X-Men: Erste Entscheidung (2011)

Originaltitel: X-Men: First Class
X-Men: Erste Entscheidung Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

X-Men: Erste Entscheidung: Gelungenes Reboot der Mutantensaga, das vor dem Hintergrund der Kubakrise die Formierung der X-Men und ihre Spaltung in zwei Lager entwickelt.

Anfang der 1960er lernen sich Charles Xavier, der privilegierte Brite, und Erik Lehnsherr, der traumatisierte Deutsche, kennen. Bevor diese Männer zu Erzfeinden, zu Professor X und Magneto werden, entwickeln sie eine Freundschaft, bilden junge Mutanten aus. Um einen globalen Nuklearkrieg zu verhindern, zeigt sich das Mutantenteam erstmals der Welt und sichert deren Fortbestand. Doch die Spaltung ist unaufhaltsam, weil Lehnsherr den Menschen misstraut und darauf fixiert ist, Rache am Mörder seiner Mutter nehmen zu können.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Dass Regisseur Matthew Vaughn "X-Men: Erste Entscheidung" verantwortet, erweist sich als richtige Wahl. Schon mehrfach war Guy Ritchies ehemaliger Produzent als Regisseur für Superheldenprojekte im Gespräch. Das Prequel zur Mutanten-Trilogie unterstreicht, was eine überdurchschnittliche Comic-Book-Adaption von einer durchschnittlichen, wie die beiden genannten, unterscheidet: Hier ordnen sich die Effekte und Kämpfe einer sozialkritischen Story mit ausgefeilten Charakteren unter, anstatt sie zu dominieren.

    Das Projekt durchlief verschiedene Stadien. Ursprünglich sollte die Story lediglich die Begegnung von Professor X und Magneto in den Fokus stellen und in erster Linie während des 2. Weltkriegs angesiedelt sein. Daraus entwickelte sich später die Vorgeschichte zum Aufbau des „X-Men“-Verbunds. Vaughn und seine Autoren konzentrieren sich auf die Fragen, wie aus den einstigen Verbündeten Xavier und Lehnsherr Feinde wurde, wie der mit telepathischen Kräften ausgestattete Xavier zu seiner Lähmung und es zum Konflikt mit seiner Jugendfreundin Mystique kam. Dabei können sich die Autoren einige Scherze zur Haarpracht des späteren Glatzkopfs Professor X nicht verkneifen. Man verzichtete auf Gastauftritte der früheren Darsteller Patrick Stewart und Ian McKellen, wie überhaupt sämtliche Rollen mit derzeit angesagten Jungstars neu besetzt wurden. Einzig Hugh Jackman alias Wolverine schaut auf einen Cameo-Auftritt vorbei, obwohl er eigentlich zu alt für die Sechziger-Jahre-Ära ist.

    Hinfällig erscheint nun allerdings der Beginn von „X-Men: Der letzte Widerstand“, wo Professor X und Magneto gemeinsam auf Mutantenrekrutierung gehen, da sie am Ende des Prequels als Gegner von einander scheiden. Dafür greift der Prolog erneut den Beginn des ersten „X-Men“-Teils auf, wo der junge Erik in einem KZ unfreiwillig seine übernatürlichen Fähigkeiten demonstriert. Mit Gewalt will Kevin Bacon als sadistischer Nazi den Jungen zwingen, diese Kräfte in seinem Sinne zu kontrollieren. Im Original spricht der nach „Super“ erneut als Schurke in einem Superheldenspektakel auftretende Bacon diese Sequenz komplett auf Deutsch. Hierbei wird deutlich, dass er den Text phonetisch lernte, während Michael Fassbender als erwachsener Erik seine wenigen deutschen Passagen natürlich akzentfrei beherrscht.

    Als weitere Nazis trifft man auf Ludger Pistor und Winfried Hochholdiger, beide wie Fassbender bei „Inglorious Basterds“ mit von der Partie, wie überhaupt zahlreiche Nebenrollen mit prominenten Gesichtern besetzt wurden. Genreveterane wie Michael Ironside, Ray Wise („Twin Peaks“) oder James Remar vervollständigen als US-Offiziere die durchgehend überzeugende Besetzung. Obwohl für zahlreiche Rollen ursprünglich andere Namen im Gespräch waren, fand das Studio durchweg die passenden Akteure.

    Den größten Teil der Handlung siedelten Vaughn und seine Co-Autoren während der Kuba-Krise in den Sechzigern an, was dem Geschehen anfangs einen Hauch von „James Bond“ verleiht. Durch Einsatz seiner Mutanten will der kinetisch veranlagte Konzernchef Sebastian Shaw (Bacon wirkt nun wesentlich jünger als in den zwanzig Jahren zuvor angesiedelten Kriegsszenen) die Spannungen unter den Großmächten nutzen und den dritten Weltkrieg entfachen. Natürlich kommen ihm dabei die erstarkenden „X-Men“ in die Quere, was nicht ohne Verluste auf beiden Seiten abläuft. Das Prequel vertieft die in der Trilogie angeschnittenen Themen wie Außenseitertum, Rassismus, Manipulation, Machtmissbrauch und Furcht vor allem Fremden, was sich mit den Komplexen und inneren Dämonen der Figuren verbindet. Bis auf wenige einkopierte Explosionen, ein wiederkehrendes Dilemma, vermögen die Tricks unter der Ägide des Veteranen John Dykstra („Star Wars“) zu fesseln, zumal sie die gesellschaftspolitische Story ökonomisch unterstützen.

    Vaughn tat gut daran, teilweise auf sein bewährtes Team vor (Jason Flemyng als teuflischer Azazel) und hinter der Kamera (Co-Autorin Jane Goldman) zu bauen. „Layer Cake“, „Der Sternwanderer“, „Kick-Ass“, „X-Men: Erste Entscheidung“ – vier Schuss, vier Treffer. Dass seine überdurchschnittlichen Genrefilme an der Kasse leider stets hinter den Erwartungen zurück bleiben, darf man wohl der makaberen, ernsthaften und erwachsenen Erzählweise zuschreiben, aber bedauerlich erscheint es schon.

    Fazit: "X-Men: Erste Entscheidung" bietet erstklassige Superhelden-Unterhaltung mit Witz, Verstand und Tiefgang.
  • Matthew Vaughns Reboot der Hit-Reihe um Marvels Mutanten hat jüngere Helden und Schauplätze in der Vergangenheit, unterhält aber mit dem vertrauten Mix aus Dramatik, Toleranzthematik und Humor.

    Von den 1940er bis zu den frühen 1960er Jahren spannt sich der erzählerische Bogen dieses Actionabenteuers, an dem mehr Drehbuchautoren arbeiteten als Mutanten in der Originalcrew der X-Men. Trotzdem gelingt Regisseur Vaughn, der bereits für “X-Men: Der letzte Widerstand” und “Thor” im Gespräch war und mit “Kick-Ass” seine Comic-Affinität auf Medium-Budget-Niveau unterstrichen hat, ein relativ geschlossen wirkender Film, der eine historische Krise mit der Formierung der X-Men, ihrer Spaltung und der charakteristischen Zerrissenheit zwischen Anpassung und Aggression verknüpft. Ein langer Prolog in Auschwitz führt das bereits in Bryan Singers Franchise-Ouvertüre angedeutete familiäre Trauma des jungen Erik Lehnsherr weiter aus, verdichtet es auf die Konfrontation mit einem deutschen Nazi, der Eriks Fähigkeiten erkennt, ihn sadistisch testet und damit zum Todfeind macht, der 20 Jahre später endlich Rache nehmen will. Die tapferen, aber komisch wirkenden Deutschversuche Kevin Bacons, der dieses Monster spielt, das zur treibenden Kraft eines Nuklearkriegs werden wird, werden dank der Synchronisation keinen Schaden anrichten und so die Keimzelle der tragischen Dimension nicht erschüttern, die der Film behutsam auf mehreren Ebenen entwickelt. Betroffen wird davon auch Charles Xavier sein, der 1962 in Oxford noch am Anfang seiner Mutantenforschung steht. Ihm stellt der Film die junge Shapeshifterin Raven (Jennifer Lawrence) zur Seite, die er in seine Familie aufnimmt, bevor sie sich später als Mystique einen vertrauten Namen gibt und eine schwere Entscheidung hinsichtlich ihrer Loyalitäten trifft. Bereits in dieser Beziehung sind die Themen des Films, die Sehnsucht nach Normalität, die Kollision von Idealismus und Skepsis bezüglich menschlicher Toleranz, angelegt, die in der Freundschaft Xaviers und Lehnsherrs dramatisch konzentriert und explosiv auf den tragischen Punkt gebracht werden.

    Vaughns Film entwickelt schlüssig die Entwicklung der beiden Männer zu Professor X bzw. Magneto und ihren unausweichlichen Bruch. Der mit der Kubakrise aufgeheizte Kalte Krieg der Supermächte bleibt im Vergleich dazu nur Hintergrund und Auslöser eines packenden, etwa halbstündigen Finales, das mit der Spaltung der Lager die Saat für die Zukunft sät. In den Fortsetzungen ist noch Luft nach oben, können die Qualität der Effekte vereinheitlicht, die Charakterisierungen der Jungmutanten intensiviert und vielleicht auch ein stärkerer romantischer Subplot eingebaut werden. “X-Men: Erste Entscheidung” baut dafür mit den emotional engagierten Darstellungen von James McAvoy und Michael Fassbender ein solides Fundament, hält den Ton der Vorgänger, ist im Schwerpunkt ernsthaft, dabei aber auch humorvoll, hat coole “neue” Mutanten wie den Teleporter Azazel oder Eisamazone Emma Frost und einen spürbaren James Bond-Touch – gerade im Design, aber auch im Plot und besonders im genialen Mutanten McCoy als deutlich jüngeres Pendant zu Q. Und ein kurzes Wiedersehen mit zwei populären Franchise-Veteranen gibt es auch noch. kob.

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