Wir wollten aufs Meer (2012)

Wir wollten aufs Meer Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (3)
  1. Ø 3.3
Kritikerwertung (3)
  1. Ø 4

Filmhandlung und Hintergrund

Wir wollten aufs Meer: Beeindruckendes Drama um zwei befreundete Hafenarbeiter aus Rostock, die zu DDR-Zeiten davon träumen zur See zu fahren.

Die zwei Freunde Cornelis und Andreas möchten 1982 als Matrosen hinaus aufs Meer, aber nach Jahren sitzen sie noch in Rostock fest. Um ihren Traum zu verwirklichen, lassen sie sich von der Stasi anheuern, den zur Flucht bereiten Vorarbeiter zu bespitzeln. Während der eine moralische Bedenken hat, wird der andere zum Verräter und nach einem Unfall, der ihn an den Rollstuhl fesselt, später zum Handlanger der Stasi, der auch seinen Freund in den Knast bringt und alle Ideale aufgibt.

Zwei Freunde können sich in der DDR ihren Traum von der Seefahrt nicht erfüllen und werden mit den Jahren zu Feinden. Beeindruckendes Schicksalsdrama, das Themen wie Stasi und Strafvollzug mit unerbittlicher Härte beleuchtet.

Videos und Bilder

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Kritiken und Bewertungen

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    Kurztext

    DDR, Anfang der 1980er Jahre: Schon seit sie denken können, wollen Conny und Andreas aufs Meer. Für die beiden jungen Männer, die sich im System der Republik eingesperrt fühlen, ist das Anheuern auf einem Schiff das, was dem Gefühl der Freiheit am nächsten kommt. Doch drei Jahre später ist immer noch keiner von beiden auf See. Ein Kollege der beiden plant, über die Grenze zu fliehen. Conny und Andreas wollen ihn verraten. Doch während bei Conny der Gerechtigkeitssinn und die Loyalität siegen, nutzt Andreas die Chance des Stasi-Protektorats. Und auch wenn sich die Wege der beiden Freunde trennen, so bleiben sie doch schicksalhaft miteinander verbunden. Bis zum Sturz des Systems. Regisseur Toke Constantin Hebbeln, der 2007 für NIMMERMEHR den Studentenoscar erhielt, ist mit seinem Abschlussfilm an der Filmakademie Ludwigsburg etwas ganz besonderes gelungen: Eine intensiv erzählte und in ihrer Figurengestaltung dicht gestrickte Geschichte anhand dreier Einzelschicksale, die gleichzeitig einen Einblick in die deutsch-deutsche Geschichte liefert und so die Komplexität des repressiven DDR-Systems auf bedrückende Weise spürbar macht. In den Hauptrollen mit Alexander Fehling, Ronald Zehrfeld und August Diehl blendend besetzt, entspinnt sich ein Dreieck aus Freundschaft, Widerstand und Verrat. Ein beeindruckendes filmisches Plädoyer für die Freiheit des Einzelnen und die Kraft des gemeinsamen Widerstands.

    Gutachten

    Rostock 1982. Hier beginnt die Geschichte zweier Freunde, die den Zuschauer durch die dunkelsten Seiten der DDR-Überwachung des eigenen Volkes führt. Auf äußerst gelungene Weise werden zwei zutiefst unterschiedlich verlaufene Schicksale miteinander verknüpft, wird Alltag unter dem Druck der Stasi nacherlebbar gemacht, werden moralische Fragen von absoluter Größe und tiefster Privatheit abgehandelt. Das ausgefeilte Drehbuch und ein bis in die kleinsten Nebenrollen herausragend geführtes und agierendes Ensemble machen diesen Film zu einem Erlebnis. Der Regisseur will offensichtlich sehr viel und dank hervorragender Produzenten und einem ihn bestens unterstützenden Team gelingt ihm auch alles.

    Mit größter Sicherheit öffnet der Regisseur verschiedenste Erzählstränge, gibt jedem einzelnen angemessenen Raum und führt alles immer wieder zusammen und zu einem Ende. Dabei entstehen niemals Klischees, jede Figur entwickelt sich zu einem glaubhaften Charakter, menschliche Konflikte können mitverfolgt und nachvollzogen werden. Die große Kunst des Regisseurs liegt darin, sowohl den moralisch integren als auch den auf seinen persönlichen emotionalen Vorteil bedachten Protagonisten mit gleicher dramaturgischer Sorgfalt zu verhandeln. Hier geht es nicht um die Schaffung von Sym- und Antipathien, hier geht es darum, nachvollziehbar zu machen, wie unterschiedlich Menschen sich in einem totalitären System entwickeln können und dabei ihren individuellen Schuldfragen stellen müssen.

    WIR WOLLTEN AUFS MEER ist ein in höchstem Maße gelungener Film über ein Stück deutsch-deutsche Geschichte, der sich ohne Weiteres in eine Reihe mit DAS LEBEN DER ANDEREN oder ähnlich eindringlichen Werken stellen lässt.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Der Verrat zweier Freunde an ihrem Vorarbeiter, den sie an die Stasi verpfeifen; der darauffolgende Streit, die Kränkung; Isolation und gezielte Zersetzung im Stasiknast, das Brechen der Persönlichkeit; Treuebruch, der sich über viele Jahre hinzieht, an dessen Ende nicht einmal mehr Feindschaft stehen kann, sondern nur noch fassungslose Verachtung: In seinem Langfilmdebüt schildert Toke Constantin Hebbeln die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Freundschaft in der DDR, in einer geradewegs abwärts führenden Linie. Hebbeln, der für seinen Film "Nimmermeer" aus dem Jahr 2007 mit dem Studenten-Oscar ausgezeichnet wurde, zeigt mit "Wir wollten aufs Meer" sein Gespür für die große Erzählung.

    Am Anfang steht die reine Freude der Aufbruchsstimmung: Für Cornelis und Andreas steht die Welt offen, 1982 am Rostocker Hafen, der Aufbruch in die Weite kann nicht mehr lange auf sich warten lassen. Matrose sein, über die Weltmeere schippern: Das ist ihr Traum, und es geht nicht um Politisches, keine Republikflucht steht im Hintergrund, es treibt sie einfach der Drang nach Draußen, den junge Leute verspüren.

    Die Ernüchterung folgt. Nach ein paar Jahren sind sie immer noch nur Hafenarbeiter, sie werden nicht rauskommen, ihre persönlichen Verhältnisse, sie sind nicht so. Eine Chance gäbe es vielleicht, statt Indifferenz die Zusammenarbeit mit dem Staat – eine leicht amateurhafte Abhöraktion in der Wohnung ihres Chefs ist der Sündenfall, von jetzt ab scheint es kein Zurück mehr zu geben.

    Hebbeln spielt radikal mit dem Pendel der Gefühle, und er spielt nicht nur mit dem – einigermaßen Drama-üblichen – Umschwung von anfänglichem Glück in die Frustration dessen, der irgendwo in seinem Leben feststeckt. Auf einen hochemotionalen, auch körperlichen Streit lässt er einen heftigen Schockmoment folgen, eine der Hauptfiguren fällt aus; und in der Folge verzweigt sich der Film, verläuft auf mehreren Wegen. Die Freunde sind getrennt; Andreas versteckt, heimlich in einem Stasi-Haus, Cornelis im Gefängnis, dessen vietnamesische Freundin in Hamburg, als entferntes Sehnsuchtsziel. Und zwischen Andreas und Cornelis, über die Distanz, spielt sich das ganz große Drama ab, eines, das mit solcher Prägnanz, mit solcher Vehemenz selten im deutschen Film zu sehen ist.

    Andreas betrügt Cornelis aus der Ferne, gaukelt ihm ein Leben vor, das es nie gab, nicht gibt, nie geben wird – eine Art Umkehrung des Cyrano de Bergerac, der Liebesbriefe fälscht, um das Gute zu bewirken. Hebbeln sorgt dabei für konzentrierte Spannung, lässt sich auf beide Seiten ein, verteufelt auch niemals den Antagonisten, sondern baut um diesen Grundkonflikt die kleinen, ganz alltäglichen Geschehnisse bei Stasi und im Stasigefängnis; so dass sich ein voller, lebendiger Film formt, der emotional packt (und dem man ein paar wenige allzu melodramatische Szenen nur zu gerne verzeiht). Eine ähnliche Strategie des Alltäglichen im Wahnsinn des Politischen hat „Das Leben der anderen“ verfolgt – zum Oscar wird es für „Wir wollten aufs Meer“ freilich nicht reichen.

    Hebbeln erzählt von Freundschaft und Verrat, von einem großen Traum, vom Erwachsenwerden, von der Liebe und der Vergeblichkeit, vor dem Hintergrund der repressiven DDR; und es ist hoch anzurechnen, dass das Politische, das in der Geschichte steckt, nicht extra hervorgehoben, nicht als großes Thema behandelt wird. Denn der Film ist kein Lehrstück über einen untergegangenen Staat, er ist auch kein Historienfilm; sondern schlicht – menschlich.

    Fazit: "Wir wollten aufs Meer" ist ein Freundschaftsdrama zu Zeiten der Stasi. Regisseur Toke Constantin Hebbeln zeigt damit den Mut zur großen, emotionalen Erzählung - ein Mut, der sich lohnt.
  • Packendes Kinodebut mit Deutschlands Schauspiel-Trio Alexander Fehling, August Diehl und Ronald Zehrfeld über Freunde, die durch die Stasi zu Feinden werden.

    Toke Constantin Hebbelns bewegendes Kinodebut kann es mit “Das Leben der anderen” von Florian Henckel von Donnersmarck locker aufnehmen, er geht beim Thema Stasi noch einen Schritt weiter. Der Preisträger des Studenten-Oscars für “Nimmermehr” 2007 skizziert die Figuren nicht schwarz-weiß, sondern in ihrer Zerrissenheit und den Grauzonen. Dass er für die Hauptrollen das Traumtrio des deutschen Kinos verpflichten konnte, nämlich Alexander Fehling, August Diehl und Ronald Zehrfeld, macht dieses Drama nicht nur politisch und inszenatorisch zu einem Highlight, sondern auch schauspielerisch.

    Die zwei Buddies Cornelis und Andreas haben 1982 nur ein Ziel, hinaus aufs Meer, als Matrosen der DDR-Handelsmarine die weite Welt zu erobern. Um ihren Traum zu verwirklichen, lassen sich von der Stasi anheuern, um den Kollegen Matze auszuhorchen. Und der erzählt frei von der Leber weg, dass er abhauen will aus diesem repressiven Land. Dieses Geständnis könnte der Schlüssel für den Job auf See sein. Aber Cornelis kriegt Gewissensbisse und zerstört das Band. Sein Kumpel Andreas ist da weniger feinfühlig, verrät den Vorarbeiter, der festgenommen wird. Als Cornelis ihn zur Rede stellt, wird beim Handgemenge der Freund von einem LKW erfasst und kommt ins Krankenhaus, das er im Rollstuhl verlässt. Nichts ist mehr wie es einmal war. Das Unfallopfer wird zum Stasi-Handlanger und gibt die Freundschaft preis.

    Das bewegende Drama erzählt von Schmerz und Enttäuschung, grenzenlosem Mut und dem Prinzip Hoffnung, das am Leben erhält und kreist intensiv um das Spitzelsystem der Stasi und seine gesellschaftlichen Konsequenzen, die rigorose Zerstörung des Vertrauens zwischen Menschen, die dadurch bedingte Einsamkeit des Individuums. Hebbeln (schrieb das Drehbuch mit seinem Ludwigsburger Kommilitonen Ronny Schalk) recherchierte in vielen Gesprächen mit Historikern, Zeitzeugen und ehemaligen Insassen im berüchtigten Gefängnis Hohenschönhausen, das Resultat ist eine zeitlose Geschichte um Freundschaft, Verrat und Liebe, um Sehnsucht nach einer besseren und gerechteren Welt. Die Besetzung ist Top – nicht nur Zehrfeld als aufbrausendem Hafenvorarbeiter, Fehling als konsequente Persönlichkeit und der kurz vor Drehbeginn dazu gestoßene Diehl als perfider Spitzel – auch die Nebenrollen mit Rolf Hoppe als brutal lächelndem Stasi-Offizier oder Sylvester Groth als Gentleman-Spion sind bestens besetzt. Bei dem ersten Film, der über lange Strecken im DDR-Strafvollzug spielt, wurden die Gefängnisszenen aus verschiedenen Motiven zusammengesetzt und vermitteln ein sehr authentisches Bild, die zahlreichen Mitarbeiter hinter der Kamera aus den neuen Bundesländern sorgten für Genauigkeit, auch in der Sprache, Kameramann Felix Novo de Oliveiras Aufnahmen in tristem grau-blau runden das perfekte Werk ab. mk.

Darsteller und Crew

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