Wir sind was wir sind (2010)

Originaltitel: Somos lo que hay
Wir sind was wir sind Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Wir sind was wir sind: Mehr bedrückendes Sozialdrama als Horrorfilm, erzählt der Film anhand einer modernen Familie von Kannibalen, von der Verwahrlosung der urbanen Gesellschaft.

Ein Mann bricht in einer mexikanischen Metropole auf der Straße würgend zusammen und stirbt. Der Tod des Oberhauptes stürzt seine Familie, bestehend aus Ehefrau, einer Tochter und zwei Söhnen, in eine schwere Krise. Wer soll für den schweren Lebensunterhalt der Familie sorgen und Essen auf den Tisch bringen? Der älteste Sohn wehrt sich zunächst, in die Fußstapfen des Vater zu treten. Doch nach und nach drängen ihn seine Geschwister dazu, in den düstersten Ecken der Stadt Jagd auf Menschen zu machen. Denn schließlich besteht die Familie aus Kannibalen.

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Kritikerrezensionen

  • Man kann realistischen Horror auf verschiedene Arten inszenieren. Man kann hart auf das Körperliche zielen, den Zuschauer direkt angreifen, indem fast naturalistisch das Grauen gezeigt wird – Snuff-Videos wären hier die extreme Variante. Man kann einen reellen Fall verfilmen und etwa Exorzismen nicht nur als überhöhte Fantasien darstellen, sondern als beklemmendes Psychodrama wie „Requiem“ – oder einen Fall aus der Wirklichkeit reißerisch aufbereiten wie es mit dem Kannibalen von Rotenburg geschehen ist. Man kann auch – und das tut Jorge Michel Grau mit seinem Debütfilm „Wir sind was wir sind“ – die Realität von Mexico City, die Realität der Gesellschaft und der Moderne in eine dem Horror-Arsenal entnommene Metapher gießen und diese zum Sozialdrama umarbeiten. Das Realistische, das Reale des Großstadtmoloch wird künstlerisch abstrahiert und allegorisiert, um damit in der Verbindung mit Horrormythen direkt den Kern zu treffen. In „Wir sind was wir sind“ geht es speziell um die soziale Situation einer Underdog- und Außenseiterfamilie, und generell um die Gewalt zwischen den Menschen: jeder ist des anderen Wolf.

    Ganz konkret spricht der Film dieses Motto aus, als Alfredo einen jungen Schwulen in eine Disco verfolgt hat: „Bin gleich zurück… Bleib hier, sonst verschlingen dich die Wölfe.“ Dabei ist dem Schwulen nicht klar, wer hier auf der Jagd ist – wir, die Zuschauer, haben das schon mitgekriegt. Doch am Anfang führt auch uns der Film ahnungslos in die Höhle der Wölfe: Ein alter Mann stirbt auf dem Bürgersteig, der Körper wird weggeschleppt, mit Wischmop wird aufgewischt, dann geht man darüber hinweg – doch seine Familie fällt ins Elend. Der Vater hat nicht nur Geld verdient, indem er Uhren repariert hat, er war auch der spirituelle Anführer; und nun werden die Sorgen existentiell, gehen über das Finanzielle hinaus. Ein Anführer fehlt in der Familie, den Söhnen fehlt Erfahrung und Wille; und bis morgen muss wieder etwas herbeigeschafft werden. Was das ist, wird klar, als Alfredo und Julian Jagd auf Straßenkindern machen – erfolglos. Sie brauchen ein menschliches Opfer, für das Ritual, für das kannibalische.

    Ein solches scheint recht selbstverständlich in der Welt, die der Film zeigt. „Sie glauben nicht, wie viele zerstückelte Leichen wir reinbekommen, in dieser Stadt frisst jeder jeden“, sagen die in der Pathologie; und die Polizisten kümmert es kaum, dass im Magen des toten Vaters ein menschlicher Finger gefunden wurde.

    Am Ritual hängt alles, das Ritual soll alles wieder gut machen – die Mythologie dahinter wird nie beleuchtet, ist auch nicht weiter wichtig; man kann sich vor Augen halten, dass Mexiko früher von Azteken bewohnt war, mit ihren zeremoniellen Menschenopfern… Etwas Archaisches lebt in der kannibalischen Familie fort, die ein Leben sozialen Elends in einer modernen Metropole führt. Der Ansatz, vom Heute, von alltäglicher Gewalt, von Vereinzelung, von Auflösung der Ordnung über die Kannibalismus-Metapher zu erzählen, ist bestechend, auch die Haltung, das Unerhörte als selbstverständlich zu nehmen.

    Doch irgendetwas fehlt eben doch. Alles wirkt konstruiert (und zuwenig abstrahiert), die Figuren sind zu funktionell, zu klar in ihrer Rolle für den Fortgang des Films definiert; und doch ist da der unbedingte Wille zur sozialen Realität – das beißt sich. Die verbitterte Mutter, die im Hintergrund gebieterische Schwester, der impulsive, ungeduldige jüngere Bruder, der zögernde, sensible Ältere, sie sind keine Charaktere, eher Figuren im Lehrstück des Regisseurs.

    Jorge Michel Grau will unsere Welt im Sinne von Horrormythen deuten, er nutzt die Horrortopoi – die kannibalistische Familie im verrotteten Haus –, um sich fundamental mit der von ihm diagnostizierten allgegenwärtigen Gewalt auseinanderzusetzen: „Meine Arbeit, meine Sprache und mein Erzählen enthielten viel Gewalt“, sagt Grau. „Ich schaffte es nie, dieser Sache wirklich Ausdruck zu verleihen, bis ich dahinter kam, dass Gewalt immer mit Familie in Verbindung steht. Die Familie erzeugt Gewalt und wird von ihr geprägt.“ Mit dieser Erzählhaltung aber steht Grau zwischen zwei Stühlen; und während die Horrorszenen durchaus funktionieren – gerade, indem Grau den Splatter außerhalb des Bildrahmens setzt und nicht direkt zeigt –, gerät er andererseits in die Falle, die das Sozialdrama bereithält: Die Klage über den ach so desolaten Zustand dieser Welt, die diesem Film innewohnt, bekommt einen heftigen Drall in die Larmoyanz. Und man fragt sich, ob dieselbe Geschichte einer verwaisten Kannibalenfamilie in der modernen Großstadt nicht mit derselben grundsätzlichen gesellschaftlichen Aussage souveräner als Komödie hätte erzählt werden können.

    Fazit: Eine Kannibalenfamilie ist etwas ganz Alltägliches im Großstadtmoloch Mexico City. Regisseur Jorge Michel Grau nutzt für sein Sozialdrama die Mittel des Horrorfilms – doch er kann dennoch dem Plakativen, dem Platten nicht so recht ausweichen.
  • In seinem Regiedebüt wirft Jorge Michel Grau einen düsteren Blick auf die moderne städtische Gesellschaft Mexikos, die sich buchstäblich selbst auffrisst.

    Ein scheinbar verwirrter Mann streift durch die Straßen der mexikanischen Hauptstadt. Vor den Schaufenstern mit ihren Puppen in hübschen Kleidern bleibt er stehen, worauf er vom Verkäufer vertrieben, aber ansonsten von niemandem beachtet wird. Erst als er würgend zusammenbricht, um schließlich tot liegen zu bleiben, nehmen die Passanten Notiz von ihm. Der unerwartete Tod des Familienoberhauptes stürzt seine Ehefrau, Tochter und die zwei Söhne in eine schwere Krise. Wer soll jetzt für den Lebensunterhalt der Übriggebliebenen sorgen? Alfredo, der Älteste, wehrt sich gegen die neue Aufgabe und muss erst von seinen beiden jüngeren Geschwistern dazu getrieben werden.

    Erstaunlich lange lässt Regisseur Jorge Michel Grau die Zuschauer im Unklaren, warum es Alfredo dermaßen widerstrebt, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. So schwebt von Anfang an etwas Mysteriöses und Bedrohliches über dem als ruhig inszeniertes Sozialdrama beginnenden Debüt des Regisseurs. Doch beschleicht den Kinogänger das Gefühl, dass die morbide, verfaulte Stimmung, die das dunkle Wohnloch der Familie charakterisiert, nicht von ungefähr kommt: Mutter Patrizia, Tochter Sabina sowie die beiden Söhne Alfredo und Julian sind Kannibalen. Ihr Vater schlich nachts durch die dreckigen und von dunklen Gestalten bewohnten Gassen und Nischen der Metropole, um Jagd auf die Ausgestoßenen zu machen, die niemand vermissen wird.

    In seinem Ansatz, das Arthouse-Kino mit dem Horrorgenre zu vermählen und die Monster als Wesen mit Gefühlen und Ängsten zu zeigen, wird “Wir sind, was wir sind” immer wieder mit Tomas Alfredsons “So finster die Nacht” verglichen, wobei Graus Werk noch einen Schritt weiter geht. Zeigt Alfredson seine Vampirin zwar als vermeintlich verletzliches Mädchen, so ist sein Blick doch immer der des Nachbarjungen auf das verlockend starke Böse, das in letzter Instanz doch nur helfen möchte. Zudem bleibt Alfredson inszenatorisch weitestgehend den Konventionen des Genrefilms verhaftet. Grau hingegen hat sich völlig der Sicht der Täter verschrieben, deren Tun nichts Rechtfertigendes oder gar Verständliches inne wohnt. Zwar blendet die Kamera das Geschrei und Leid der Opfer nicht aus, doch noch mehr leiden die Jugendlichen Menschenfresser unter ihrem Schicksal und dem Druck ihrer Mutter.

    Warum sie tun, was sie tun, wird nicht erklärt. Ein nicht näher benannter Ritus, dem es zu folgen gilt, muss als Erläuterung reichen. Dies ist zwar, passend zum Filmtitel, konsequent, erschwert aber den Zugang zu den Charakteren. Warum all das passiert, will sich dem Zuseher nur schwer erschließen. Und so ist “Wir sind, was wir sind” weniger eine Neuerfindung des Kannibalengenres, als eine etwas unterkühlt konstruierte Allegorie auf die Verwahrlosung der Gesellschaft im Allgemeinen und des Urbanen im Speziellen. Jeder ist sich selbst der nächste, was zur universellen Zerfleischung führt. Und auch wenn diese Grundthese nicht wirklich subtil und im Grunde seit jeher dem Kannibalen- und Zombiefilm eigen ist, entwickelt Graus ganz spezielles Familiendrama eine Kraft, die nachwirkt. mahe.

Darsteller und Crew

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