwei Tage und eine Nacht lang Zeit, die Kollegen zu überzeugen. Alle Kollegen haben natürlich zwingende Gründe, die Prämie anzunehmen. Manche wirken sympathisch und erklären sich, andere bleiben unbewegt. Wir aber befinden uns - ob wir es wollen oder nicht - in der Position, Cottilard anzufeuern! Bessere Dardenne Filme zogen ihre Kraft aber aus der Ruhe... Dazu gibts einen Überblick über das belgische Kino auf der Seite unserer Videothek cinegeek.de
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