Wolfsbrüder (2010)

Originaltitel: Entrelobos
Wolfsbrüder Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Wolfsbrüder: Factual Drama nach wahren Begebenheiten, das die Geschichte eines "Wolfsjungen" in beeindruckenden Bildern erzählt.

Spanien, 1954: Weil ein Wolfsrudel Ziegen gerissen hat, für die zwei Kinder verantwortlich waren, steht ihr bettelarmer Vater in der Schuld des Gutsherren. Deshalb trennt er Marcos von seinem geliebten Bruder und verkauft ihn an den Geschäftsmann, für den der Siebenjährige Fronarbeit verrichten muss: Im abgelegenen Tal der Stille wird er Ziegen hüten – sein einziger Gefährte ist ein alter Mann, der ihn lehrt, wie er unter freiem Himmel überlebt. Als dieser verstirbt, bleibt Marcos allein zurück. Als ein Wolf sein Leben rettet, wächst er im Schutz des Rudels auf.

Nachdem sein einziger Gefährte im Tal der Stille stirbt, lebt ein Junge zwölf Jahre allein in der Wildnis mit Wölfen. Factual Drama nach wahren Begebenheiten, das die Geschichte eines “Wolfsjungen” in beeindruckenden Bildern erzählt.

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Kritikerrezensionen

  • Die spanisch-deutsche Produktion "Wolfsbrüder" basiert auf der Lebensgeschichte von Marcos Rodríguez Pantoja. Der 1946 geborene Spanier lebte als Kind und Jugendlicher zwölf Jahre in der Wildnis der südspanischen Berge, ohne menschliche Kontakte. Ein Rudel Wölfe hatte sich mit ihm angefreundet. Noch heute bezeichnet Pantoja, der in einem Dorf wohnt und erst als alter Mann beschlossen hat, lesen und schreiben zu lernen, diese Jahre als die besten seines Lebens. Ganz am Schluss des Films von Regisseur und Drehbuchautor Gerardo Olivares spielt er sich sogar selbst als Sechzigjährigen, der der Wildnis und den Nachfahren des Wolfs Lobito einen Besuch abstattet.

    Nicht nur die römische Sage der Zwillingsbrüder Romulus und Remus kennt sie: Auch das Kino liebt die Kinder, die von wilden Tieren adoptiert wurden. Das bewies schon der kleine Mogli aus Disneys "Dschungelbuch" aus dem Jahr 1967. Die Wirklichkeit kennt noch mehr Schicksale von Kindern, die in der Wildnis aus eigener Kraft oder mit der Hilfe von Tieren überlebten. Olivares fand eine Auflistung von 137 dokumentierten Fällen weltweit. Marcos´ Jahre in der Wildnis nehmen ihren Anfang vor dem Hintergrund ländlicher Armut, feudaler Strukturen und der Franco-Diktatur im Spanien der fünfziger Jahre. Es kam vor, dass in Not geratene Bauern ihre Kinder mit Ziegenherden weit weg in die Berge schickten, oder sie als Arbeitskräfte gegen Nahrungsmittel eintauschten. Die abgelegenen Gebiete der Sierra Morena dienten auch ehemaligen Guerrillakämpfern aus dem spanischen Bürgerkrieg als Zufluchtsort. Im Film sind der Ziegenhirte Atanasio und der legendären Outlaw Balilla Charaktere, die seit dem Krieg fernab der Gesellschaft leben. Sie bleiben Einzelgänger, die quasi als Nachbarn voneinander wissen und sich respektieren.

    Atanasio, gespielt von Sancho Gracia, lebt in einer Höhle, in der er das Feuer nie ausgehen lässt. Er zeigt dem kleinen Marcos, den Manuel Camacho - ein Laiendarsteller aus derselben Provinz - spielt, wie er sich mit den aggressiven Wölfen arrangiert und wie er mit Hilfe des zahmen Frettchens Minero Kaninchen in ihrem Bau aufstöbert. Aber die Natur ist gnadenlos: Als Atanasio stirbt, ist der hungrige und verängstigte Marcos beinahe verloren. Er schafft es nicht einmal, den Alten unter die Erde zu bringen, denn die Geier haben ihn vorher entdeckt. Aber mit dem ersten Stück Fleisch, das ihm ein Wolf vor die Höhle legt, geht es wieder bergauf. Als jungen Mann, gespielt von Juan José Ballesta, sieht man Marcos in geduckter Haltung über die Felsen springen, mit Lobito um die Wette knurren, ein Reh jagen: „Ich war der König des Tals“, wird sich der echte Marcos später erinnern.

    Für die Aufnahmen mit den Wölfen, die an den Originalschauplatz, den heutigen Naturpark Cardena-Montoro, gebracht wurden, sorgte eine eigene Crew unter der Regie des erfahrenen Tierfilmers Joaquín Gutierrez Acha. Zunächst wollte der zuständige Wolfstrainer aus Sicherheitsgründen nicht, dass die Schauspieler mit den Wölfen in Kontakt kamen. Aber Olivares und Acha setzten sich durch und die Tiere akzeptierten den jungen wie den erwachsenen Marcos-Darsteller schnell. Die Bilder der weitläufigen einsamen Berglandschaft im Wechsel der Jahreszeiten, die verschiedenen Tiere, denen Marcos begegnet und die vielen Stimmen der Wildnis sind einfach überwältigend.

    "Frieden und Freiheit" habe er in der Natur erlebt, berichtet der echte Marcos im Presseheft. Der spannende Film zeigt dieses Robinson-Dasein von seiner abenteuerlichen Seite, ohne es zu verklären. Die ernüchternde Rückkehr des verwilderten Menschen, den seine Häscher „die Bestie“ nennen, in die Gesellschaft und sein lebenslanges Gefühl, in ihr ein Außenseiter zu sein, spart der aufwändig inszenierte Spielfilm aus – zum Glück, möchte man fast sagen. Die Wildnis kann unter Umständen ein vernünftigeres Gesicht zeigen als die menschliche Zivilisation.

    Fazit: Der spanische Familienfilm "Wolfsbrüder" über einen Jungen, der ohne menschlichen Kontakt in den Bergen lebt und sich mit einem Wolf anfreundet, vereint Spannung mit imposanten Naturaufnahmen.
  • Sozialrealistisches Naturabenteuer nach dem wahren Fall eines Jungen, der zwölf Jahre allein in der Wildnis überlebte und von Wölfen versorgt wurde.

    Bevor er sich dem Spielfilm zuwandte (“14 Kilometer – Auf der Suche nach dem Glück”), arbeitete der Spanier Gerardo Olivares lange Zeit als Dokumentarfilmer. Diese Prägung bleibt spürbar, wenn er sich dem Leben von Marcos Rodriguez Pantoja widmet, der als Kind 1954 von seinem Vater an einen Gutsherrn verkauft wurde, der ihn in der Wildnis Ziegen hüten ließ und dann dort vergaß – für zwölf Jahre.

    Im Stile italienischer Hirtenfilme und des sozialkritischem Neorealismus, dem eine lyrische Landschaft gegenübersteht – gedreht wurde im geschütztem Naturpark Sierra de Cardeña-Montoro in Andalusien -, entfaltet sich eine Welt, in der Kinder von ihren Schutzbefohlenen benutzt, ausgebeutet und alleingelassen werden. Weil Wölfe einige Ziegen gerissen haben, für die Marcos und sein Bruder verantwortlich waren, verkauft ihn der Vater an dessen Gutsherrn, um die Schulden zu begleichen. Der schickt den Siebenjährigen in die bergige Wildnis zu einem wortkargen alten Ziegenhirten (anrührend: Sancho Gracia), bei dem der stets schikanierte und von der Angst vor Wölfen gepeinigte Junge erstmals Zuneigung und Güte erfährt. Kaum hat sich eine Freundschaft entwickelt, erkrankt sein Mentor und stirbt – fortan muss Marcos fernab der Zivilisation um sein Überleben kämpfen. Ausgerechnet ein junger Wolf bewahrt ihn vor dem sicheren Hungertod, bis der Junge die Überlebenstechniken beherrscht. Zwölf Jahre wächst er im Tal der Stille heran, bis wieder Menschen die Idylle stören.

    Es ist zwar eine Kindheitsgeschichte, aber ganz sicher kein Kinderfilm, den Olivares zunächst mit genauem Blick für bittere Armut und Ungerechtigkeit in bewegenden Kapiteln des Leidens und Ausgegrenztseins erzählt. Was Menschen ihm verweigern, findet Marcos in der Natur: Schutz, Geborgenheit, Freundschaft, Fürsorge – mehr Kritik an einer mitleidlosen Gesellschaft geht kaum. Aus der sozialrealistischen Studie schält sich ein Wild-Life-Drama, das die gesamte Tierwelt der Region vorstellt und dabei den halben Weg zum Walt-Disney-Tierabenteuer einschlägt, aber dramaturgisch sein Potenzial nicht ganz ausreizt. Olivares pendelt zwischen Naturalismus und Rührseligkeit, kann aber auf die Authentizität des Falls bauen, mit herrlicher Landschaftskulisse und Tieraufnahmen punkten und dem Pfund einer sehnsuchtsvollen Innigkeit zwischen Mensch und Wolf wuchern. tk.

Darsteller und Crew

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